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11 Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss : Das Wrack im Watt: Die Geschichte der „Mariann“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In unserer Serie geht es heute um die Geschichte der „Mariann“, einem Schiffswrack im Watt vor Braderup.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2015 | 05:33 Uhr

Es gibt viele schöne, besondere und interessante Orte auf Sylt. 111 davon hat Autorin Sina Beerwald gesammelt und in dem Buch „111 Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss“ veröffentlicht. In einer Serie veröffentlicht die Sylter Rundschau in loser Folge elf Kapitel aus dem Buch.

Eine einsame Strandwanderung, das ist selbst in der Hochsaison vor der 15 Meter hohen Steilküste zwischen Munkmarsch und Braderup möglich, vor dem hellweißen Kaolinsand des Weißen Kliffs, entstanden vor zwei bis drei Millionen Jahren. Der Kaolinsand besteht aus kleinsten Halbedelstein- und Edelsteinkörnchen, die bei genauem Hinsehen in schillernden Farben glitzern. Steht man auf dem Kliff, eröffnet sich ein Blick über die Keitumer Bucht bis nach List und hinüber zu Dänemarks Küste. Den Strandspaziergang unternimmt man am besten zu einer Zeit, wenn Ebbe herrscht. Dann kann man im Watt das Schiffswrack aus Holz entdecken, das nur rund 200 Meter vom Strand entfernt liegt: Reste des schwedischen Dreimastschoners „Mariann“.

Doch wie kam der nach Sylt? Es ist nicht die abenteuerliche Geschichte eines Schiffes, das im Sturm vor der Küste sank, wie so viele
in den vergangenen Jahrhunderten. Nein, die „Mariann“ lag vielmehr als ehemaliges Getreide-Transportschiff nach dem Zweiten Weltkrieg
abgetakelt in einem kleinen schwedischen Hafen. Das brachte zwei Sylter aus einer Künstlergruppe 1961 auf eine Idee: ein schwimmendes
Café auf Sylt.

Mit dem Segelschiff im Schlepptau, kamen sie im benachbarten Hafen von Munkmarsch an. Die Behörden nahmen den Syltern allerdings ziemlich schnell den Wind aus den Segeln, indem sie schlicht die Genehmigung verweigerten. Im Hafen von Munkmarsch durfte die „Mariann“ nicht bleiben, also ging das Schiff im Wattenmeer vor dem Weißen Kliff vor Anker.

Der Plan B: ein Kabarett. Und damit die Besucher ohne nasse Füße auf das Schiff kommen konnten, gleich eine Seebrücke dazu – die wiederum nicht genehmigt wurde.

Also Plan C – die „Mariann“ wurde zum inoffiziellen Partyschiff und Geheimtipp unter den Feierwütigen. Bis 1981 Feuer auf dem Schiff ausbricht. Ob Brandstiftung
oder zu viel Alkohol bleibt ungeklärt.

Adresse: Vor dem Weißen Kliff, Parkplatz am Ende der Straße Üp de Hiir, weiter auf
dem Fußweg zum Watt, 25996 Wenningstedt-Braderup, ÖPNV: Bus 3, Haltestelle Braderup, Tipp: Die Straße Üp de Hiir führt als Rundweg durch den Ort, bietet dabei
immer wieder Ausblicke über die Braderuper Heide und das Wattenmeer.

Die Autorin:
Sina Beerwald, 1977 in Stuttgart geboren, hat sich bislang mit sieben erfolgreichen Romanen einen Namen gemacht. 2011 wurde sie Preisträgerin des NordMordAward, 2014 erhielt sie für ihren Sylt-Krimi „Mordsmöwen“ den Samiel Award. Vor sieben Jahren wanderte sie mit zwei Koffern und vielen kriminellen Ideen im Gepäck auf die Insel Sylt aus und lebt dort seither als freie Autorin. www.sina-beerwald.de

 

Das Buch: „111 Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss“ ist im Handel erhältlich. Emons Verlag Köln, 2015, ISBN 978-3-95451-511-0, 240 Seiten, 14,95 Euro.

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