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Edel-Bordell auf Sylt : „Das wird gar nicht puffig“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein neues Edel-Bordell in Westerlands Strandstraße soll Ende 2014 öffnen. Dem Betreiber gehört bereits das angeblich größte Bordell Europas. Merkwürdig: Die Gemeinde Sylt weiß gar nichts von geplanter Prostitution.

Sylt | Der Betreiber des angeblich größten Bordells Europas, dem „Paradise“ in Stuttgart, eröffnet einen Gentlemen’s Club in der Strandstraße in Westerland auf Sylt. Wie Jürgen Rudloff gegenüber der Sylter Rundschau bestätigte, will er für rund 2,5 Millionen Euro das ehemalige Kino im Appartement-Haus Strandburg umbauen. Die Eröffnung des Clubs, in dem die Angestellten „auch der Prostitution nachgehen“, plane er momentan für Ende des kommenden Jahres, sagt der Stuttgarter.

Vor allem sei ihm wichtig, betont Rudloff, dass das Sylter Etablissement nichts mit seinen anderen fünf Groß-Bordellen in Deutschland gemeinsam habe – „das wird sehr stilvoll, kriegt Clubcharakter, wird gar nicht puffig – in seiner Art einzigartig “. Er habe vor, seinen Sylter Club europaweit zu bewerben. In verschiedenen Bereichen könnten sich die Besucher mit den Mitarbeiterinnen, die freischaffend der Prostitution nachgehen, zurückziehen. Rund 15 bis 20 Angestellte sollen im „Gentlemen’s Club“ arbeiten.

Rudloff betont, er liebe die Insel Sylt schon lange, auch die gehobene Gastronomie, beispielsweise das Gogärtchen oder die Sansibar: „Der idyllische Charakter Sylts wird nicht verloren gehen, weil ich komme.“ Zudem habe seine Idee des gehobenen Herrenclubs auf der Insel bisher eher begeistert, denn ablehnende Reaktionen hervorgerufen.

Der Bordell-Besitzer tritt in den deutschen Medien häufig in Erscheinung, er präsentiert sich in Talkshows oder Zeitungsartikeln gern als frauenfreundlicher Bordell-Besitzer: Seine Mitarbeiterinnen seien selbstständig und würden eigenständig entscheiden, wann und wie sie arbeiten, betont er. Zudem kooperiere er mit Behörden wie der Polizei oder dem Meldeamt.

In Sachen Behörden gibt es allerdings im Falle des Gentlemen’s Club noch Unklarheiten: Rudloff versichert, der geplante „bordellartige Betrieb“ sei angemeldet und genehmigt. Sowohl der Bauausschuss der Gemeinde Sylt als auch das Bauamt des Kreises Nordfriesland geben dagegen an, lediglich genehmigt zu haben, dass im ehemaligen Kino eine Table-Dance-Bar eröffnet wird – das sei baurechtlich nicht zu vermeiden gewesen. Carsten Kerkamm, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Sylt: „Von einem Bordell-Betrieb ist der Gemeinde nichts bekannt.“ Er betont: Sollte im Gebäude an der Strandstraße etwas stattfinden, das nicht genehmigt ist, werde die Gemeinde einschreiten.

Dass der Gentlemen’s Club in direkter Nachbarschaft zu einer Table-Dance-Bar liegt, möchte Kerkamm nicht beurteilen: „Die Strandstraße ist kein Rotlichtbezirk, es ist nicht gewollt, dass sie einer wird, und wir als Gemeinde sehen auch nicht, dass sie sich in diese Richtung entwickelt.“

Gepachtet hat Rudloff die Räumlichkeiten von der Strandburg GbR, deren Geschäftsführerin Christine Deyhle ist. Ihr Ehemann, der Stuttgarter Rolf Deyhle, ist in Deutschland unter anderem dadurch bekannt, dass er 1988 mit Friedrich Kurz die Stella AG gründete, die die Deutschlandlizenzen für Musicals wie „Das Phantom der Oper“ oder „Cats“ besaß. Unter anderem ist Deyhle im Immobiliengeschäft tätig, außerdem beteiligte er sich an Filmproduktionen amerikanischer Blockbuster. 1998 scheiterte der Börsengang der Stella AG. Deyhle war gezwungen, sie zu verkaufen.

Heute ist Deyhle in verschiedenen Bereichen tätig, bekannt ist er unter anderem auch als leidenschaftlicher Kunstsammler. Auf Sylt hat die Familie Deyhle einen Zweitwohnsitz in Keitum. Deyhle selbst wollte sich zum geplanten Gentlemen’s Club nicht äußern. Die konkrete Nutzung der Strandburg entziehe sich der Kenntnis des Ehepaars Deyhle, sagte ihr Sprecher auf Anfrage der Sylter Rundschau.

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erstellt am 25.Okt.2013 | 15:40 Uhr

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