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Von Amrum über Föhr nach Sylt : „Das war supergeil“: shz.de-Chefredakteur startete beim Tri-Islands-Triathlon

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Schwimmen in der Nordsee war grenzwertig, das Laufen hammerhart. Ein Erlebnisbericht von Joachim Dreykluft.

Westerland | Das war hammerhart. Das war supergeil. Das war anders, als sonst ein Triathlon. Da hatte der Veranstalter nicht übertrieben.
Hammerhart waren vor allem die erste und die letzte Disziplin. Das Schwimmen in der kabbeligen Nordsee von Amrum nach Föhr war kein Spaziergang. „Ich kann wirklich gut schwimmen. Aber das war echt grenzwertig“, meinte meine Nachbarin auf dem Schlauchboot von Föhr nach Sylt.

Supergeil waren die Zuschauer. Der Hammer waren sie am Strand von Utersum auf Föhr. Hier stand eine jubelnde Wand, die das Herz höher springen ließ.

Anders war vor allem das, was immer wieder ein Thema war: die Logistik. Triathlon besteht aus vier Disziplinen, sagen Triathleten: Schwimmen, Rad fahren, laufen und wechseln. Hier kam eine Disziplin dazu: das Tütenpacken.

Das begann am Samstagnachmittag am Hafen von Dagebüll bei schwülen 24 Grad: eine Tüte für den Start. Eine Tüte für das Rad fahren. Eine Tüte für das Laufen. Und eine für die Sachen nach dem Ziel zum Anziehen. Wer hier seine heißgeliebte Kappe vergisst, hat im Wettkampf ein Problem. Wer einen seiner Schuhe vergisst, wird nicht ins Ziel kommen.

Los ging es dann am Sonntagmorgen: Fähre von Dagebüll nach Amrum. Zwei Stunden später dann die Ankunft. Aber immer noch mehr als zwei Stunden bis zum Wettkampf. Per Bus bis Norddorf an den Teerdeich. Umziehen, Neoprenanzug an. Hier waren die meisten Teilnehmer und ich froh, dass es kein heißer Tag war, sondern kühle 18 Grad. Denn nun kam eine weitere Disziplin dazu: Zwei Kilometer Fußmarsch durch den Sand im Schwimmanzug.

An der Amrumer Nordspitze ging es dann los. Es folgte der wohl einsamste Triathlonstart der Welt: 400 Athleten, ein paar Helfer, keine Zuschauer. Die waren nicht zugelassen. Naturschutzgebiet.

Das Schwimmen begann – überraschend leicht. Die ersten 500 Meter waren im Windschatten der Insel, kaum Wellen, ideal zum Einschwimmen. Dann war das vorbei. Wellen, Wind, Strömung, Desorientierung. Einzelne Schwimmer suchten die Begleiter auf, die teils auf Booten, teils auf Surfbrettern unterwegs, einen richtig guten Job machen. Vor allem wiesen sie den Athleten den richtigen Weg.
Dann die Wand von Utersum, bestehend aus frenetisch jubelnden Einheimischen und Gästen. Und einer sandigen Düne zum Hochklettern. Die Euphorie treibt meinen Puls weit in den roten Bereich. Das werde ich auf den ersten zehn Radkilometern bitter bereuen.
Die Radstrecke war flach und sehr windig. Sie ist der konventionellste Teil dieses Triathlons. Etwa so wie bei „Gegen den Wind“ in Sankt Peter-Ording.

Dann der unkonventionellste Teil: die Überfahrt nach Hörnum. Schlauchboote für je zwölf Athleten mit jeweils 250 PS am Heck über die inzwischen ziemlich wilde Nordsee. Die folgenden 20 Minuten fühlen sich nicht wie eine Bootsfahrt an, eher wie ein Rodeoritt. Irre. So wild ging es für mich noch nie nach Sylt.

Dann Hörnum. Die Laufstrecke hat es in sich. Elf Kilometer, mehr als drei davon sind Sand. Zweieinhalb geht es an der Westküste entlang. Wer nasse Füße nicht scheut, läuft durch den Spülsaum auf recht hartem Untergrund. Das geht. Gemein sind die letzten paar Hundert Meter auf der Ostseite. Ausgerechnet kurz vor dem Ziel, wo die Kraft nachlässt, Zuschauer jubeln und sich niemand eine Blöße geben will, ist der Untergrund so weich, dass einem ein Wort in den Sinn kommt: Gehpause. Doch da ist es schon: das Ziel. Es tut weh. Und ist ein so schönes Gefühl.

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erstellt am 16.Aug.2015 | 19:40 Uhr

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