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Übung auf dem Hindenburgdamm : „Das war ’ne richtig nette Nacht“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Sylter Rundschau hat sich bei einigen der Protagonisten der Hindenburgdamm-Übung umgehört, wie sie aus ihrer Sicht verlaufen ist. Kritik gibt es nur an Kleinigkeiten.

shz.de von
erstellt am 01.Sep.2013 | 18:17 Uhr

Christian Schmitz von der Morsumer Feuerwehr nimmt von der Hindenburgübung eine Menge positiver Eindrücke mit nach Hause: „Ich kann nur sagen, jeder Kamerad, der zu Hause geblieben ist, hat etwas verpasst! Es war eine beeindruckende Übung und ein gutes Miteinander aller beteiligten Rettungskräfte. Wenn einer keine Zeit hatte anzupacken, war sofort der nächste da.“ Sehr gefreut habe ihn auch, dass sich keiner der Retter trotz der großen Unfallgefahr „die Haxen gebrochen hat“. Eine Sache bemängelt er allerdings- Offizielle Beobachter von DRK und Feuerwehr trugen Einsatzkleidung: „Man konnte in der Dunkelheit manchmal erst auf den zweiten Blick erkennen, dass sie nicht zu den Einsatzkräften gehören. Das war schon etwas irritierend.“

Ansonsten ist auch seine vorläufige Bilanz nach dieser ereignisreichen Nacht positiv und er ist gespannt, was die Nachbesprechungen alles zutage bringen.

„Ganz ehrlich, ich bin froh, dass es nun zu Ende ist“, meint Sven Rudolf, Organisatorischer Leiter Sylt. „Das ganze war schon eine Stress- Situation, viele Leute haben geschrien und sind auf uns zu gerannt, andere lagen ganz still neben den Gleisen. Dazu kam der enorme Zeitdruck, unter dem wir standen, weil ja in wenigen Stunden wieder ein Regelzug fahren sollte.“ Der hauptamtliche Rettungsassistent lobt vor insbesondere die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren: „Die Kameraden mussten die Verletzten oft mehrere hundert Meter weit tragen und dies bei der gefährlich schrägen Wegstrecke. Viele waren später körperlich am Ende.“ Rudolf zeigt sich nach der Großübung zufrieden und erleichtert: „Ich finde, das neue Konzept wurde gut umgesetzt. Natürlich gibt es noch einige Schwachstellen, doch Topleute wie Christian Wehr werden diese Schwächen aufgreifen und überarbeiten. Wir alle hoffen natürlich inständig, dass es nicht passiert, doch sollten wir im Ernstfall auf den Hindenburgdamm ausrücken, dann wissen wir nun, wie wir es am besten angehen müssen.“

„Also ich fand ja, das war ´ne richtig nette Nacht!“, erklärte Ina Schulz vomDRK auf Sylt auf dem Weg zur Niebüller Feuerwache. Damit sorgte sie zunächst für kurze Sprachlosigkeit mit anschließendem Gelächter im Auto. Bis leise von der Rückbank aus der Kommentar von Markus Stumm (Feuerwehr Westerland) kam: „Die Warterei in Morsum, bis wir endlich losfahren mussten, zog sich sehr in die Länge. Da sind mir echte Einsätze doch lieber“, witzelte er. „Dann kann ich nämlich schlafen, bis es losgeht.“

Er war in der Nacht einer der Notärzte vor Ort und fand die Übung ziemlich realitätsnah. „Vor allem die „Verletzten“, sie waren toll geschminkt und sie spielten ihre Rolle äußerst gut.“ Das ganze Szenario auf dem finsteren Hindenburgdamm sei schon sehr beeindruckend gewesen: „Da muss man lieber mal genau hinsehen, ob jeder der Verletzten wirklich damit umgehen kann, auch wenn es ´nur´ eine Übung ist.“ Er sieht diese Katastrophenübung als eine wichtige Erfahrung für alle Einsatzkräfte, insbesondere für die Sylter: „So eine Möglichkeit bekommt man ja nicht alle Tage und ich denke, nach der ersten Chaosphase ist es ganz gut gelaufen.“ Ihm persönlich habe jedoch der vorausgesagte Regen gefehlt (der Mann kann einfach nicht ernst bleiben): „Ich habe extra meine Brille zu Hause gelassen und stattdessen die Kontaktlinsen genommen. Und nun war das ganz umsonst.“

„Warum hilft uns denn keiner?“- „Ich brauche einen Arzt!“ Verzweifelte Schreie hallen durch die Nacht, immer wieder, immer lauter, immer verzweifelter. Christine Lorenzen und Sive Christiansen gehören zu den Verletzten-Darstellern. Beide haben starke Schmerzen im Bauchbereich und Gesichtsverletzungen vorzuweisen, und beide sind nicht gehfähig- Christine aufgrund einer Unterschenkelfraktur, Sive wegen hochgradiger Gefahr einer Fehlgeburt in der zehnten Schwangerschaftswoche.

Die Rettung mittels Hubschrauber scheint der einzig richtige Weg. Die „werdende Mama“ erklärte kurz vor der Übung: „Ich werde versuchen zu weinen und ganz doll hoffen, dass mir so etwas niemals wirklich passiert“.

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