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Auszeichnung für engagierten Sylter : „Das war längst überfällig“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In einer großen Feierstunde wurde am Sonntag im Muasem Hüs der diesjährige C.P. Hansen-Preis an den Morsumer Alfred Bartling vergeben

„Der hat es schon lange verdient“ und „Das war längst überfällig.“ Diese Sätze waren bei Rednern und auch im Publikum bei der diesjährigen C.P. Hansen-Preisverleihung an den Morsumer Alfred Bartling zu hören, der am Sonntagmittag in einer umfangreichen Feierstunde geehrt wurde. Der Saal im Muasem Hüs war bis auf den letzten Platz besetzt, als die Big Band der Kreismusikschule mit einer flotten Version des Klassikers „Night & Day“ das Publikum begrüßte. Ortsbeiratsvorsitzender Klaus Mungard sprach Grußworte auf Sölring, im Anschluss hieß Maren Jessen, die Vorsitzende des C.P. Hansen-Kuratoriums, die Gäste auf Hochdeutsch willkommen. Bevor sie Bartling als „herausragendes Beispiel für ein kompromisslos gelebtes friesisches Selbstverständnis“ lobte, ermutigte sie die Zuhörer zum aktiven Erhalt der inselfriesischen Kultur, „dann könne man selbstbewusster und ohne Angst um die eigene Identität toleranter gegenüber anderen Kulturen sein.“

Die Trachtengruppe „Jungensdrachten“ tanzte zu folkloristischen Zieharmonika-Klängen, hier wirbelte passenderweise die Enkelin vom Preisträger mit. Bürgervorsteher Peter Schnittgard kündigte im Anschluss eine genau 13-minütige Laudatio an, sprach dann aber 20 Minuten herzlich und kurzweilig über das „Urgestein“ Bartling, Er lobte anhand von Anekdoten dessen Vorstellungen von inselfriesischer Identität und übergab dem Preisträger symbolisch ein leeres Notizbuch. Es soll dafür stehen, dass Alfred Bartling inklusive Schreibwerkzeug auch weiterhin mit seiner konstruktiven, streitbaren Art auf Sylt gebraucht wird.

Der Geehrte selbst gab sich in seiner Rede, die er komplett auf Sylter Friesisch hielt, sehr bescheiden: „Ich musste anfangs erst einmal überlegen, ob ich den Preis annehme. Ich wusste nicht, womit ich ihn verdient habe.“ Das 16-köpfige Kuratorium vom C.P. Hansen- Preis war hingegen bei seiner Entscheidungsfindung einstimmig sicher, dass Bartling den Preis verdient hat: Neben unzähligen Ämtern im öffentlichen Leben setzte er sich stets für den Erhalt des Sölring ein. Auch für die Sylter Rundschau verfasste er in den 1970er und 1980erJahren zahlreiche Beiträge in friesischer Sprache. Altes Brauchtum und den dörflichen Zusammenhalt in „seinem Morsum“ zu pflegen – das war stets sein Bestreben. Auch wenn Bartling ja eigentlich „Morsumer mit Migrationshintergrund“ sei , wie es der ehemalige Sylt-Oster Bürgermeister Ingbert Liebing in seinen Grußworten humorvoll ausdrückte: Denn Bartling ist 1939 in List geboren.

Neben der Landwirtschaft arbeitete er beim Tetrapoden-Hersteller in Hörnum und war beim Marschenbauamt in Husum tätig. 1972 legte er die Prüfung zum Wasserwerker ab, die Themen Küstenschutz, Sturmfluten, Deicherhöhungen und Landgewinnung haben ihn seitdem nicht mehr losgelassen.

Sorgen machte sich Bartling in seiner Rede um den Erhalt der friesischen Sprache, für die er sich stets eingesetzt hat. „Es ist gut, dass in den Schulen und Kindergärten Friesisch gelehrt wird; auch, dass die Erwachsenen wieder Friesisch lernen können. Schlimm ist nur, wenn die Kinder vom Unterricht nach Hause kommen, dann zuhause keiner weiter mit ihnen Friesisch spricht.“

Die Schuld daran, dass es um die heimische Sprache so schlecht steht, gab er allerdings den Syltern selbst. Man hätte sich aus Bequemlichkeitsgründen im öffentlichen Leben zu schnell dazu überreden lassen, ins Hochdeutsch zu wechseln. „Und das war verkehrt.“

Einen großen Teil seiner Rede widmete Bartling dann einer Sylter Krankheit, von der schon Preis-Namensgeber C.P. Hansen geschrieben hatte: „Der Geldkrankheit, von der viele Sylter befallen sind.“ Nur 14 von 139 Morsumer Hausverkäufen in den letzten 60 Jahren basierten seiner Aussage nach auf Notverkäufen, weil Geschwister nicht einander auszahlen konnten. „Wir können jetzt nur hoffen, dass die Menschen, die nach uns kommen und hier wohnen, dass die Sylt immer ein bisschen mehr lieben als das Geld, das man mit Sylt machen kann.“

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erstellt am 06.Dez.2015 | 19:40 Uhr

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