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Sylter Rundschau

19. Oktober 2017 | 09:48 Uhr

„Das war heftig und gefährlich“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Xaver stellte Inselwehren vor Bewährungsprobe / Starke Sandabbrüche in Hörnum und Kampen / Häuser in Keitum zeitweise im Wasser

von
erstellt am 06.Dez.2013 | 18:05 Uhr

Fast zwei Tage hatte Orkantief Xaver die Insel fest im Griff. Gestern Abend, nachdem Sylt drei Sturmfluten hintereinander erleben musste, lassen sich die Schäden bisher nur grob einschätzen. Fest steht: Sylter und Gäste verhielten sich besonnener als bei Orkan Christian vor sechs Wochen – viele blieben zu Hause. Doch an der Insel selbst scheint Xaver mit seinem fast 48 Stunden anhaltenden Orkanböen heftigere Schäden hinterlassen zu haben als der erste große Sturm dieser Saison.


Verluste an der Hörnum-Odde


„Die Odde-Dünen in Hörnum haben auf ganzer Länge erheblich an Substanz verloren. An mehreren Stellen dringt das Wasser tief in die Dünenlandschaft ein“, berichtete Umweltschützer Lothar Koch. Bürgermeister Rolf Speth zeigte sich betroffen: „Es ist unglaublich, wie groß die Verluste an der Odde sind. Da gehen tausende Quadratmeter verloren und trotzdem schaut der Küstenschutz nur zu. Ich bin völlig frustriert.“ Im Ort selber sei die Lage relativ entspannt geblieben – vor allem hätten sich die Bürger vorbildlich verhalten: „Die Leute haben der Feuerwehr Essen gebracht und wer nicht helfen konnte, ist schön drinnen geblieben.“ Ähnlich positiv äußert sich auch Kampens Bürgermeisterin Steffi Böhm: „Am Donnerstag war das Dorf wie ausgestorben.“ Auch am Kampener Strand zeigten sich gestern Sturmschäden: Böhm rechnet mit großen Sandverlusten. In List verlief das Hochwasser gestern verhältnismäßig entspannt: Gegen kurz vor fünf Uhr nachmittags stand das Wasser gut 1,5 Meter über Normalnull. Sturmschäden hat die frisch aufgeschüttete Sandkante vor dem Erlebniszentrum Naturgewalten davon getragen.


Kritischer Punkt: Keitum


Auch an der Ostseite der Insel ging Xaver nicht spurlos vorbei: Teile von Keitum, Munkmarsch und Braderup standen am Donnerstagnachmittag unter Wasser. Während der Sturmflut in den gestrigen frühen Morgenstunden, bei der das Wasser an der Insel stellenweise über 3, 50 Meter über Normalnull anstieg, kristallisierte sich der Alte Kirchenweg in Keitum als kritischer Punkt heraus. Hier hielten einige der Wälle um die Friesenhäuser dem Wasser nicht stand, Keller, Gärten und der Alte Kirchenweg liefen voll Wasser. „Das ist zum letzten Mal 1977 passiert“, sagte ein Anwohner. Während das Wasser in Hörnum und List im Laufe des Vormittags zurück ging, wurde es in Keitum in die Bucht gedrückt und konnte wegen des Hindenburgdamms kaum ablaufen. Bis zum Nachmittagshochwasser ab 15 Uhr wurden die Wälle deshalb von 80 Einsatzkräften verlagert und verstärkt. Mit Erfolg: Der „Minideich“ hielt die Fluten während des Hochwassers ab.


Dauereinsatz für die Wehren


Für die Inselwehren bedeutete Xaver Dauereinsatz: 170 Mal rückten gestern und heute rund 250 Feuerwehrleute aus. Die Ehrenamtler waren teils über Stunden am Stück im Einsatz. Meist mussten sie Dächer sichern – unter anderem hielten die Dächer der Sylter Welle, des Syltness Centers und der Westerländer Feuerwache dem Dauerwind, der gestern in Böen bis zu 153 km/h über die Insel wehte, nicht stand. Auch in der Norddörfer Schule richtete Xaver Schäden an der Außenwand an. In der Nacht zu gestern mussten drei Wohnparteien, die im Verwaltungsgebäude der Sylt-Quelle leben, wegen eines zum Teil wegfliegenden Dachs evakuiert werden. Die Menschen kamen im Dorfhotel unter. Hauke Block rechnet mit „erheblichen Sachschäden“, die Xaver auf Sylt verursacht hat. „Das waren für die Feuerwehrleute heftige und durch die hohen Windgeschwindigkeiten auch gefährliche Einsätze auf den Dächern“, sagte der Gemeindewehrführer, „die Feuerwehrleute waren physisch an ihren Grenzen - haben aber die Zähne zusammen gebissen und immer weiter gemacht. Das verdient hohe Anerkennung.“ Nach 30 Stunden im Einsatz lobt Block zudem die „hervorragende“ Zusammenarbeit der Inselwehren, die sich in kritischen Situationen gegenseitig vorbildlich unterstützt hätten.


Nur noch leichte Böen


Wie der Deutsche Wetterdienst meldet, wird der Orkan ab heute deutlich an Stärke verlieren: In den Frühstunden des Sonnabends werden auf der Insel noch Sturmböen um 80 km/h (Bft 9). Zusätzlich soll es einzelne Schneeschauer mit Glätte durch Schnee-, Schneematsch oder gefrierender Nässe geben. Auch für den Sonntag sagen die Meteorologen noch leichte Windböen mit Regen bei acht Grad Celsius voraus.



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