Bildband "Sylt - meine Insel" : Das Vermächtnis von Bleicke Bleicken

Möwen füttern Westerland 1935
Möwen füttern Westerland 1935

Der Bildband „Sylt – Meine Insel“ mit Fotografien von Bleicke Bleicken ist eine Hommage an Künstler und Insel.

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27. Juni 2014, 11:18 Uhr

„Wie viel Ruhe, wie viel Sanftheit, wie viel (unschick) Schönes; und wie viel Erinnerung beim Betrachten der in diesem Band versammelten Fotos von Bleicke Bleicken!“ Fritz J. Raddatz, der ansonsten so scharfzüngige, scharf denkende Journalist und Schriftsteller, stimmt hier die hohe, fast beschwörende Tonlage in seinem Vorwort zum Bilderband „Sylt – Meine Insel“ an. Und schon die ersten Seiten des prächtigen, schweren, großformatigen Buches lassen den Leser und Betrachter mit einstimmen in die Raddatz-Schwärmereien und in seine Frage, ob wir mit diesen Bildern „auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ sind? Die Antwort lautete „ein wenig“ und gibt Raddatz Anlass, über das aktuelle Treiben auf Sylt auch abfällig und bitter zu urteilen, die „Vulgärprotzerei“ ebenso anzuprangern wie die „faltigen Hängeärsche der Düsseldorfer Zweitwagenhändler mit ihren Botox-Damen“, die den „Strand verunzieren“. Aber letztlich spürt und preist Raddatz die unverdeckbare Kraft der Insel. „Sylt hat noch immer dieses Harmlose, Spielerische, zugleich Heitere wie Besinnliche, das diese Aufnahmen in mir wachrufen.“

Möwen füttern Westerland 1935
Bleicke Bleicken
Möwen füttern Westerland 1935
 

Für Raddatz, der Bleicke Bleicken (1898-1973) „noch recht gut kannte“, mögen diese Fotografien einen ganz eigenen Wert besitzen. Für den Betrachter, der bisher nur wenig von diesem bedeutenden Sohn der Insel weiß, nur einige Aufnahmen kennt, werden sie zur Reise in die Vergangenheit und zu einer Begegnung mit einem Menschen und Künstler, der getrieben wurde von der Liebe zu seiner Heimat und der „Sorge, das Paradies könnte schneller enden, als es den meisten vorstellbar war“. So Christoph Stölzl in dem Kapitel „Sylt als Schicksal“. Stölzls intime Kenntnis der Bleicke-Bleicken-Biografie verbunden mit seinem Wissen über die Geschichte der Fotografie und seine empathische Haltung gegenüber dem Lebenslauf von Bleicken, lassen diesen Text zu einem wahrlich packend zu lesenden Kapitel werden.

Sein Markenzeichen war die Kamera: Sylt-Fotograf Bleicke Bleicken.
Sein Markenzeichen war die Kamera: Sylt-Fotograf Bleicke Bleicken.
 

Der Leser begegnet dem Amateurfotografen, der im bürgerlichen Beruf ein hervorragender Lehrer war, „ein gut aussehender Mann, der überall Sympathie auslöste“, aber auch seine „knorrige Eigenart“ hatte. Den seine Zeitgenossen vor allem als einen Mann „kannten, den man nie als Badegast am Strand zu Gesicht bekam, sondern jahrein, jahraus, beladen mit Kamera und Stativ durch Dünen und Felder ziehen sah. Die Mission, die ihn bewegte, war die Liebe zu dem einzigartigen Phänomen, das die Insel Sylt darstellt“. Bleickens Biografie kennt all die Brüche, Glücksmomente und Schicksalsschläge, die viele seiner Generation erleben und erleiden mussten. Sie haben seinen Blick geschärft, seine Sensibilität für Momente und Situationen geschult.

Die Aufnahmen, die Bleickens jüngste Tochter, Anke Bleicken, für diesen Band ausgewählt hat, bedienen keine Sylt-Klischees, obwohl sie die Insel als zentrales Thema haben. Es dürfte nicht leicht gefallen sein, zu entscheiden, welche der Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem großen Œuvre des Vaters in dem exzellent gestalteten und hochwertig gedrucktem Buch veröffentlicht werden sollen. Sicher ist, dass diese Auswahl ein wertvolles Vermächtnis für Sylt ist.

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