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Schlechte Luft : Das Sylter Müffel-Mysterium

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Schulzentrum klagen Schüler und Lehrer weiter über schlechte Luft - doch durch Messungen konnten dafür kein Grund gefunden werden.

Am Ende wiederholte Marcus Kopplin seinen Befund fast mantra-artig: „Wir können keine schlechte Luft feststellen!“ Der Leiter des Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM) berichtete auf der Sitzung des Schulverbands am Montagnachmittag über die mannigfaltigen Versuche, den Grund für die vermeintlich schlechte Luft in Klassenräumen des Schulzentrums ausfindig zu machen. Sein Fazit: Man habe nichts gefunden. Eine Tatsache, die einige der anwesenden Schüler und Lehrer so nicht recht glauben konnten.

Rückblick: Schon im Sommer 2012 klagten Schüler des Schulzentrums besonders an warmen Tagen über Kopfschmerzen und trockene Schleimhäute. Im Verdacht stand schon damals die Lüftungsanlage, die im Zuge umfangreicher energetischer Sanierungen des Schulzentrums kurz zuvor eingebaut worden war. Zu Recht: Im Herbst 2012 ergaben Prüfungen, dass die Anlage zu wenig Frischluft in die Klassenräume pumpt und nachgerüstet werden muss. Dies geschah dann auch.

Doch wirklich wohl fühlten sich Schüler und Lehrer weiterhin nicht. Im November vergangenen Jahres beschloss der Schulverband deshalb, dass ein Gutachter eine Luftqualitätsmessung im Schulzentrum durchführen soll. Dieser Gutachter, Gunter Hankammer, präsentierte dem Schulverband nun am Montag gemeinsam mit Marcus Kopplin die Ergebnisse. Zusammengefasst lautet dies: In den vier untersuchten Räumen sind weder Schimmelpilze noch sogenannte VOCs in erhöhtem Maße nachweisbar. Bei VOCs handelt es sich um flüchtige organische Verbindungen, die beispielsweise aus Baustoffen, Teppichen oder ähnlichem entweichen können. Zudem hat die Gemeinde im Januar über zwei Wochen den CO2-Gehalt in zwei Räumen gemessen – auch der ist nach Aussage des Gutachters in Ordnung. Um weitere mögliche Ursachen auszuschließen, hat die Gemeinde weiterhin prüfen lassen, ob die Beschwerden vielleicht mit der Beleuchtung der Klassenräume zusammenhängen könnten. Ergebnis: Am Licht liegt es auch nicht. „Unsere Ergebnisse mögen für Sie unbefriedigend sein“, so Kopplin. „Auch mir wäre es fast lieber, wenn wir etwas gefunden hätten. Denn dann könnten wir etwas tun.“ So aber, das machte auch Gutachter Hankammer deutlich, würden weitere Messungen keinen Sinn ergeben: „Es wäre die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen.“ Sollte es wieder zu gehäuften Beschwerden in bestimmten Räumen kommen, so die Bitte der Verwaltung, mögen die Schüler künftig ärztlich untersucht werden, so dass anhand des toxikologischen Befunds eventuell weitere Schlüsse gezogen werden können. Eine kleine Kritik in Richtung der Lehrerschaft gab es von Seiten der Verwaltung außerdem: Die Klassenräume sind mit einem sogenannten Boost-Knopf versehen, der die Lüftungsanlage einmal mit voller Kraft die Raumluft austauschen lässt. Eigentlich sollte dieser Knopf immer vor Pausenbeginn gedrückt werden, damit die Schüler die neue Unterrichtsstunde in frischer Luft starten können. Leider werde der Knopf aber zu selten genutzt, so Bürgermeister Nikolas Häckel.

So ganz glücklich waren anwesende Lehrer, Schüler und Eltern mit diesen Aussagen nicht: „Wer krank ist, hat Recht“, hieß es beispielsweise aus dem Publikum. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass die Beschwerden im Sommer deutlich häufiger auftreten als im Winter – und somit eine Messung im Januar vielleicht kein ideal gewählter Zeitpunkt gewesen sei. Ein weiterer Punkt, der unter anderem von einem Zehntklässler angesprochen wurde: Abgesehen von der muffigen Luft sei es häufig zu warm oder zu kalt in den Klassenräumen. Hierfür gab es von Seiten des KLM zumindest Erklärungsansätze: Die Lüftungsanlage des Schulzentrums funktioniere ähnlich wie eine Klimaanlage im Auto: Bei offenem Fenster also nicht gut. Da Schüler und Lehrer aufgrund der vermeintlich schlechten Luft aber häufig die wenigen verbliebenen Fenster des Schulzentrums aufreißen würden, heize die Lüftungsanlage aufgrund der hereinströmenden Kaltluft immer weiter nach. Warum aber die Schüler die Luft als so schlecht empfinden, dass sie überhaupt ein Fenster öffnen wollen, konnte so allerdings auch nicht geklärt werden. Marcus Kopplin deutete an, es könne vielleicht daran liegen, dass das Vertrauen in die Lüftungsanlage durch den schwierigen Start nicht das beste sei: „Da müssen wir auch in unseren Köpfen was verändern.“

Den Wunsch, die Lüftungsanlage abzuschaffen, und in alle Klassenräume wieder klassisch Fenster und Heizungen einzubauen, möchte der Schulverband jedenfalls nicht nachkommen. Schließlich müsste die Gemeinde dann nicht nur Fördermittel zurück zahlen, sondern auch hohe Investitionen tätigen – obwohl die Luft und somit auch das Lernklima im Schulzentrum, wie Kopplin noch einmal betonte, „besser als in Klassenräumen mit Fenstern“ sei. Lediglich ein Zugeständnis konnte der Schulverband machen: Eigentlich hätte die Lüftungsanlage von Anfang an mit einer zentralen Steuerungssoftware ausgestattet sein sollen, mit der beispielsweise die Boost-Funktion automatisch in den Pausen ablaufen könne. Für rund 48  000 Euro soll diese Software nun nachgekauft werden. Ob sie gegen die dicke Luft im Schulzentum hilft - im wörtlichen und im übertragenen Sinne – wird spätestens der Sommer zeigen.

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erstellt am 09.Mär.2016 | 06:02 Uhr

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