Jahresrückblick : Das Sylt-Jahr 2014 von Juli bis Dezember

Trotz Feuerwerksverbot wird es wohl auch in diesem Jahr an der Westerländer Promenade etwas zu gucken geben.
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Trotz Feuerwerksverbot wird es wohl auch in diesem Jahr an der Westerländer Promenade etwas zu gucken geben.

Brände, Kooperationen, Diskussionen - das war auf Sylt von August bis Dezember 2014 los.

Julia Lund von
31. Dezember 2014, 05:22 Uhr

Juli

Nicht ganz neu, aber in diesem Jahr wieder nach Sylt zurückgekehrt, ist das Schleswig-Holstein Musik-Festival. Gleich drei Konzerte konnten die Musikliebhaber in Rantum genießen, noch dazu Open Air: Ina Müller, Dieter Thomas Kuhn und La Brass Banda brachten Pop-Rock, Schlager und „Bayern-Funk“ auf die Insel. Ein Programm, das großen Anklang bei den Besuchern fand.

Auf der Insel war es im Juli mit durchschnittlich 20,1 Grad so warm wie noch nie. So hat die Wetterstation in List einen neuen Rekord aufgezeichnet: Vom 18. bis 26. Juli gab es dort neun Sommertage – also Tage mit mindestens 25 Grad – in Folge. So viele Sommertage am Stück wurden dort seit Inbetriebnahme der Station im Jahr 1934 nicht aufgezeichnet.

August

Gleich zu Beginn des Monats wurde gegen 6 Uhr die Westerländer Feuerwehr zum Brand des Restaurants „Strandoase“ gerufen. Insgesamt waren 60 Kräfte rund zwei Stunden im Einsatz. Das Restaurant musste mehrere Monate geschlossen bleiben.

Petra Reiber bezeichnete es als den emotionalsten Moment ihrer Amtszeit: Zum 70. Jahrestages der Niederschlagung des Warschauer Aufstands reiste sie gemeinsam mit Bürgervorsteher Peter Schnittgard und Pastorin Anja Lochner nach Polen. Der ehemalige Bürgermeister Westerlands Heinz Reinefarth war als SS-Brigadeführer maßgeblich dafür mitverantwortlich, dass zehntausende Zivilisten bei der Niederschlagung des Aufstandes getötet wurden. Mit ihrer Reise nach Warschau wollte sich die Sylter Delegation der Vergangenheit stellen. Petra Reiber bat im Rahmen einer Kranzniederlegung um Vergebung für Reinefarths Taten.

Ende des Monats stattete Bildungsministerin Waltraud Wende der Insel einen Kurzbesuch ab. Eigentlich nichts ungewöhnliches, dennoch war der Zeitpunkt besonders: Haus und Büroräume der Ministerin waren just von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden und ihretwegen hatten sich Regierung und Opposition in Kiel bereits aufs schärfste attackiert. Waltraud Wende, die wegen ihrer umstrittenen Rückkehroption an die Uni Flensburg in der Kritik stand, schien bei ihrem Besuch im Schulzentrum Sylt im Zuge ihrer Sommertour dennoch gelöst.

Einen Tag nach Waltraud Wende besuchte weitere Politprominenz die Insel: Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein Torsten Albig war im Zuge seiner Sommertour auf der Insel. Er besuchte unter anderem die Sylter Austern-Compagnie, die Grundschule St. Nicolai in Westerland und das Buchholzfest in Braderup.

September

Anfang September gab die Gemeindevertretung grünes Licht für den Bau eines Hallenbades an der Stelle, an der bisher das Außenbecken der Sylter Welle zu finden war. Die Entscheidung der Gemeindevertretung, das Hallenbad mit Salzwasser zu betreiben, stieß bei den Syltern auf Widerstand, ebenso wie die Tatsache, dass das Schwimmen unter freiem Himmel in Zukunft nicht mehr möglich sein wird. Der Entscheidung ging eine lange Diskussion voraus.

Die Entscheidung, wer den Alternativen Nobelpreis 2014 erhält, wurde in diesem Jahr erstmalig auf Sylt gefällt. Die elfköpfige internationale Jury der Right Livelihood Award Foundation hat im Hotel Vier Jahreszeiten in Westerland über die vier Preisträger beraten. Entschieden hat sich die Jury schließlich unter anderem für Edward Snowden und Alan Rusbridger, den Chefredakteur der englischen Zeitung The Guardian, die sich den Preis teilen.

Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich einige hundert Schaulustige in Wenningstedt ein, um dem ARD-Moderator Jörg Pilawa beim Fensterputzen zuzuschauen. Er hatte sich für die Aktion Schutzengel als Fensterputzer versteigern lassen – Jürgen Gosch hatte mit 5000 Euro das höchste Gebot abgegeben. Pilawa bewies sich in kompletter Fensterputzer-Montur an den großen Glasflächen des Wenningstedter Fischrestaurants.

In der letzten Septemberwoche ereignete sich in Tinnum am Bahnübergang Zur Kratzmühle ein tragischer Unfall: Ein Mercedes Sprinter und ein Güterzug pralleten zusammen, dabei verletzten sich der 57-jährige Fahrer einer Gartenbaufirma und der 40-jährige Lokomotivführer schwer. Der Sprinter-Fahrer erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Wie die Polizei Ende September mitteilte, war eine 50-jährige Frau leblos auf ihrem Bett in ihrer Wohnung in Wenningstedt aufgefunden worden. Eine Obduktion habe laut Polizei ergeben, dass die Frau durch Gewalteinwirkung zu Tode gekommen sei. Die Beamten waren von Arbeitskollegen alarmiert worden, nachdem die Frau nicht bei ihrer Arbeit erschienen war. Zwei Tage nach der Tat wurde der Ex-Partner der Verstorbenen in Spanien festgenommen.

Ende September wurde die Vogelkoje in Kampen wiedereröffnet. Die umfangreiche Neugestaltung der historischen Entenfanganlage dauerte insgesamt vier Jahre, es wurde sowohl der Außen- als auch der Innenbereich neu gestaltet. In einer feierlichen Veranstaltung am Vogelkojendeich weihte die Söl’ring Foriining die grunderneuerte Ausstellung und die Deichbaumaßnahmen ein. Das Besucherkonzept der Vogelkoje wurde der heutigen Zeit und neuen Zielgruppen, insbesondere Kindern, angepasst.

Oktober

Der Tod von Wofgang Gdaniez, auch bekannt als Bambus-Wolfgang, sorgte im Oktober für Trauer auf der Insel: Eigentlich wollte Wolfgang die Bambus–Bar in List noch eine Saison weiter führen, wollte, dass die kultige Bushaltestelle in der Lister Dünenlandschaft genau 30 Jahre lang besteht. Gdanietz war der große Bruder des vor knapp zwei Jahren verstorbenen Bambus-Klaus, er hatte ihm damals am Sterbebett versprochen, die Bambus-Bar in dessen Sinne weiter zu führen.

Anfang Oktober saßen viele Insulaner und Gäste auf der Insel fest: Es war der letzte Sonntag des Surf World Cups und innerhalb weniger Stunden wollten Hunderte von Besuchern die Insel verlassen. Gegen 20.15 Uhr entgleiste ein abgekoppelter Waggon eines Syltshuttles und hob dadurch einen Waggon auf dem Nachbargleis aus den Gleisen. Insulaner und Gäste, die von der Insel wollten und zum Unfallzeitpunkt teilweise schon drei Stunden vor der Verladestation gewartet hatten, mussten bis in die frühen Morgenstunden an der Verladung warten.

Die Nachricht, dass ein neuer Bewerber plant, den Autozug-Verkehr zwischen Niebüll und Westerland zu übernehmen, sorgte Anfang Oktober für Aufregung auf der Insel. Die Railroad Development Cooperation Deutschland (RDCD) mit Sitz in Köln hatte zum 6. Oktober eine entsprechende Anmeldung eingereicht. Das Land Schleswig-Holstein, das an der Trasse ebenfalls sein Interesse äußerte, musste sich Anfang Dezember aufgrund eines Planungsfehlers wieder zurückziehen. Wer den Zuschlag erhält und künftig fast eine halbe Millionen Fahrzeuge jährlich auf die Insel transportiert, wird im kommenden August bekanntgegeben.

Ein Großbrand sorgte am Abend des 10. Oktober für einen Großeinsatz der Feuerwehren: Gegen 23 Uhr wurde Alarm ausgelöst, die Strandkorbhalle in Wenningstedt stand in Flammen. Als die Feuerwehrleute das große Gebäude beim Wenningstedter Campingplatz erreichten, hatte sich das Feuer in der Halle schon so stark ausgebreitet, dass die Halle nur noch von außen gelöscht werden konnte. Unter anderem verbrannten 1  382 Strandkörbe, die Weihnachtsbeleichtung von Wenningstedt sowie viele Akten und Ordner. Die Halle musste komplett entsorgt werden.

November

Anfang November symbolisierte der traditionelle Spatenstich von Bürgermeisterin Petra Reiber und Innenminister Stefan Studt den Beginn der Kooperationsvereinbarung für den Bau von bis zu 300 preiswerten Dauerwohnungen. Insgesamt sollen bis 2018 30 Millionen Euro investiert werden. Den Anfang macht der Neubau auf einem rund 3  700 Quadratmeter großen Grundstück am Schulzentrum Apenrader Straße/Kollundweg in Westerland: Dort werden für rund fünf Millionen Euro 32 öffentlich geförderte Mietwohnungen mit zwei bis vier Zimmern bis August 2016 bezugsfertig sein.

Nach jahrzehntelangen Verhandlungen, Diskussionen und Einwänden wurde in List der 6,50 Meter hohe Mövenbergdeich abgenommen und schützt nun den nördlichsten Inselort List gegen kommende Sturmfluten. Zu der Abnahme reisten Vertreter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz sowie Vertreter des Umweltministeriums nach Sylt, um sich gemeinsam mit Verantwortlichen von der Insel ein Bild vor Ort zu machen.

Im November wurde beschlossen, dass die Gemeinde Sylt die Seniorenheime an der Steinmannstraße und am Wenningstedter Weg für 12 Millionen Euro kaufen wird, da AWO und Diakonie ihre Heime aufgibt. Ein privater Investor hatte bereits Interesse an dem Grundstück signalisiert, von ihm wären allerdings wohl eher luxuriöse Seniorenwohnungen geplant worden. Die Johanniter übernehmen die Pflege im Wenningstedter Weg, ihre bisherige stationäre Pflegeeinrichtung im Gebäude an der Steinmannstraße geben sie allerdings auf und die dortigen 64 Pflegeplätze gehen verloren. Der Startschuss für die Umbauten und Umzüge soll im ersten Halbjahr 2015 fallen.

Dezember

Einen runden Geburtstag konnte gleich zu Beginn des Dezembers das Jugendzentrum (JUZ) Sylt feiern: Am 4. Dezember 1974, also vor genau 40 Jahren, wurde das JUZ eröffnet und feierte am Nikolaustag ein rauschendes Fest.

Am ersten Dezemberwochenende wurde der C.-P. Hansen-Preis im Keitumer Friesensaal an Renate Schneider verliehen. Sie erhielt die Auszeichnung für ihre Verdienste und ihren unermüdlichen Einsatz für das Sölring. Ihre Dankesrede war ein Aufruf an alle Sylter, ihre Sprache zu sprechen: „Liebe Sylter, legt Eure Scheu ab und wagt wieder Sölring zu sprechen. Habt Mut, denn stirbt unsere Sprache, stirbt auch ein großes Stück Identität unserer Insel, das dürfen wir nicht zulassen.“

Als das Ehepaar Krüger im Hotel Severin’s in Keitum als Sylter Menschen des Jahres geehrt wurde, mussten einige ihre Taschentücher zücken: Traugott Giesen hielt die Laudatio auf die beiden und traf mit seinen Worten die Stimmung vieler Anwesenden. Die Leser der Sylter Rundschau hatten das Ehepaar per Telefon, Coupon oder im Internet zu ihren Menschen des Jahres gewählt: Renate und Wolfgang Krüger haben als einzige Bestatter auf der Insel nicht nur unzählige Trauernde in den schwersten Stunden ihres Lebens unterstützt, sie haben ihre Theaterleidenschaft auch immer wieder dazu genutzt, anderen Menschen Freude zu bereiten.

Die Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Sylt sorgte in den Wintermonaten für viel Trubel auf der Insel. Sechs Kandidaten stellten sich zur Wahl, zu der größten Wahlveranstaltung im Congress Centrum Sylt kamen 800 interessierte Insulaner und hörten sich die Beiträge von Gabriele Pauli, Nikolas Häckel, Robert Wagner, Bernd Reinartz, Lars Schmidt und Markus Ballentin an. An der Wahl beteiligten sich sich 53,5 Prozent der 12  824 wahlberechtigten Sylter. Gabriele Pauli holte die meisten Stimmen, jedoch reichte es nicht zum Sieg: In die Stichwahl am 11. Januar gehen die ehemalige Fürther Landrätin und Nikolas Häckel.

Mit der Einweihung des ehemaligen Hauses des Gastes, das nach einer Abstimmung nun offiziell den Namen „Haus am Kliff“ trägt, hat die Gemeinde Wenningstedt–Braderup nach acht Jahren wieder ein Kurhaus. Das Bauprojekt kostete 7,5 Millionen Euro und wird Cafés, Geschäfte, Touristinfo sowie Wellness- und Fitnessstudio beheimaten. Herzstück des ganzen ist der große Veranstaltungsraum Kursaal³, in dem im kommenden Jahr bis zu 70 kulturelle Events stattfinden sollen.

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