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Meiofauna auf Sylt : Das sind die wohl kleinsten Strand-Reiniger der Welt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ohne sie wäre der Sylter Stand eine Müllhalde. Meiofauna leisten Schwerstarbeit.

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2016 | 19:11 Uhr

Sylt | Der kilometerlange Sandstrand entlang der Sylter Küste zieht jährlich tausende Touristen an. Was die allermeisten nicht wissen, wenn sie ihr Handtuch zum Sonnen auf dem Sand ausbreiten: Sie legen sich auf Millionen kleiner Tierchen, die zwischen den Sandkörnern leben – die so genannten Meiofauna.

Genau für diese mehrzelligen Organismen, die kaum größer als einen Millimeter werden, interessiert sich Dr. Werner Armonies von der Wattenmeerstation Sylt des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. „Diese Tiere sind in den 60er Jahren schon mal sehr intensiv untersucht worden“, erklärt der Wissenschaftler. Jetzt, 50 Jahre später, will er prüfen, ob sich die Meio- oder auch Sandlückenfauna genannt, verändert hat. „Ich gehe der Fragestellung nach, ob Arten, die damals gefunden wurden, verschwunden und ob neue Arten eingeschleppt worden sind.“ Im Sylter Sand leben in etwa 850 Arten – das kam damals bei den Untersuchungen eines Abschnitts neben dem Lister Fähranleger heraus. Nach einem dreiviertel Jahr Forschung hat Dr. Werner Armonies noch keine eingeschleppten Arten entdecken können. Aber seine Forschung ist auch noch nicht beendet.

Für was genau sind die Sandlückentierchen denn eigentlich gut? „Sie haben dieselbe Funktion wie ein Aquariumfilter“, erklärt der Fachmann. Jede Welle spült Inhalts- und Abfallstoffe an den Strand. Tote Tiere wie Quallen, aber auch ganz feine Partikel. Einige versickern mit dem Wasser im Sand, andere bleiben erstmal auf dem Sand liegen. „Gemeinsam mit Bakterien und Pilzen sorgt die Meiofauna dafür, dass all diese Partikel zersetzt werden und der Strand so schön aussieht und riecht, wie er ist.“ Ohne die Meiofauna würde der Sylter Sand eher dem Schlickwatt ähneln, auf oder besser gesagt in das kein Tourist freiwillig sein Sonnenhandtuch legen würde. „Der Strand ist die Kläranlage der Nordsee und die Meiofauna sind die Klärwerker.“

Karteikarten mit  Zeichnungen helfen bei der Artbestimmung.
Karteikarten mit Zeichnungen helfen bei der Artbestimmung.
 

Die drei häufigsten Tiergruppen sind kleine Krebse, Faden- und Plattwürmer. Der Sylter Wissenschaftler beschränkt sich bei seiner Forschung auf die mehreren hundert Arten der Plattwürmer. Alle Tiergruppen zu erfassen, wäre für einen allein nicht machbar.

Einmal die Woche geht Dr. Werner Armonies mit einem Stechrohr los und holt Sandproben aus bis zu einem Meter Tiefe. Im Labor wird der Sand dann mit Wasser aufgeschüttelt. Die Körner setzen sich ab, die Tiere, um die es ihm geht, schwimmen oben. Einige Tierchen halten sich besonders gut fest an den Sandkörnern, aber auch dafür hat Armonies eine Lösung: Er gibt Magnesiumchlorid dazu, das löst die Tierchen von den Körnern, so dass er sie nach dem Filtern einzeln in einer kleinen Schale unter dem Binokular angucken kann. Die einzelnen Würmer werden mit einer Pipette herausgeholt und unters Mikroskop zum Bestimmen gelegt.

„Die Natur bietet den Menschen viele Serviceleistungen, die sie nicht kennen“, meint der Wissenschaftler. „Wir auf Sylt müssten der Meiofauna auf Knien danken, dass es sie gibt, sonst würde der Tourismus wegbrechen, bei einem hässlichen Strand.“ Mit seiner Forschung möchte Armonies dazu beitragen, Umweltveränderungen und damit auch Veränderungen der Meiofauna frühzeitig zu erkennen um möglicherweise reagieren zu können. „Wir wissen immer noch sehr wenig über diese kleinen Tiere, aber dass sie sehr wichtig für das System sind, steht außer Frage.“

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