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Sylter Rundschau

20. November 2017 | 07:09 Uhr

Sylter Polizei-Bilanz : Das Risiko fährt mit

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zahl der Unfälle mit Fahrrädern durch E-Bikes deutlich gestiegen – Kripo und Polizei ziehen Jahresbilanz.

Immer mehr Sylt-Besucher lassen ihr Auto stehen und wechseln zum Fahrrad – eine gute Nachricht. Die schlechte Nachricht – die Zahl der Fahrradunfälle steigt. Vor allem Nutzer der modernen E-Bikes sind betroffen. Die Zahlen der Sylter Polizei sind eindeutig: Waren es 2015 noch zehn Unfälle mit „Pedelecs“, so stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 23 sprunghaft an.

Dabei sei häufig gar kein Unfallgegner im Spiel, berichtet Revierleiter Dieter Johannsen. Bei den „Alleinunfällen“ werde häufig die Geschwindigkeit der Fahrräder mit Elektromotor unterschätzt. Oft stürzen die Radler am Bordstein – und durch die höhere Geschwindigkeit steigt auch das Verletzungsrisiko. Das Problem, sagt Johannsen, sei meistens die fehlende Routine im Umgang mit den modernen Zweirädern. Gerade viele ältere Sylt-Gäste, die zuhause wenig radfahren, probierten im Urlaub eines der beliebten Pedelecs aus. Eine Helmpflicht gäbe es zwar nicht, aber der Kopfschutz könne zumindest einen Teil der Verletzungen mindern. Johannsen appelliert aber auch an die Fahrradvermieter auf der Insel. Eine grundlegende Einführung der Kunden in die Bedienung des ungewohnten Fortbewegungsmittel helfe Unfälle vermeiden.

Die Sylter Polizeistatistik weist für 2016 auch einen Anstieg der Unfallopfer um 30 Prozent aus. Insgesamt kam es im vergangenen Jahr auf Sylt zu 868 Verkehrsunfällen, bei denen 182 Menschen verletzt wurden. Ein Jahr zuvor waren es 791 Verkehrsunfälle und 140 Verletzte. Hoch ist die Zahl der angezeigten Fälle von Unfallflucht – sie stieg von 325 auf 335. Für Polizeichef Dieter Johannsen eine Konsequenz der zeitweise hohen Verkehrsdichte auf den Straßen der Insel. Nahezu täglich würden bei der Polizei Parkrempler angezeigt.

Die Zahl der Fahrraddiebstähle blieb im vergangenen Jahr relativ konstant: In 96 Fällen zeigten Eigentümer den Verlust ihres Zweirades an, im Jahr zuvor waren es noch 103. Allerdings gibt es hier eine Grauzone, glaubt Kripochef Christian Wiege. Nicht jeder Fahrraddiebstahl werde zur Anzeige gebracht, etwa wenn das Fahrrad nicht versichert war.

Die Zahl der Einsätze insgesamt hat leicht zugenommen: 2016 rückten die Beamten des Sylter Polizeireviers zu 3667 Einsätzen aus – das waren 140 mehr als im Jahr zuvor. In 699 Fällen wurden Kraftfahrzeuge beanstandet (2015: 613), insbesondere wegen technischer Mängel oder nicht mitgeführter Papiere. Auf Vorjahresniveu bewegte sich auch die Zahl der beanstandeten Fahrräder – es waren 299 (2015: 322).

Ein großer Posten in der Einsatzstatistik sind Ruhestörungen – im letzten Jahr fühlten sich Anwohner in 150 Fällen (2015: 143) von Nachbarn gestört – ein häufiges „Delikt“ auf einer Urlaubsinsel, auf der sich Ruhesuchende und Feiernde schon mal in die Quere kommen können.

Inseltypisch ist aber auch die geringe Zahl der Einbrüche auf Sylt – „hier profitieren wir vom begrenzten kriminalgeographischen Raum“, umschreibt es Dieter Johannsen. Einbrecherbanden würden um die Nordseeinseln einen großen Bogen machen – hier ist eine schnelle Flucht kaum möglich. Das gleiche gelte für Autodiebstähle, ergänzt sein Kripokollege Christian Wiege. Die meisten Fahrzeuge tauchten kurz nach der Diebstahlmeldung wieder auf, weil ihre Besitzer sich nicht genau an den Abstellort erinnern konnten. An einen konkreten Autodiebstahl in jüngster Vergangenheit können sich weder Johannsen noch Wiege erinnern.

Die Zahl der Drogendelikte war 2016 mit 80 relativ konstant, 2015 waren es 81. Dabei handele es sich meistens um Fälle von Kleinkriminalität, erläutert Wiege, bei denen Konsumenten mit Rauschmitteln für den Eigenbedarf von der Polizei dingfest gemacht wurden. In der großen Mehrheit sei Cannabis im Spiel gewesen, seltener Kokain und ganz selten Crystal Meth – diese Modedroge sei 2016 einmal bei einem Touristen festgestellt worden.

Allerdings erfasst die Statistik der Sylter Kriminalpolizei für 2016 auch drei Todesfälle. In List und Westerland kam es im Sommer zu zwei Badeunfällen, bei denen ältere Schwimmer gestorben sind. Im September 2016 ermittelte die Mordkommission, nachdem ein Säugling in der Nordseeklinik gestorben war. Der 46-jährige Vater des Kindes stand unter dem Verdacht des Totschlags.

Seit April werden die 38 Beamten der Sylter Polizeireviers wieder durch 15 junge Kräfte des Bäderdienstes verstärkt. Sie bleiben noch bis Ende September auf der Insel. Die Verstärkung ist auch wichtig für die Einsätze am Flughafen, wo jeden Tag zwei Beamte für die Dauer der Abfertigung vor Ort sind. Und sie hilft bei den zahlreichen Veranstaltungen, die die Polizei auf Sylt begleitet – vom Ringreiten bis zum Surfcup und den Harley-Days. Für 2017 steht schon der Einsatz beim Lister Hafengeburtstag im Kalender, bei dem mit mehreren Tausend Gästen gerechnet wird. Allerdings helfen Sylter Polizeibeamte auch bei Einsätzen auf dem Festland. Beim G20-Gipfel in Hamburg werden auch Polizisten von der Insel im Einsatz sein.

Johannsen ist zuversichtlich, dass Ende Mai die Belastung durch die Baustellen in Westerland ein Ende hat. Zu mehr Unfällen sei es durch die Straßensperrungen nicht gekommen, aber die Umwege stellten für die Polizei bei Fahrten an den Einsatzort eine „ordentliche Belastung“ dar.

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