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Schwangere im Notfall : "Das Rettungskonzept klappt sehr gut"

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Für die Versorgung von Schwangeren im Notfall gibt es ein Notfallkonzept. Bei schlechtem Wetter kommt die Bundesmarine als Unterstützung hinzu – mit einem SAR-Hubschrauber.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2014 | 08:07 Uhr

Die Diskussion um die Schließung der Geburtenstation auf Sylt hat auch die Frage nach der schnellen Versorgung von Schwangeren im Notfall neu aufgeworfen. Der Fall einer Schwangeren, die nicht mehr rechtzeitig aufs Festland kommen konnte und auf Sylt per Kaiserschnitt entbunden werden musste (wir berichteten), warf auch erneut die Frage auf, ob die Notfallversorgung für Schwanger, Kranke oder Verletzte grundsätzlich unzureichend ist.

Jan Castan, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Asklepios Nordseeklinik, widerspricht dem Eindruck einer mangelhaften Notfallversorgung entschieden. „Im Gegenteil“, so Castan, „das Notfallkonzept unser Klinik und des Rettungsdienstes klappt sehr gut“. Als Beleg dafür verweist der Mediziner auf einen Fall, der sich erst vor wenigen Tagen auf der Insel ereignet hat und eine schwangere Urlauberin betraf, die in der 33. Schwangerschaftswoche „gegen 2 Uhr mit Wehen und Blasensprung in die Klinik gekommen war. Sofort wurde der diensthabende Gynäkologe benachrichtigt und dieser stellte die Indikation zur sofortigen Verlegung in ein Perinatalzentrum bei drohender Frühgeburt.“ Für den Transport zur Flensburger Diako blieb nur der Luftweg – auf den Zug zu warten, hätte zu lange gedauert. Für solche Fälle stehen der Leitstelle Nord im Normalfall die Hubschrauber Christoph Europa 5 aus Niebüll und Christoph 42 aus Rendsburg zur Verfügung. Allerdings war das Wetter zu schlecht und die verhältnismäßig kleinen Hubschrauber der DRF Luftrettung konnten nicht fliegen.

Eine ähnliche Situation ergab sich auch am Montag, als wegen des Sturms eine Patientin zur Weiterbehandlung nicht mit den Hubschraubern aus Niebüll und Rendsburg transportiert werden konnte. Für solche Fälle gibt es für die Leitstelle die Möglichkeit, die Bundesmarine um Unterstützung zu bitten. Sowohl am Montag als auch im Fall der schwangeren Urlauberin wurde der wesentlich größere SAR-Hubschrauber alarmiert. Die Patientinnen wurden bis zum Flensburger Flugplatz Schäferhaus geflogen. Eine Landung auf dem Dach der Diako ist für den Hubschrauber vom Typ SeaKing aufgrund seiner Größe nicht möglich, deshalb muss er stets außerhalb des Stadtgebietes landen.

Um nach der Landung keine Zeit zu verlieren, warteten am Flugplatz Schäferhaus bereits ein Rettungswagen und ein Notarzt um den Weitertransport in die Diako zu begleiten. Beide Patientinnen erreichten sicher ihr Ziel. Für Castan zeigt das Beispiel der schwangeren Urlauberin, „dass unser erarbeiteter Notfallplan in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Rettungsdienst gut funktioniert und die Patienten sicher in die für sie geeignete Klinik verlegt worden konnten.“

Neben den Hubschraubern gibt es andere Möglichkeiten, Patienten aufs Festland zu bringen: Autozug, Personenzüge und die Pidder Lüng, der Seenotkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger, können ebenfalls zum Transport eingesetzt werden. Auf diese Weise können laut DRK-Rettungsdienstleiter Arne Dekarz 99 Prozent der Patienten aufs Festland gebracht werden, wenn es medizinisch erforderlich sei. „Eine hundertprozentige Gewährleistung werden wir nie erreichen, das hängt mit unserem Einsatzort zusammen.“

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