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Hamburger Jungs auf Sylter Brettern : Das Rat Pack des 21. Jahrhunderts

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sie sind die „Söhne Hamburgs“ und stehen am 19. August im Meerkabarett auf der Bühne: Joja Wendt, Stefan Gwildis und Rolf Claussen

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2014 | 06:19 Uhr

„Männer in den besten Jahren: gut aussehend, begehrenswert, frisch geduscht, hoch gejubelt, maßlos überschätzt, völlig überbewertet – ein Programm mit Döntjes und dumm Tüch …“ – Die drei „Söhne Hamburgs“ müssen noch immer grinsen, wenn die von Jan Fedder eingesprochene Ansage für ihren Auftritt vom Band abläuft. „Wir sind Freunde, die auf die Bühne gehen und einfach Spaß haben wollen – so wie damals das Rat Pack mit Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin“, erklärt Joja Wendt den Antrieb für den flotten Dreier, den der Show-Pianist nun erneut mit Stefan Gwildis und dessen altem Improvisationstheater-Kumpel Rolf Claussen auf die Bühne legt.

Wie ist die Idee zu Eurem Trio entstanden?
Wendt: Rolf, Stefan und ich kennen uns seit vielen Jahren. Damals spielten wir noch auf der Straße – ja, wir waren echte Straßenmusiker. Und so sind wir uns über 25 Jahre immer wieder bei allen möglichen Anlässen begegnet. Eines Tages dann haben wir uns wiedergetroffen auf einer Party – (zu Gwildis gewandt) du warst zu meinem Geburtstag eingeladen und bist tatsächlich gekommen (lacht) …

Gwildis (lacht): … ja, ich bin sogar gekommen! Das war schon eine tolle freie Szene damals in Hamburg, da tauchten dann Leute wie Django Edwards oder Udo Lindenberg auf und selbst Miles Davis hat da mal gespielt …

Wendt: ... wir können in Hamburg echt stolz auf die Subkultur sein, die es da mal gegeben hat und die für viele eine Initialzündung gewesen ist – und am Ende hat jeder hat seinen eigenen Weg gemacht.

Eine „Subkultur“, die nun auf der Bühne neu aufleben soll – „Wir haben das Auto voll mit Sperrmüll“, meint Gwildis augenzwinkernd –, in Songs wie Kleinkunst und Improvisations-Theater.
Gwildis: In jenen Zeiten gab es auf dem Alstervergnügen noch die kleinste Bühne der Welt und auf der haben wir uns getroffen: Joja mit seinem Klavier, das er über die Straße geschoben hat, Rolf und ich mit unserem alten Teekisten-Bass als Gitarrenersatz. Und eben dieses wunderbare Gefühl wollten wir einfach mal wieder auffrischen und anknüpfend an die Söhne Mannheims feststellen: Hier in Hamburg gibt es auch ein paar Söhne, die etwas zu sagen haben.

Wendt: Die Idee zu dem Titel „Söhne Hamburgs“ ist damals übrigens gemeinsam mit Otto Waalkes geboren worden. Wir standen zusammen und fragten uns: Wo kommen wir her, wo liegen unsere Wurzeln? Und es ist eben diese Stadt, die uns diesen Moment auf der Bühne beschert und von daher auch eine kleine Reminiszenz an unsere Wurzeln.

Ihr schiebt jetzt also wieder den Teekistenbass und das Klavier auf die Bühne?
Claussen: Tja, wenn wir das alles schon wüssten (lacht) ...

Wendt: ... du musst dir das wirklich so vorstellen wie damals Rat Pack: Das waren auch Künstler, die einfach Freunde waren. Jeder hatte seinen Charakter – und natürlich soll auch bei uns jeder seinen Charakter auf der Bühne herausstellen können und so sein wie er ist, aber wir wollen eben auch zusammen etwas machen.

Nun kommt Ihr ja aber aus verschiedenen Sparten, jeder hat ein anderes Publikum – wie bringt Ihr das auf der Bühne zusammen und begeistert dann auch alle?
Claussen: Das Publikum erlebt das in der Regel als Zugewinn, gerade, wenn sie das andere noch nicht kennen. Und man lernt auch mal eine andere Seite von Stefan oder Joja kennen: Es geht auch darum, ein Stück aus dem scheinbar festgenagelten eigenen Genre herauszukommen. Stefan singt eben nicht nur deutschen Soul, sondern macht auch ganz andere Sachen – und in der Regel werden diese Ausflüge von unserem Publikum goutiert.

Wie entsteht solch ein Programm?
Wendt: Auch da dürfen wir offen sprechen? Wir sammeln zusammen, was uns einfällt – und am Ende verlassen wir uns auf der Bühne natürlich trotzdem auf unser Improvisationstalent. Das wird ein Abend, der aus dem Moment geboren ist – nicht zuletzt das macht es für die Leute so spannend, denn da kann auch mal etwas schief gehen.

Erstaunt werden die Gwildis-Fans sein, dass keine Band mit auf der Bühne steht …
Gwildis: Wir hatten anfangs überlegt, ob wir eine Band einsetzen wollen, aber dann sagte Joja richtigerweise: Lass’ uns das mal zu dritt machen. Wenn wir dann ins Straucheln kommen, dann wollen wir auch straucheln – und können wir drei umgekehrt etwas zünden, dann soll das auch in dem Moment passieren. Wenn du eine Band dabei hast, musst du vorher alles verabreden: Da bist du schon in dem Korsett drin und kannst nichts mehr spontan machen.

Wendt: Wir versuchen natürlich auch unsere jahrelange Bühnenerfahrung in die Waagschale zu werfen nach dem Motto: Ein Konzert muss einen großen Anfang und ein großes Ende haben. Das war das erste, was wir hier in der Runde gesagt haben – da wussten wir aber noch nicht, wie der Anfang und das Ende aussehen soll ... und das hat sich auch bis heute noch nicht wirklich herauskristallisiert (lacht). Wir wissen bloß, dass wir es wollen.

Claussen: Was wir machen, hat immer auch so eine gewisse Brüchigkeit, so einen Aspekt, sich selbst und damit gleichzeitig den ganzen Showzirkus in Frage zu stellen. Über sich selber zu lachen und dieses große ehrwürdige Bühnending zu brechen, denn es ist mitnichten das Wichtigste auf der Welt – und das macht den Leuten Spaß. Zudem haben wir uns ausgetauscht, was wir bei den anderen klasse fänden – etwa, wenn Joja auch ein echtes Klassikstück spielt, denn das haben in der Branche nur wenige drauf, dass sie beides können.

Gwildis: Und Joja beherrscht das einfach, der hat das in den Fingern – wo andere beim Boogie bleiben, geht er noch einen Schritt weiter. Der könnte auch einen ganzen Abend nur Klassik spielen und würde die Leute begeistern – und insofern ist es toll, dass wir uns auf den verschiedenen Ebenen treffen können, dass er auch mal mitsingt und andere Döntjes mitmacht. Und dabei haben wir auch wieder den Vergleich mit dem Rat Pack im Hinterkopf: Natürlich haben die schon jene Sachen gemacht, durch die sie berühmt geworden waren, aber sie haben sich eben dabei auch selbst auf den Arm genommen – und das ist cool.

Rantum: 19. August, Sylt-Quelle, 20.15 Uhr, Karten 16 bis 39 Euro, Tel. 0 46 51/47 11


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