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Serie Sylter Köpfe : Das neue Leben ist eine Ponyfarm

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der heutigen Folge der Serie „Sylter Köpfe“ erzählt Tierärztin Steffi Petersen von ihrem Leben mit 15 Pferden, vier Hunden, vier Pfauen – und ihrer Liebe zur Insel Sylt.

In Steffi Petersens Praxis riecht es nach Desinfektionsmitteln und Hund. Fürs Gespräch wird der metallene Behandlungstisch kurzerhand zur Kaffeetafel umfunktioniert. Trotzdem schafft es die blonde Tierärztin mit ihrem einnehmenden Lächeln und den beiden knallpinken Tassen in der Hand, sofort, eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen. Man kann sich leicht vorstellen, wie es ihr mit dieser Mischung aus Professionalität und Freundlichkeit gelingt, nervöse Tierbesitzer zu beruhigen.

„Einen Aufenthaltsraum haben wir leider nicht – noch nicht“, entschuldigt sich die 43-Jährige. Bald wird sich das ändern, Ende März zieht die Praxis um, auf das ehemalige Gelände von Bodils Ponyfarm in Braderup. Dort hat sich Steffi Petersen ein neues Leben aufgebaut – zusammen mit ihrem neuen Lebensgefährten Jürgen Altmiks, ihren zwei Söhnen, vier Hunden, vier Pfauen und 15 Pferden. Sie will dort Trakehner züchten, eine edle deutsche Pferderasse. „Das wird dann sehr unkompliziert – die Praxis, die Pferde und die Kinder sind direkt am Hof und auch wenn es nachts einen Notruf gibt, bin ich sofort vor Ort.“

Zur Zucht ist Petersen über Jürgen Altmiks gekommen. „Er hat früher schon Trakehner gezüchtet. Für uns ist das in erster Linie ein Hobby – und bedeutet ganz viel Entspannung.“

Denn so sehr Steffi Petersen ihren Beruf und die Arbeit mit Tieren auch liebt – es ist für sie oft auch nervenaufreibend und immer gelingt es ihr nicht, eine distanzierte Haltung zum Geschehen zu bewahren: „Gestern Abend musste ich wieder ein Pferd einschläfern. So etwas trifft mich immer hart. Da ist es gut, dass ich einen Ruhepol und Ausgleich bei meinen Pferden habe.“

Dazu komme, dass man sich als Tierärztin in tausende Charaktere hineinfühlen müsse. „Mit den Tieren ist das noch am einfachsten – aber auch die Besitzer haben ja ihre Eigenheiten. Da braucht man ein ganz besonderes Feingefühl.“ Zum Beispiel wenn Kinder dabei sind und Steffi Petersen es so einrichtet, dass diese beim Einschläfern des geliebten Haustieres nicht dabei sind. Wenn es auf der Arbeit mal wieder zu anstrengend wird, findet Steffi Petersen ihre Entspannung beim Reiten. Aber auch dabei gibt es für sie zwei Welten: „Wenn ich mit meinen Arabern ausreite, dann reite ich mit dem Westernsattel, mit Jeans und Stiefeln. Mit den Trakehnern geht es mehr in Richtung Dressur, mit Reitkappe und Weste.“

Auf Sylt hat Steffi Petersen viele Stammkunden – nicht nur unter den Insulanern, sondern auch unter den Urlaubern. Das geht oft über das rein berufliche hinaus: Viele bringen ihr Geschenke aus der Heimat mit – von einem Mann aus Tirol gibt es Bergkäse und eine Frau aus Frankfurt überreicht ihr immer Apfelwein und grüne Sauce. Vorne im Wartezimmer hängen Dutzende Fotos von Petersens vierbeinigen Patienten. Darauf haben die Besitzer zahlreiche Worte des Dankes geschrieben.

Petersen könnte sich inzwischen nicht mehr vorstellen, woanders zu leben, als auf Sylt. „Zuhause fühle ich mich dort, wo ich meine Freunde habe, wo ich mich wohlfühle und es an jeder Ecke einen guten Schnack gibt.“ Deshalb ist ihre liebste Zeit des Jahres auch die Nebensaison. „Dann ist es auch egal, wenn man mit Gummistiefeln im Schlamm herumlaufen muss, aber endlich haben die Sylter mal Zeit für einen Kaffee oder für einen Besuch in der Stammkneipe.“

Ursprünglich stammt die 43-Jährige aus dem Frankfurter Raum, studierte in Leipzig Tiermedizin und kam dann 1995 zum ersten Mal „der Liebe wegen“ nach Sylt. Weil ihr damaliger Freund auf der Insel lebte, machte sie ihre Pflichtpraktika beim Sylter Tierarzt Dr. Häring. „Ich habe dann sechs Jahre später hier meine eigene Praxis aufgemacht.“ Aber die Entscheidung, auf Sylt sesshaft zu werden, war auch eine bewusste Entscheidung für die Insel: „Wer kann schon mit seinen Pferden ans Watt reiten, mit seinen Hunden am Strand spazieren gehen und hat so ein tolles Gastro-Angebot vor der Haustür? Die Insel ist einmalig und die Natur ist daran für mich das Schönste. Ich genieße das Meer und den Geruch der Heckenrosen.“

So sehr Steffi Petersen ihre Insel auch liebt – der Autozug ist für sie ein notwendiges Übel: „Wenn man nachts nicht mehr mit einem schwer kranken Pferd zur Klinik aufs Festland kommt, ist das natürlich ein Problem.“ Außerdem muss sie ab und zu von der Insel herunter. Das macht Petersen, indem sie Züchterabende, Auktionen und Fortbildungen besucht und in den Urlaub fährt. „Für mich reicht ein längerer Urlaub im Jahr. Ansonsten bin ich ein großer Freund von Kurztrips – nach zwei oder drei Tagen vermisse ich wieder meine Hunde und Pferde.“ Das einzige, was ihr auf der Insel fehlt, ist der Mischwald ihrer hessischen Heimat. „Wenn ich dort bin und den Geruch der feuchten Erde einatme, wünsche ich mir immer ein Pferd unter dem Sattel zu haben.“ Zum Thema Pferde gibt es übrigens bald ein freudiges Ereignis auf ihrem Hof: Drei von Petersens Trakehner-Stuten erwarten in den nächsten Tagen ihre Fohlen. Das ist dann der echte Startschuss zur Trakehner-Zucht in Braderup.

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erstellt am 22.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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