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Sylter Rundschau

23. August 2017 | 12:11 Uhr

Das Morden auf Sylt und andere Kolumnen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Axel Hacke liest heute Abend im Meerkabarett in Rantum / Ein Interview über Wind, Krimi-Seuchen und Speisekarten

Heute Abend ab 20.15 Uhr liest der Kolumnist und Autor Axel Hacke im Meerkabarett in Rantum aus seiner Kolumnensammlung. Im Interview mit der Sylter Rundschau spricht er über Gegenwind, Sylter Regionalkrimis und lustige Sprach-Fehler.

Herr Hacke, Sie kommen heute auf Sylt an, um aus Ihrer Kolumnen-Sammlung „Das kolumnistische Manifest“ zu lesen. Hier herrscht super Sommer-Wetter: Bleiben Sie länger auf Sylt?

Nein, ich bin nur 24 Stunden da, das ist ein bisschen schade. Aber auf solchen Lesetouren kommt man einfach selten dazu, sich noch viel anzugucken.

Kennen Sie die Insel denn?

Ich habe Sylt und den Sylter Wind bei meinem letzten Besuch anlässlich einer Lesung auf der Insel kennengelernt, als ich mit dem Fahrrad nach List gefahren bin. Hin ging es wie von selbst, zurück war es dank des Gegenwinds wie Bergauf fahren. Das kenne ich zwar aus Bayern, hatte aber auf der Insel nicht damit gerechnet.

Als gebürtiger Braunschweiger habe ich als Kind immer Urlaub am Meer gemacht, auf Wangerooge, Amrum oder an der Ostsee. Jetzt lebe ich seit 40 Jahren in München und die Nordsee ist von uns aus einfach sehr weit weg. Meine Familie und ich fahren dagegen zweimal im Jahr nach Italien. Eigentlich schade, für mich rufen die Besuche auf Sylt auch immer Kindheitserinnerung wach: Die Dünen, der Wind, der einen durchpustet, das Meer – das ist schon was anderes als am Mittelmeer. Aber ich glaube, meine Familie würde streiken, wenn es nicht mehr nach Italien ginge.

Ein wirklicher Insel-Neuling sind Sie also nicht. Haben Sie Ihre Sylt-Impressionen schon einmal in einer Kolumne verarbeitet?

Ja, als ich 2012 das erste Mal auf der Insel war, stand ich irgendwann in Westerland in einem Buchladen und habe dieses große Regal voll von Regionalkrimis gesehen. Jede Stadt, jeder Ort hat ja jetzt einen eigenen Regionalkrimi, man muss fast sagen: Das ist eine Art Seuche. Jedenfalls gab es für Sylt aus meiner Sicht besonders viele dieser Romane.

(Auszug aus der Kolumne: „Mir wurde unbehaglich. Diese Insel ist doch nicht sehr groß. Anscheinend wird hier an jeder Ecke erschossen und zerstückelt, gekillt und erwürgt, zersägt und erschlagen. Später erzählte mir jemand von einer Studie des örtlichen Bauamtes, der zufolge die Einwohnerzahl Sylts in den kommenden drei Jahrzehnten von 21 500 auf unter 12 000 zurückgehen werde. Das erschien mir nicht unwahrscheinlich, wenn die hiesige Romanproduktion auch nur irgendetwas mit der Lebens- oder, sagen wir, Sterbenswirklichkeit des Eilands zu tun haben sollte.“)

Diese Kolumne findet sich auch im Kolumnistischen Manifest, aus dem ich heute Abend lesen werde.

Eines der Dauerbrenner-Themen, die Sie in Ihrer Kolumne und in Büchern verarbeitet haben, ist der Oberst von Huhn. Unter diesem Titel schicken Ihnen Leser seit Jahren schräge Übersetzungen auf Speisekarten aus aller Welt zu. Kam da auch schon mal eine Zusendung von der Insel?

Ja, ich glaube, da war mal was mit einem griechischen Restaurant in Westerland. Ohnehin kommt die Post zu diesem Thema von überall her und gerade jetzt zur Ferienzeit merkt man, dass die Zahl der Einsendungen noch weiter ansteigt. Viele Urlauber fotografieren die Speisekarten und mailen sie direkt vom Smartphone zu mir. Vor ein paar Tagen kam eine Sache, die ich wieder sehr, sehr lustig fand: Auf einer Speisekarte wurde ein halbes gebratenes Händchen angeboten. Man merkt, da hat jemand die Sprache übers Hören gelernt, dann kann so etwas Phantasievolles entstehen. Ohnehin geht es beim Oberst von Huhn ja nicht darum, dass man sich über die Fehler lustig macht. Vielmehr bieten sie einem die Chance, die deutsche Sprache ganz neu zu entdecken.

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von
erstellt am 07.Aug.2015 | 05:30 Uhr

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