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Neue Mitte Westerland : Das meiste Geld liegt unter der Erde

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

An der Gestaltung des Platzes zwischen Geschäfts- und Appartementhaus, Fisch-Blum und Neue Straße scheiden sich weiter die Geister

Noch führt der Platz ein Schatten-Dasein: Der frische Rollrasen ist eingezäunt, die langen Sitzbänke und die Spielgeräte verlieren sich auf der großen Freifläche zwischen dem Neubau, Fisch-Blum und der Ladenzeile an der Neuen Straße. Die „Neue Mitte Westerland“ – ein Platz zum Verweilen oder doch nur eine triste Brache vor teuren Appartements?

Die Gestaltung des Platzes ist Teil des Bauprojekts „Neue Mitte“ der Hamburger Firma DC Developments, das im Dezember vergangenen Jahres fertiggestellt wurde. Dort, wo bis 2009 noch eine Tankstelle des Sylter Kfz-Betriebs Kress & Hansen übriggeblieben war, ist für 27 Millionen Euro eine neue Wohnanlage mit Einzelhandelsflächen entstanden. Im Erdgeschoss ziehen in den nächsten Monaten Bekleidungsgeschäfte ein – Closed, Schiesser, Elsbach und nach Informationen unserer Zeitung nun auch Adidas.

Auf die drei Geschosse darüber verteilen sich 22 Wohnungen in Größen zwischen 40 und 150 Quadratmetern, auf der Westseite mit Dachterrassen und Balkons in Richtung Elisabethstraße, auf der Ostseite mit Blick auf den entstehenden Park vor der Neuen Straße. Für die Gestaltung dieses Parks wollte der Investor DC Developments insgesamt 500  000 Euro bereitstellen.

Doch für Holger Flessau aus dem Bauausschuss der Gemeinde Sylt ist jedoch fraglich, wofür dort das Geld denn eigentlich investiert wurde. Drei Bänke, ein paar Spielgeräte – „ich bin wirklich enttäuscht“, sagte der CDU-Politiker. Mit so viel Geld hätte die Gemeinde für eine schönere Gestaltung sorgen können. Dazu gehörte seiner Ansicht nach vor allem ein unterirdisches Trafohäuschen. Flessaus Fazit: „Dieser Platz hat keine Strahlkraft. In meinen Augen wird das kein Anziehungspunkt.“

Dabei entspricht die Gestaltung des Platzes ziemlich genau den Plänen, die zwischen der Gemeinde Sylt und der Firma „Neue Mitte Westerland GmbH & Co. KG“ vertraglich vereinbart wurden. Für Bürgermeister Nikolas Häckel gibt es deshalb keinen Grund zur Klage: „Das Vorhaben wurde aus Sicht der Verwaltung beschluss- und vertragsgemäß abgewickelt.“

Und auch Lothar Schubert, geschäftsführender Gesellschafter von DC Developments, sieht keinen Anlass zur Kritik. „Der Platz ist genauso nach den Wünschen und Anforderungen der Stadt gebaut worden. Zu 100 Prozent entspricht er den Plänen und Visualisierungen, die wir vorgestellt haben.“

Dabei steckt offenbar viel Geld unter der Rasenfläche: „Wichtig ist sicherlich zu erwähnen, dass wir eine aufwendige Infrastruktur schaffen mussten.“ Der Platz verfüge jetzt nicht nur über Beleuchtung, sondern auch über Anschlüsse für die Be- und Entwässerung und eine Verankerung für einen Tannenbaum. Für einen Weihnachtsmarkt wären also sämtliche Einrichtungen vorhanden. „Ich bin davon überzeugt, dass unser Platz mit all seinen Bäumen, hochwertigen Sitzmöglichkeiten und auch den Spielgeräten für eine tolle Aufenthaltsqualität sorgen wird“, erklärte Schubert.

Eine Einschätzung, der sich auch Kay Abling (CDU) anschließt: „Mir gefällt es“, sagt der Westerländer Ortsbeiratsvorsitzende zur Platzgestaltung. „Es ist so geworden wie geplant.“ Über die Farbgestaltung des Trafohäuschens werde der Ortsbeirat allerdings noch am 8. März entscheiden. Die öffentlichen Toiletten seien unter dem Dach des Neubaus gut untergekommen und würden nun vom Tourismusservice bewirtschaftet. Bis Ostern werde auch die Zuwegung zur Friedrichstraße fertig gepflastert sein. Für Abeling gibt es nur noch einen offenen Punkt: „Wir sollten uns Gedanken machen über einen Namen.“ Denn „Neue Mitte“ – das sei keine eingängige Bezeichnung für so einen zentralen Platz.

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erstellt am 20.Feb.2017 | 05:00 Uhr

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