Das Lister Walross ist zurück

Am 27. Juli 1960 wurde das Walross erlegt und am Lister Hafen angelandet.
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Am 27. Juli 1960 wurde das Walross erlegt und am Lister Hafen angelandet.

Erlebniszentrum holte das 1960 auf dem Ellenbogen erlegte und präparierte Tier aus Bremerhaven

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02. Mai 2011, 07:56 Uhr

List | Im Sommer 1960 sorgte ein vom Lister Seehundjäger Curt Dethlefs an der Ellenbogen-Spitze erlegtes Walross für großes Aufsehen. Bis heute erinnern sich viele Sylter an den 27. Juli 1960, als das riesige Tier an Bord der "Palucca" am Lister Hafen angelandet und per Kran auf den Kai gehievt wurde. Was nur wenige wissen: Das Walross wurde anschließend präpariert und bis zu dessen Schließung vor etwa zehn Jahren im altehrwürdigen Nordseemuseum Bremerhaven ausgestellt.

Am Wochenende kehrte es nach 50 Jahren zurück nach List. Von Heimatforscherin Silke von Bremen auf die Geschichte des Walrosses und seinen vermeintlichen Verbleib aufmerksam gemacht, begab sich der Leiter des Lister Erlebniszentrums Naturgewalten, Dr. Matthias Strasser, in Bremerhaven auf die Suche - und wurde recht schnell fündig. Neben hunderten weiterer Exponate des geschlossenen Museums führte das Lister Walross - gut verpackt in einer riesigen Holzkiste - in einer Lagerhalle einen Dornröschenschlaf. Flugs wurde ein Ausleihvertrag bis Januar 2012 geschlossen - und am Freitag machten sich Strasser und sein technischer Leiter Oliver Finazzo auf den Weg, die Kiste samt Inhalt auf die Insel zu holen.

Dort sorgte der 4,5 Meter lange und rund 800 Kilogramm schwere Koloss auch bei seiner Rückkehr erneut für reichlich Aufsehen. Etliche Teilnehmer der gerade beendeten Mitgliederversammlung der Sölring Foriining bestaunten zu später Stunde das im Laufe der Jahrzehnte leicht angestaubte Exponat und tauschten prompt Erinnerungen und Erzählungen an und über den Sommer 1960 aus.

So wie Curt Dethleffs Tochter Inken und ihr Bruder Claus, die damals 17 beziehungsweise vier Jahre alt waren. "Die Erwachsenen waren sehr aufgeregt, als das Walross gesichtet wurde. Nachdem mein Vater das abgemagerte Tier erlegt hatte, liefen schon damals die Tierschützer Sturm", erinnert sich Inken. Angaben des Museums zufolge hatte die Untersuchung das Kadavers ergeben, dass das nur noch über einen Stoßzahn verfügende Tier an einer Zahnhöhlenvereiterung litt und daher wahrscheinlich die Orientierung verloren hatte.

Im Erlebniszentrum überlegt man nun, in welcher Form das Exponat im Foyer des Zentrums ausgestellt werden soll. Strasser: "Es ist toll zu sehen, wie das Walross die Sylter auch nach 50 Jahren noch berührt. Ich bin gespannt, ob es die Urlaubsgäste ähnlich interessieren wird."

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