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Sylter Kirchen : Das Kirchenschiff auf der Düne

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der siebte Teil der SR-Serie über die Geschichte und Architektur der Sylter Gotteshäuser widmet sich der Hörnumer Kirche St. Thomas

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Ganz im Inselsüden thront auf einer Düne eine moderne Kirche aus weiß geschlämmtem Kalksandstein, deren klare Formen an Segel denken lassen. Sie heißt St. Thomas und gehört zu den jüngsten Kirchen Sylts.

Dabei war zunächst in Hörnum gar keine Kirche geplant. Nachdem der Ort am Ende des ersten Weltkriegs nur 21 Einwohner zählte, begannen die Nationalsozialisten in den 30er-Jahren, den Ort als strategisches militärisches Ziel auszurüsten. Viele Soldaten und Zivilbedienstete brachten ihre Familien in den Inselsüden, und wie Harry Kunz und Thomas Steensen in ihrem Sylt Lexikon schreiben, stieg die Bevölkerungszahl auf über 1000 an. Obwohl es bald einen Hafen, eine Flugzeughalle und Kasernen gab, passte eine Kirche nicht in die Ideologie der Nazis.

Erst als die 1 400 Hörnumer 1948 kurzfristig über 2 000 Heimatvertriebene und Flüchtlinge aufnahmen, stieg der Wunsch nach einem eigenen Ort für Gottesdienste. 1949 konnten die Hörnumer mit Spendengeldern der norwegischen Europa-Hilfe eine ehemalige Schulbaracke als Kirche herrichten. Sie erhielt den Namen St. Martin, da das Motiv des Teilens in der Nachkriegszeit ein wichtiges Thema war, war aber auch als „Norwegerhaus“ bekannt. Allerdings hatte man nicht bedacht, dass es auf Sylt bereits in Morsum eine Kirche mit dem Namen St. Martin gab.

Deshalb wurde der Patron zu St. Thomas gewechselt. Es ist der Name des ungläubigen Apostels. „Mit der Figur des Gott suchenden, zweifelnden Thomas wurde ein Namensgeber gewählt, dem der moderne Mensch sich nahe fühlen kann, als Gottsucher“, erklärt Pastorin Annette Gruenagel. Heute ist in diesem Bau die Schutzstation Wattenmeer untergebracht. Eine Tafel erinnert an die frühere Kirchstätte am westlichen Ortsrand.

Etwa zeitgleich mit dem Ende der Inselbahn und der Eröffnung der neuen Landstraße im Jahr 1970 wurde die Kirche St. Thomas nach finanziellen Schwierigkeiten gleich neben das bereits bestehende Pastorat auf eine Düne gebaut.

Der Architekt der Hörnumer Kirche war Martin Bernhard Christiansen. Er hat für das Gotteshaus streng geometrische Formen gewählt. Das steil aufragendes weißes Kirchenschiff ist weithin sichtbar. Wie ein Segel ist es steil in die Höhe gezogen und gibt der Kirche ihre unverwechselbare Gestalt.

Im Innern füllen die bunten Glasfenster von Wolf-Dieter Kohlers den Raum mit Farbe und Licht. Das Oberlicht über dem Eingang zeigt die Geschichte vom sinkenden Petrus und der Sturmstillung. Die schmalen schrägen Fensterfriese erzählen die Passionsgeschichte bis hin zur Erscheinung des Auferstandenen vor dem von der Last des Kreuzes besonders erschütterten Jüngers Thoma.

Pastorin Annette Gruenagel gefällt an der Kirche die Klarheit des Innenraums besonders gut. „Die Besonderheit ist nicht die Ausstattung, sondern die Struktur der Raums“, erklärt sie, „die Bänke sind zwar einerseits frontal ausgerichtet, stehen aber anderseits leicht schräg zueinander. Das sorgt für ein sehr lebendiges Innenleben – es ist das sprichwörtliche Schiff, das Gemeinde heißt.“

Das maritime Thema zieht sich nicht nur durch Architektur und Bildsprache, sondern findet sich auch in dem Votivschiff, das von der Decke herabhängt: Mit seiner jungen Geschichte beherbergt St. Thomas auch das jüngste „Kirchenschiff“. 1991 hat der Hamburger Kapitän Uwe Hoffmann nach den Originalplänen ein Modell des Raddampfers „Cobra“ angefertigt und der Gemeinde geschenkt. Es erzählt die Anfangsgeschichte des Ortes Hörnum, als am 1. Juli 1901 die „Cobra“ die neue Seebäderpassage von Hamburg über Helgoland an die damals noch siedlungsleere Sylter Südspitze eröffnete.

Am 14. Januar 1997 wurde St. Thomas durch das Schleswig-Holsteinische Landesamt für Denkmalpflege als jüngste Kirche des Landes unter Denkmalschutz gestellt.



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