Verkehrspolitik auf Sylt : „Das ist unmöglich“

Reger Lieferverkehr herrschte gestern Vormittag in der Friedrichstraße.
Reger Lieferverkehr herrschte gestern Vormittag in der Friedrichstraße.

Gemeinde stellt Lieferzeiten in der Fußgängerzone zur Diskussion / Betriebe und Lieferanten wehren sich gegen eine Einschränkung

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26. Januar 2018, 21:03 Uhr

Will die Gemeinde Sylt den Lieferverkehr in der Innenstadt zeitlich einschränken? Der Verein der Sylter Unternehmer (SU) ist auf der Zinne, seit das Rathaus die Parkraum-Umfrage online gestellt hat. Und da lautet die letzte Frage: „Soll die Lieferzeit in der Innenstadt künftig auf den Vormittag, dafür aber eine Stunde länger – bis 11 Uhr, beschränkt werden?“ Bei einem Gespräch im Juli letzten Jahres hieß es noch, dass die alte Regelung beibehalten wird, sagt SU-Geschäftsführer Ronald Glauth.

„Wir machen eine Umfrage als Grundlage einer Meinungsbildung“, hält Bürgermeister Nikolas Häckel dem entgegen. „Wenn wir Bestehendes nicht in Frage stellen, kann es keine Entwicklung geben.“ Die Auswertung nach dem 18. Februar werde zeigen, wie sich Fußgänger, Radfahrer, Anlieger, Gewerbetreibende, Lieferanten etc. zu den Fragen äußern.“ Wie sich die Politik dann entscheidet, werde die Diskussion zeigen.

Bislang dürfen Lastwagen und Sprinter täglich von 7 Uhr bis 10 Uhr und nachmittags von 15 Uhr bis 16.30 Uhr die Geschäfte in der Friedrichstraße und der Strandstraße beliefern. Aufgekommen war das Thema im letzten Sommer, als Bürgermeister Nikolas Häckel das Fahrradfahren in der Fußgängerzone freigeben wollte. „Wie wollen wir denn argumentieren, dass Autos in der Lieferzeit fahren dürfen und Radler nicht?“, sagte der Verwaltungschef damals in einem Interview.

Ein Aufschrei der Empörung sorgte dafür, dass das Radfahren in der Fußgängerzone vom Tisch ist und im Parkraumkonzept nicht mehr auftaucht. Doch nun steht der nachmittägliche Lieferverkehr auf dem Prüfstand. „Wir vom Verein Sylter Unternehmer haben uns bereits vor Monaten für eine Beibehaltung der nachmittäglichen Anlieferungsmöglichkeit ausgesprochen“, sagt SU-Geschäftsführer Ronald Glauth. „Wir halten diese für dringend erforderlich und konnten mit unseren Argumenten in der Gesprächsrunde am 26. Juli Vertreter von Verwaltung und Politik überzeugen.“ – „Uns wurde quasi in die Hand versprochen, dass an der Regelung nichts geändert wird“, erinnert sich auch Kirsten Vahl-Voß.

Das Familienunternehmen Voß ist gleich mit vier Betrieben in der Fußgängerzone vertreten – dem Buchhaus, dem Kiosk und dem Hotel Gutenberg in der Friedrichstraße sowie Tabak und Papier in der Strandstraße. „Die Lieferung am Nachmittag ist absolut wichtig und unabdingbar“, sagt Kirsten Vahl-Voß. Eine Erweiterung bis 11 Uhr müsse nicht sein, dann herrsche schon zu viel Fußgängerverkehr. Aber an der nachmittäglichen Lieferung führe kein Weg vorbei. Viele Gastronomen seien am Vormittag noch gar nicht im Betrieb – „denen kann man die Ware ja nicht vor die Tür stellen.“ Die aktuelle Regelung sei „seit Jahrzehnten eingefahren – warum sollte das geändert werden?“

„Wir haben jetzt schon arge Schwierigkeiten, in der vorgegebenen Zeit alles zu erledigen“, sagt Stephan Bahr von Getränke-Möller. Die Geschäfte, Hotels und Restaurants in der Friedrichstraße und der Strandstraße hätten nur begrenzten Lagerraum, eine Just-in-Time-Belieferung sei deshalb unverzichtbar. Allein die Gastronomie werde von zehn Lieferanten mit Lebensmitteln versorgt, hinzu kommen noch die zahllosen Lieferanten der Einzelhändler. „Das soll alles am Vormittag abgewickelt werden?“, fragt Stephan Bahr. „Das ist unmöglich.“

Der Verein der Sylter Unternehmer hat seine Betriebe aufgerufen, sich an der Umfrage zu beteiligen. Bis zum 18. Februar steht die Umfrage online.

Kurzlink zur Umfrage: bit.ly/2n4tgIn

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