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Flüchtlinge auf Sylt : „Das ist mein erstes Weihnachten“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bei Gänsebraten oder mit Tanzmusik: So feiern Asylbewerber auf der Insel den heutigen Heiligabend

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 18:00 Uhr

Während heute Abend Sylter in allen Inselorten Weihnachten innerhalb ihrer Familie feiern, sind etwa 190 Flüchtlinge auf der Insel weit weg von ihrer Heimat und auch von ihren Angehörigen. Doch das christliche Fest der Nächstenliebe inspiriert viele Insulaner, den Neuankömmlingen auf der Insel einen schönen Abend zu bereiten.

„Das wird das erste Weihnachtsfest meines Lebens“, sagt Rasha Bamatraf aus dem Jemen, „denn da, wo ich herkomme, leben fast ausschließlich Moslems, Christen gibt es eigentlich gar nicht.“ Sie freut sich auf den Abend, den sie zusammen mit sieben weiteren Flüchtlingen in den Räumen der Sprachschule der Integrationshilfe Sylt verbringen wird.

Claudia Hoffmann, die sich selbst das „Mädchen für alles“ in der Integrationshilfe nennt, wird eine Gans mit Rotkohl und Klößen für acht Flüchtlinge zubereiten, die heute bei ihr zu Gast sind. „Ich werde noch ein paar Spiele mitbringen und dann werden wir uns nett zusammensetzen, gut essen und vielleicht ein bisschen spielen“, sagt Hoffmann. Sogar alkoholfreien Rotwein habe sie für diesen Anlass besorgt. Im Sommer ist sie hauptberuflich Strandkorbwärterin, im Winter ist sie voll und ganz für die Flüchtlinge in der Integrationshilfe da.

Die 28-jährige Rasha ist glücklich, diesen Anschluss auf der Insel gefunden zu haben. „Es ist toll, dass ich eingeladen bin und so auch einmal die Möglichkeit habe, Weihnachten zu feiern“, sagt sie glücklich. Und auch Hussam Alamat aus Syrien kann sich vorstellen, am Abend des 24. in die Sprachschule zu kommen. Für den 20-jährigen Moslem wird es allerdings nicht das erste Weihnachtsfest: „Ich hatte in meiner Heimat einige Christen als Freunde, die mich zu Weihnachten eingeladen haben“, sagt er, „allerdings war das dann nicht am 24. , sondern am 25. Dezember.“

Salih Shekhan aus Afghanistan wird zusammen mit seinen Arbeitskollegen und Freunden Weihnachten feiern. „Normalerweise haben wir kein Weihnachten“, erzählt er, „aber da wir jetzt hier sind, feiern wir natürlich auch“. Er freue sich, dass es für einige Sylter selbstverständlich sei, ihn einzuladen.

Einer der insularen Gastgeber ist Dr. Thorwald Ahlborn aus Kampen. Für sein Weihnachtsfest hat der Sylter Mediziner zwei Flüchtlinge an Heiligabend zu sich und seiner Familie zum Essen eingeladen. „Den einen kenne ich bereits länger“, erzählt er, „er kommt aus Afghanistan und ist vor den Taliban geflohen.“ Ein wenig unsicher sei er dennoch: „Die zwei kommen ja aus einem ganz anderen Kulturkreis“, so Ahlborn, „da weiß man nicht so genau, wie man ihnen eine Freude machen kann.“ Dennoch werde das ein ganz besonderer Abend – „mit ganz besonderen Menschen“.

Um allen Afrikanern auf der Insel ein schönes Weihnachtsfest zu bereiten, veranstaltet Ambroise Gaglo von 16 bis 23 Uhr in der Aula der Grundschule St. Nicolai zum ersten Mal eine große Weihnachtsparty. „Es wird kein öffentliches Fest. Ich habe alle Afrikaner herzlich eingeladen, sie dürfen auch ihre deutschen Freunde mitbringen, wenn sie wollen“, sagt Gaglo, der seit 1995 auf Sylt lebt. „Wir werden Musik machen, tanzen und uns freuen“, verspricht Gaglo, „außerdem bringt jeder etwas zu trinken mit und es gibt Fingerfood.“

Mit der Weihnachtsparty möchte der gebürtige Togoer nicht nur die Afrikaner ansprechen, die schon länger auf Sylt leben, sondern richtet sich auch ganz speziell an die Flüchtlinge. „Ich möchte ihnen ein bisschen Hoffnung machen“, sagt er, „Ich lebe bereits lange hier auf Sylt und habe es geschafft. Daher möchte ich auch anderen Afrikanern vermitteln, dass es möglich ist“, sagt er, „dabei ist es egal, ob sie aus Ghana, Togo, Nigeria, Somalia oder Eritrea kommen und welche Religion sie haben“. Gaglo möchte ihnen vor allem bei der Integration behilflich sein: „Ich habe viele deutsche Freunde, die man ansprechen kann“, sagt er, „außerdem kenne ich mich hier gut aus und weiß, wie man sich in Deutschland verhalten muss, kenne die Rechte und Pflichten und kann helfen, diese zu lernen.“

Wenn der Abend gut läuft, überlegen Gaglo und seine afrikansichen Freunde, die „African Nordfriesland Community“ zu gründen. „Das soll keine direkte Flüchtlingshilfe sein“, so Gaglo, „wir wollen aber alle Afrikaner auf der Insel zusammentrommeln und gucken, wie es für sie in Deutschland und auf Sylt weitergehen kann.“

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