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Sylter Rundschau

12. Dezember 2017 | 12:04 Uhr

Reingebaut : "Das ist legaler Wahnsinn"

vom

Am Ende des Reimert-Hansen-Wegs in Kampen wird gerade ein Doppelhaus mit Tiefgarage fertig gestellt. Ganz legal auf einem Heidegrundstück.

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2008 | 07:02 Uhr

Kampen | "In Kampen wird, von der Öffentlichkeit unbemerkt, laufend ganz legal Naturraum zerstört."

Das aktuellste Beispiel, das Dr. Roland Klockenhoff, Vorsitzender der Sylter Naturschutzgemeinschaft, kritisiert, ist ein fast fertiges Doppelhaus, das auf einem Grundstück am Ende des Reimert-Hansen-Wegs, östlich der alten Inselbahn-Trasse in die Heide gebaut wurde.

Von der Öffentlichkeit unbemerkt passierte das allerdings nicht: An der Trasse, dem Radweg nach List, bleiben immer mal wieder Passanten vor dem Neubau stehen. Manche zücken Kameras um festzuhalten, wie Gärtner einen Pflasterweg durch die Heide legen und dafür auf einer Länge von etwa 100 Metern Heide aus dem Boden gestochen haben. "Wer genehmigt so etwas bloß", fragt eine Urlauberin ihre Mitreisenden. Die schütteln schulterzuckend die Köpfe.
Fest steht: Der Bau ist legal

Fest steht, der Bau des Hamburger Projektentwicklers Wolf-Peter Schneider ist legal. Laut Kreis liegt eine Baugenehmigung aus dem Februar 2007 vor, die mit Naturschutz-Auflagen verbunden ist. Und gegen mindestens eine davon sei verstoßen worden: Am Dienstag begutachtete ein Mitarbeiter der Husumer Bauaufsichtsbehörde das Grundstück und monierte dabei unter anderem einen fehlenden Bauzaun. Der ist vorgeschrieben, um Eingriffe in die nicht zu bebauende Natur (wie das Lagern von Baumaterial auf der Heide) zu vermeiden: "Außerdem gibt es", so heißt es bei der Behörde, "Zweifel daran, dass die Vorgaben zur Gestaltung der Außenflächen eingehalten wurden."
Glücklich mit dem Neubau ist man in Kampen nicht

Projektentwickler Schneider wundert sich über diese Vorwürfe: "Ich bin der Meinung, dass alles legal ist." Und auch einen Bauzaun hätte es gegeben, er sei aber vor wenigen Wochen entfernt worden, weil eines der beiden Häuser vor 14 Tagen übergeben und auch schon bezogen wurde.

Glücklich scheint man in Kampen mit dem klotzigen Neubau nicht zu sein: Schließlich habe an seiner Stelle vorher nur ein ganz kleines Häuschen gestanden. Gleichzeitig weist der Kreis darauf hin, dass es durchaus im Ermessen einer Gemeinde liegt, B-Pläne zu ändern und so beispielsweise Heideflächen zu schützen.
Ausgleichszahlungen kommen künftig der Insel zugute

Kampens Bürgermeister Harro Johannsen sagt: "Der Bauantrag stimmte mit den Festsetzungen des Bebauungsplans überein und für in Anspruch genommene Heideflächen muss der Bauherr Ausgleichszahlungen leisten. Immerhin haben wir über den Landschaftszweckverband geregelt, dass diese künftig für Naturschutzmaßnahmen auf der Insel und nicht mehr auf dem Festland eingesetzt werden."

Für Klockenhoff ist das alles "legaler Wahnsinn" und die Ausgleichszahlungen hält er für "Ablasshandel." Wie hoch dieser Ablass jeweils ausfällt, legt die Naturschutzbehörde fest.

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