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"Das ist eine Katastrophe für die Gemeinde"

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Nach nur elf Jahren ist die Bensmann-Orgel in der Lister St. Jürgen-Kirche kaputt gegangen

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 03:59 Uhr

List | "Das ist eine absolute Katastrophe für unsere Gemeinde", sagt Pastorin Petra Hansen und blickt resigniert auf die gerade mal elf Jahre alte Bensmann-Orgel. Mit großem Aufwand wurde diese für die St. Jürgen-Kirche in List angeschafft. Jetzt ist sie kaputt. Schon seit vier Wochen werden die Gottesdienste in St. Jürgen mit einer kleinen digitalen Orgel bestritten. Kurz vor der Konfirmationsfeier Ende April bemerkte Organist Hans Borstelmann das Problem zum ersten Mal. "Die Orgel gab seltsame Pfeiftöne von sich. Am Anfang haben wir uns dabei nichts gedacht", erzählt Hansen. "Aber als dann der Orgelbauer zum jährlichen Stimmen kam, stellte sich heraus, dass es sich um einen größeren Schaden handelt." Trocknungsschaden lautet die Diagnose eines ersten Gutachters. Das Holz der Lade, also der Teil der Orgel, in dem die Pfeifen hängen, ist durch zu große Trockenheit gerissen. "Durch den trockenen Winter und die schlechte Isolation von Fenstern und Dach ist die Wärme der Heizung gleich nach oben gestiegen und hat das Holz ausgetrocknet", vermutet Kirchenvorstandsmitglied Norbert Meyer-Hartmann.

Das Ergebnis ist auf jeden Fall, dass die Luft, die den Ton in den Pfeifen erzeugt, durch die Risse entweicht. "Das Problem liegt tief innen drin. Deshalb muss die komplette Orgel auseinander gebaut werden", erklärt Petra Hansen. Die Reparatur ist also sehr aufwendig - und sehr teuer. Auf die Gemeinde kommen Kosten in fünfstelliger Höhe zu. Dazu kommen unter Umständen noch Maßnahmen zur besseren Isolation der Kirche. Wie das alles bezahlt werden sollen, weiß Petra Hansen auch noch nicht so genau. "Bei unserem Haushalt ist das nicht so einfach. Wir sind ja ohnehin nur eine sehr kleine Gemeinde mit rund 800 Mitgliedern und haben deshalb ein niedriges Kirchensteueraufkommen", erklärt sie. Gerade noch hat die Gemeinde viel Geld in eine Renovierung des Pastorats investiert. "Es konnte ja keiner damit rechnen, dass die Orgel so schnell kaputt gehen würde."

Verschiedene Aktionen zur Finanzierung der Reparatur hat sich Petra Hansen schon einfallen lassen. Am 11. August soll es einen Flohmartk geben, außerdem will Hansen einen Schönheitstag mit Farbberatung für Frauen anbieten, die Kollekte einsetzen und bei den Rotariern um Hilfe bitten. "Aber das ist letztlich alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wir kommen nicht darum herum, einen Kredit aufzunehmen."

Die endgültige Summe wird erst später feststehen. Zunächst gibt der Orgelbauer seinen Kostenvoranschlag ab und der Schaden wird vom Orgelsachverständigen der Nordkirche sowie von einem Klima- und Bausachverständigen unter die Lupe genommen. "Wir hoffen, dass die Gutachten noch vor den Sommerferien abgeschlossen werden können", sagt Petra Hansen. Sie glaubt jedenfalls nicht daran, dass die Bensamann-Orgel noch in diesem Jahr wieder einsatzfähig ist. Reine Orgelkonzerte fallen deshalb in diesem Jahr aus.

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