Sylter Jahresrückblick : Das Insel-Jahr 2014 von Januar bis Juni

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Brände, Konzerte und eine tanzende Insel – im ersten Teil des Jahres 2014 war auf Sylt Einiges los .

Julia Lund von
30. Dezember 2014, 05:52 Uhr

Es war ein aufregendes Jahr für die Insel: In einem zweiteiligen Jahresrückblick haben wir die wichtigsten Sylt-Ereignisse im Jahr 2014 zusammengefasst. In dieser Ausgabe finden Sie die Monate Januar bis Juni, in der morgigen Ausgabe folgen Juli bis Dezember.

Januar

Gleich zwei Brände im Hotel Miramar sorgten in der Silvesternacht für einen Ausnahmezustand in dem Fünf-Sterne-Hotel in der Friedrichstraße. Kurz nach 21 Uhr brach das erste Feuer aus, das zweite gegen halb vier, 120 Gäste mussten evakuiert werden. Die Ursachen für beide Brände blieben unbekannt, Brandstiftung konnte bis heute nicht ausgeschlossen werden. Das Miramar musste bis Ende März geschlossen bleiben.

Bereits 2008 wurden die ersten Planungen erwogen, jetzt war es vollbracht: Die Kirchengemeinde Keitum feierte die Wiedereröffnung des Pastorats, das seit dem Feburar 2012 von Grund auf saniert worden war.

Ein Jubiläum gab es mitt Januar zu feiern: Vor zehn Jahren rief die Tanz- und Ballettpädagogin Jeanne Dreessen ihre „Tanzklasse.Sylt“ ins Leben und unterrichtet seitdem Kinder und Jugendliche in klassischem Ballett, Spitzentanz, Charaktertanz, Modern und Contemporary Dance. Bei der Jubiläumsveranstaltung zeigten ihre Schüler im Alten Kursaal ihr ganzes Können und begeisterten das Publikum.

Februar

Traurige Neuigkeiten erhielten die Mütter und Väter der Schüler des Morsumer Primarhauses: Auf einem Elternabend wurde ihnen das endgültige Aus der Grundschule verkündet. Nach einer vierjährigen Experimentierphase stand fest, dass eine Stabilisierung oder sogar Erhöhung der Schülerzahlen in der Grundschule nicht erreicht werden konnte, hieß es aus dem Ministerium. Ab dem Sommer hätten nur noch 19 Schüler das Primarhaus besucht - das wären zu wenige gewesen, um mit der entsprechenden Personalzuweisung guten Unterricht leisten zu können. Die Eltern reagierten mit Trauer, Wut und Aggressionen auf die Nachricht. Nun wollen die Kommunalpolitiker das Beste aus dem Status quo machen: Auf und neben dem Areal der Schule soll nach ihrem Willen Wohnraum für Sylter entstehen.

Gute Nachrichten konnten die Gegner des geplanten Edelbordells in der Strandstraße an diesem Tag in der Sylter Rundschau lesen: Der Pressesprecher des Großbordell-Besitzers Jürgen Rudloff teilte mit, im Appartementhaus Strandburg doch kein Bordell einrichten zu wollen. Bis zum Ende des Jahres blieb es ruhig um Rudloff und Co. Nun aber streiten sich die Besitzer der Strandburg mit den Bordellbetreibern gerichtlich über die Erfüllung des Pachtvertrags.

Im Rahmen seines Kunstprojekts „Strandgut“ verbrachte der Künstler Georg-Friedrich Wolf eine Woche am Wenningstedter Strand. Tag und Nacht. Begleitet von einem Kamerateam hat der Künstler auf Höhe des Restaurants Wonnemeyer ein neues Kunstwerk gefertigt und schlief in einem Zelt am Strand.

März

Gleich zu Beginn des Monats schwappte die „Happy“-Welle nach Sylt und viele Insulaner beteiligten sich an der Aktion, ein Musikvideo zu dem beliebten Lied „Happy“ von Pharell Williams aufzunehmen. Organisiert wurde die Tanzaktion über Facebook: In der Gruppe „Happy Sylt“ planten die Insulaner, um viele schöne Sylt-Tanz-Sequenzen zusammenzubekommen. Am 6. März wurde von gedreht und überall hüpften, tanzten, klatschten und lachten die Menschen auf Sylt für die Kamera.

Im März begannen die Arbeiten am Windpark Butendiek, rund 30 Kilometer vor der Sylter Westküste. Ab 2015 sollen dort laut Betreiber 80 Windkraftanlagen, die 150 Meter über den Meeresspiegel aufragen, Strom für 360 000 Haushalte produzieren. Die Pläne zur Errichtung des Windparks Butendiek hatten jahrelang für Kritik gesorgt: Die Anti-Butendiek-Gruppe „Gegenwind“ und der Naturschutzbund befürchten Auswirkungen auf Schweinswale und Vögel.

Die Eröffnung der Ausstellung „Theodor Möller. Sylt in alten Photographien“ im Sylter Heimatmuseum war ein Kunsthighlight im diesjährigen Frühjahr. 85 Sylt-Fotografien zeigten Bilder, die der Fotograf und Heimatforscher Theodor Claus Heinrich Möller 1908 bis 1937 auf der Insel geschossen hat.

Beim 26. Henner-Krogh-Förderpreis gewann mit nur einem Punkt Vorsprung das Duo Nepahama, bestehend aus Nele Paulina Lunk (16) und Hanna Maria Huß (14) den Talentwettbewerb. Die Mädchen zogen die Jury, die unter anderem aus Johannes Oerding und sowie das Publikum mit drei Coverversionen, unter anderem „Just give me a reason“ von Pink, in ihren Bann.

April

Die Umlagerung der Tetrapoden von April bis Anfang Juni diesen Jahres sorgte für allerlei Aufsehen auf den Straßen von Sylt. Die Betonkolosse wurden von Wenningstedt nach Hörnum umgelagert, um das dortige Längswerk zu verlängern. Für die Überführung waren zwei LKW und ein Trecker im Einsatz, die die 2,5 Tonnen schweren Riesen transportierten.

Gleich zu Beginn des Aprils spaltete ein Mann die Insel in zwei Lager: Michael Wendler. Wochenlang suchte er nach einer Location auf der Insel, um ein Konzert zu geben. Viele Sylter waren nicht begeistern, nicht nur, weil sein Lied „Unser Zelt auf Westerland“ einen fragwürdigen grammatikalischen Fehler beinhaltet. Aus dem geplanten „spektakulären Campingfest“ wurde schließlich eine kurze regnerische Show auf dem Westerländer Campingplatz: Nach einer knappen Stunde tauchte die Sylter Polizei auf. Anwohner hatten sich über die laute Musik beschwert.

Am Karfreitag ereignete sich ein tragischer Unfall: Ein Mann war am Bahnübergang Ingewai von einem Zug erfasst und getötet worden. Der Jogger aus Nordrhein-Westfalen hatte gegen 8.30 Uhr den herannahenden Zug der Nord-Ostsee-Bahn zu spät gesehen. Ein Zeuge sagte aus, der Mann habe Kopfhörer getragen und die geschlossenen Schranken umlaufen.

Ende April wurde das Muasem-Hüs nach einer umfassenden sechsmonatigen Umbauphase wieder eröffnet. Von den Morsumern wurde die Wiederbelebung des Kurhauses sehnlichst erwartet, auch weil Morsum so wieder einen Einkaufsladen hat.

Mai

Gleich am ersten Wochenende im Wonnemonat gab es ein großes musikalisches Fest auf der Insel: Der Westerländer Musikverein feierte 125-jähriges Bestehen. Vom klangvollen Frühschoppen bis zum bunten Abend mit vielen musikalischen Gästen reichte das Programm, das durch einen festlichen Kommers gekrönt wurde.

Ein Naturschauspiel ganz besonderer Art erlebten nächtliche Strandspaziergänger rund um den 25. Mai: In den Nächten veränderte das Meeresleuchten die Nordsee vor Sylt in einen magisch wirkenden Ort. Das Schauspiel, das immer wieder für Begeisterung sorgt, kann nicht vorhergesagt werden und war in diesem Jahr früh dran: Normalerweise tritt das Phänomen eher im Hochsommer auf.

Juni

27 Personen wurden verletzt – das war die Bilanz des Schiffsunfalls im Hafen von Amrum Anfang Juni. Die Adler „Express“ war von Hörnum über Hallig Hooge nach Wittdün unterwegs. Durch einen Defekt war das 42 Meter lange Schiff manövrierunfähig gewesen, der Kapitän konnte es nicht bremsen und es prallte mit einer Geschwindigkeit von sechs bis sieben Knoten gegen den Amrumer Anlieger.

Mit dem Anpfiff zur Fussball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien wurde auch die Insel in ein Schwarz-Rot-Goldenes Farbenmeer getaucht. Bei den Public-Viewing-Möglichkeiten in den einzelnen Inselorten wurde die Deutsche Nationalmannschaft angefeuert. Das Ergebnis ist wohlbekannt: Wir sind Weltmeister.

In der Nacht vom 21. zum 22. Juni brannte es in Rantum lichterloh: Ein Feuer vernichtete ein neues mit Reet gedecktes Doppelhaus in Rantum. Insgesamt waren 60 Einsatzkräfte am Brandort. Wie verheerend die Folgen sind, zeigt die Ruine des Rantumer Hauses. „Totalschaden“ heißt die nüchterne Feststellung der Sylter Kriminalpolizei. Es entstand ein Schaden in sechsstelliger Höhe. Wie es zu dem Feuer kam, konnte abschließend nie geklärt werden. Eine Brandstiftung konnte nicht ausgeschlossen werden.

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