Entscheidung vor Gericht : Das Ende der Vorwürfe

„Ich bin rehabilitiert“: Die ehemalige Hörnumer Kurdirektorin Finja Fröhlich.
„Ich bin rehabilitiert“: Die ehemalige Hörnumer Kurdirektorin Finja Fröhlich.

Klage der ehemaligen Kurdirektorin Finja Fröhlich gegen die Gemeinde Hörnum endet mit einem Vergleich

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01. Juni 2018, 04:37 Uhr

Das Kapitel Finja Fröhlich beim Hörnumer Tourismusservice ist abgeschlossen. Das Verfahren vor dem Kieler Landesarbeitsgericht endete am Mittwoch nach dreistündiger Verhandlung mit einem Vergleich. Die ehemalige Kurdirektorin hatte gegen die Gemeinde Hörnum auf Wiedereinstellung geklagt. Am Ende standen für sie eine Abfindung in fünfstelliger Höhe und die beidseitige Zusicherung, die Vorwürfe der Vergangenheit ruhen zu lassen.

Am 1. April 2015 hatte die Flensburgerin den Posten als Betriebsleiterin des Tourismusservice Hörnum (TSH) angetreten. Die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Rolf Speth, der gleichzeitig ihr Dienstvorgesetzter und ihr Stellvertreter war, stand aber unter keinem guten Stern. Zum 1. April 2017 wurde ihr von der Gemeinde gekündigt. Dagegen hatte die 47-Jährige Kündigungsschutzklage eingereicht, die aber im Oktober vom Husumer Arbeitsgericht abgewiesen wurde. Dort hatte Richter Christian Hill den Prozessparteien eine einvernehmliche Trennungsvereinbarung und eine Abfindung für Frau Fröhlich in Höhe von bis zu 6000 Euro vorgeschlagen. Das lehnte die Klägerin ab und legte Berufung ein: „Es geht mir nicht um Geld, es geht mir um Gerechtigkeit und Rehabilitation“, sagte sie im Oktober. Am Mittwoch verhandelte die zweite Instanz den Fall – die dritte Kammer des Landesarbeitsgerichts Kiel.

„Die beiden Parteien haben sich gütlich geeinigt“, berichtete die Vorsitzende Richterin, Landesarbeitsgerichtspräsidentin Marlies Heimann gestern unserer Zeitung. Ein Urteil sei zwar nicht gefällt worden, doch die Kieler Kammer sei teilweise zu einer anderen Sichtweise gekommen als die Husumer Kollegen.

Im Kern ging es dabei um die Frage, ob die Hörnumer TSH-Betriebsleitung eine leitende Angestellte ist und der Arbeitgeber ihr kurzerhand kündigen kann, wenn das Vertrauensverhältnis gestört ist. Die Kieler Richterin habe angezweifelt, dass Finja Fröhlich in Hörnum frei schalten und walten konnte, hieß es von Beobachtern der öffentlichen Sitzung.

Die gütliche Einigung sieht unter anderem vor, dass die ehemalige Betriebsleiterin ein halbes Jahr weiter beschäftigt werden musste und ihr daher bis Ende September 2017 das Gehalt zusteht. Darüber hinaus seien sich beide Parteien bei der Höhe der Abfindung entgegen gekommen, erklärte Richterin Heimann. Und Klägerin und Gemeinde hätten erklärt, auf wechselseitige Vorwürfe künftig zu verzichten. „Beide Seiten müssen zur Ruhe kommen und nach vorne schauen“, erklärte die Kammervorsitzende.

Finja Fröhlich äußerte sich unserer Zeitung gegenüber zufrieden mit dem Ausgang: „Ich bin rehabilitiert.“ Damit gehe für sie eine schwere Zeit zu ende. Ihre Forderung nach Wiedereinstellung sei abgelehnt worden, weil das Gericht eine weitere Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister Rolf Speth und ihr für ausgeschlossen hält. Mit der sechsmonatigen Verlängerung ihrer Beschäftigungszeit und der Abfindung sei sie jedoch sehr zufrieden. Der Vergleich sähe zudem vor, dass die Gemeinde auf die Rückzahlung von Überstunden verzichtet und ihr ein ordentliches Arbeitszeugnis ausgestellt wird. In einem öffentlichen Betrieb wolle sie voraussichtlich aber nicht wieder arbeiten. Sie werde künftig eine kaufmännische Funktion auf der Insel ausüben.

„Wir freuen uns, dass Frau Fröhlich in der zweiten Instanz Gerechtigkeit widerfahren ist“, kommentierte der Hörnumer CDU-Fraktionsvorsitzende Ingo Dehn die Kieler Entscheidung. „Wir als CDU haben immer gesagt, dass die Kündigungsgründe konstruiert waren, um eine missliebige Mitarbeiterin loszuwerden.“ Dehn befürchtet, dass der Gemeinde Hörnum dadurch nicht nur ein enormer finanzieller Schaden entstanden sei, sondern auch ein Imageschaden. „Den haben allein Herr Speth, seine AWGH und die Inselverwaltung in Westerland zu verantworten.“ Ingo Dehns Vorschlag: „Herr Speth und Herr Häckel sollten sich öffentlich bei Frau Fröhlich entschuldigen. Sie haben ihr massiv geschadet.“

„Für mich ist der Ausgang nicht ganz zufriedenstellend“, befand Bürgermeister Rolf Speth. „Auf jeden Fall ist die Zusammenarbeit beendet – das ist für mich das Wichtigste. Frau Fröhlich ist raus, die Kuh ist vom Eis.“ Die Kosten des Verfahrens würden zu 60 Prozent von der Gemeinde und zu 40 Prozent von der Klägerin übernommen.

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