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„Das einzige, was sich nie ändert, ist das Ziel“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Deutschland-Wanderer Andreas Eller (45) nach acht Wochen am Ziel in List: Ein Interview über landschaftliche Reize, Tipps für Langstreckenwanderer und das Wandern mit Hund

Nach fast 1 500 Kilometern und acht Wochen haben Andreas Eller und Tinka am Montagnachmittag ihr Ziel erreicht: Wie geplant hat der gelernte Architekt und professionelle Vortragsreferent mit seiner Mischlingshündin am 21. Oktober ihre am 26. August in Oberstdorf begonnene Tour quer durch Deutschland am Lister Ellenbogen beendet. Mit dem Blick vom nördlichsten Punkt Deutschlands auf die Nordsee endete für Herr und Hund die Wanderung, aus der der Schwabe jetzt einen Multimedia-Vortrag machen und damit erneut auf Tour gehen wird.

Willkommen am nördlichsten Punkt Deutschlands: Was überwiegt bei Ihnen, die Freude, am Ziel zu sein, oder die Wehmut, dass die Reise zu Ende ist?

Natürlich die Freude, es geschafft zu haben. Ein bisschen Wehmut ist auch dabei, aber im Moment genieße ich das Gefühl am Ziel zu sein. Wobei es ja weitergeht. Jetzt gilt es den Vortrag über die Tour zu erarbeiten und den Leuten darüber zu erzählen. Das ist genauso spannend wie die Wanderung selbst. Immer unterwegs zu sein, wäre auch für mich nichts.

Was sind die prägendsten Erfahrungen der letzten zwei Monate für Sie?

Das sind die vielen Kleinigkeiten, die das Ganze ergeben. Es gibt nicht das eine Highlight, das alles übertrifft. Fast jeden Tag gab es nette Erlebnisse so wie heute, als mich auf der Kurpromenade in Westerland ein Ehepaar ansprach, das mich schon in Kassel getroffen hatte. Dazu kommen die landschaftlichen Eindrücke. Obwohl ich eher der Berg- und Wald-Typ bin, hat mich Sylt positiv überrascht. Teilweise erinnert es mich in seiner Kargheit sogar ein bisschen an Sardinien.

Was war für Sie denn landschaftlich die schönste Region auf der Wanderung?

Ach, das ist schwierig. Ich war sehr angetan vom Weser-Radweg und den Flusslandschaften. Und dann ist Schleswig-Holstein für mich zwar kein völliges Neuland, aber etwas nicht alltägliches und darum ein sehr reizvoller Höhepunkt zum Abschluss der Tour.

Wie anstrengend ist so eine Wanderung mit täglich rund 30 Kilometern körperlich?

Man ist zwar nicht jeden Tag körperlich fix und fertig, aber man merkt es abends schon.

Welche Tipps würden Sie jemandem geben, der Ihnen nacheifern möchte? Wie sollte er sich vorbereiten?

Das wichtigste ist die mentale Vorbereitung, die Auseinandersetzung mit dem Ziel und darauf zuzuarbeiten. Damit meine ich nicht die genaue Festlegung der Etappen – da kommt es sowieso ganz anders als man plant. Was sich aber nie ändert, ist das Ziel. Körperlich sollte man über eine gute Grund-Fitness verfügen, muss aber nicht extra trainieren. Ich habe im Sommer ein paar Bergtouren gemacht und bin jeden Tag mit Tinka unterwegs. Wer regelmäßig mit seinem Hund läuft, schafft auch so eine Tour.

Erleichtert es so eine Langstrecken-Wanderung, wenn man einen Hund dabei hat, oder erschwert es sie?

Man muss sich natürlich um den Hund kümmern, ihn versorgen, auf ihn aufpassen. Aber das ist eine lohnende Aufgabe, weil einem der Hund viel gibt. Man ist nie alleine, ob beim Laufen oder abends auf dem Zimmer, dafür nimmt man die Verantwortung gerne auf sich. Ich habe Tinka zum Beispiel immer an der Leine gehabt, weil sie einen ausgeprägten Jagdtrieb hat und wir ja meist in der Nähe von Straßen gelaufen sind. Sie kommt zwar immer wieder, aber es macht keinen Spaß, stundenlang den Hund zu suchen.

Tinka ist ja erst eineinhalb Jahre alt, wie anstrengend war die Tour für sie?

Für sie war das keine Schwierigkeit, aber ich habe den Start auch zweimal verschoben, bis sie so alt war, dass der Tierarzt grünes Licht gegeben hat. Das Laufen ist für Tinka überhaupt kein Problem, aber wenn sie dann erstmal schläft, weckt sie auch so schnell nichts auf.

Sind Sie eher der Typ, der unterwegs den Kontakt zu anderen Menschen sucht, oder haben Sie lieber ihre Ruhe?

Ich bin ganz gerne alleine, habe aber nichts dagegen, von netten Menschen angesprochen zu werden. Ich könnte mir aber nicht vorstellen, eine so lange Tour mit jemand anderem an meiner Seite zu machen. Da würde es sogar mit dem besten Freund irgendwann Spannungen geben. Da ist ein Hund definitiv besser. Froh bin ich allerdings, dass mich meine Frau viermal unterwegs besucht hat.

Hat so eine Wanderung für Sie auch etwas meditatives?

Natürlich. Auf fast 1 500 Kilometern gibt es ja auch viele eher langweile Strecken. Hier auf Sylt ist das Auge immer am Arbeiten, aber wenn man zehn Kilometer neben einer Bundesstraße läuft, kommt man in einen Trott, bei dem man manchmal an gar nichts mehr denkt.

Denkt man in solchen Phasen auch mal: Warum mache ich den Quatsch eigentlich?

Nee, wenn ich es als Quatsch empfände, würde ich es nicht machen. Über so etwas würde ich unterwegs sowieso nicht nachdenken, eher abends im Bett. Beim Laufen kann ich das Gehirn wunderbar abschalten.

Gibt es eine Kern-Aussage, eine Botschaft, die Sie mit Ihrem Vortrag über diese Tour verbinden werden?

Ich will niemanden zum Wandern bekehren, sondern einfach über diese acht Wochen erzählen, mit schönen Fotos, kurzen Videos und vielen netten Erlebnissen. Da ich auf dem Weg so viel positive Resonanz – auch von den Medien – bekommen habe, habe ich überlegt, im nächsten Jahr die Tour nochmal zu machen. Dann aber im Auto und mit dem Vortrag im Gepäck.

Infos unter www.andreaseller.de

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erstellt am 23.Okt.2013 | 00:31 Uhr

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