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Sylter Rundschau

13. Dezember 2017 | 01:07 Uhr

"Strandgut" : Das Büro als Biotop

vom

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 07:55 Uhr

Ob man beim Immobilienmakler in Kampen, der Bank in Keitum oder der Amtsstube in Westerland arbeitet - jedes Büro ist ein einzigartiges Biotop. Und desto mehr Menschen in einem Büro Lebenszeit mit Arbeit verbringen, umso komplizierter sind auch die Beziehungen untereinander. Ein Ökosystem aus Papier, Kaffee und Flüchtigkeiten. Und wenn ich eines nach mehreren Jahren Berufserfahrung gelernt habe, dann dass Zeitungsredaktionen dabei keine Ausnahme bilden: Alle Kollegen haben hier studiert, alle sind moderne und kommunikative Menschen. Und trotzdem tun sich auch in den Schreibstuben regelmäßig Abgründe auf, die zu groß sind, um sie zu übersehen. So trifft man zum Beispiel auf Kollegen, die ungefragt und in epischer Länge von dem letzten Verwandtenbesuch, diesem merkwürdigen Ziehen unter der Kniescheibe und der eben erst durchlittenen Magen-Darm-Grippe berichten. Eine ebenfalls beliebte Spezies sind die Schreibtischvermüller, deren Unordnung irgendwann solche Ausmaße annimmt, dass ihr Chaos nahe Arbeitsplätze zu infizieren droht. Auch die menschlichen Lautsprecher sind eine Erwähnung wert. Diese Kollegen sind nicht in der Lage ein Telefon richtig zu bedienen: Statt in natürlicher Lautstärke in die Muschel zu sprechen, klingelt die Unterhaltung den Kollegen wie ein Kaserneappell in den Ohren. Nahezu überall vertreten sind auch die Attentäter. Vornehmlich sind dies Kolleginnen, die es auf meine Gesundheit abgesehen haben. Kaum ein Tag vergeht an dem sie nicht mindestens Schokolade in Tafelform, Kekse mit Schokolade oder Negerküsse mit ins Büro tragen. Aber auch komplizierteste Yoga-Figuren oder kleine Fußballturniere habe ich schon beobachten dürfen.

Sylt macht die Sache dabei nicht einfacher. Besonders die Kolleginnen lenken einen hier mit endlosen Facebook-Bildergalerien ihrer Strandspaziergänge oder "Schau-was-ich-leckeres-auf-dem-Teller-habe-Fotos" in der Sternegastronomie von der Arbeit ab. Zugegeben - sowas habe ich während Ausbildungsstationen in Dithmarschen oder Steinburg nicht erlebt. Da kam niemand auf die Idee mal ein Rinder- oder Kohlkopf-Foto hochzuladen. Und um jetzt nicht ewig als Nestbeschmutzer zu gelten, muss ich an dieser Stelle betonen, dass vermeintliche Ähnlichkeiten der beschrieben Charaktere mit realen Personen nicht beabsichtigt, sondern rein zufällig sind. Ich wäre ja auch mit dem Klammerbeutel gepudert, würde ich mir durch unbedachte Satire den Groll meiner Kollegen aufladen und mich damit vom Schokoladennachschub abschneiden.

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