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Galerie Herold : Das besondere Licht des Nordens

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen – am Sonnabend vor Ostern fand die Eröffnung der 17. Saison in der Galerie Herold statt.

Seit fast zwanzig Jahren präsentiert der Hamburger Galerist Rainer Herold auch auf Sylt norddeutsche Kunst. 1996 eröffnete er seine Dependance in Kampen und lud, gemeinsam mit Ehefrau Karin und Tochter Katharina, am Sonnabend vor Ostern zur 17. Saisoneröffnung ein. Bargheer, Modersohn, Nolde, Eitner, Heckel, Korwan – wieder sind Werke großer Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts, aber auch zeitgenössische Arbeiten sind in den Räumen des Hauses „Meeresruh“ zu bewundern.

Die aktuelle Ausstellung überzeugt insbesondere mit ihren Kontrasten – zum Beispiel in der Gegenüberstellung der kraftvollen Bronze-Skulptur „Torso“ der Aachener Bildhauerin Eugenie Bongs-Beer, einer Meisterschülerin von Joseph Beuys, und der Federzeichnung „Mädchen beim Zeichnen“ von Max Liebermann.

Entstanden ist das zarte, skizzenhafte Werk des großen deutschen Impressionisten in dem für ihn wichtigen Jahr 1897. Die bis dahin streng konservativ orientierte Berliner Akademie der Künste begann, sich langsam für moderne Einflüsse zu öffnen und widmete Liebermann anlässlich seines 50. Geburtstages einen ganzen Saal, in dem er über 60 Gemälde, Zeichnungen, Lithografien und Radierungen zeigen konnte. Außerdem erhielt er 1897 den Professorentitel und wurde ein Jahr später in die Akademie aufgenommen. Das Ansehen des Klassikers der Moderne erreichte damit seinen ersten Höhepunkt.

Aber auch, was zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch als künstlerisch unvereinbar galt, findet in der Galerie Herold nun seinen kulturhistorischen Frieden: nur einen Schritt von Raum zu Raum entfernt, hängen Werke der in den Zeiten der Sezessionskrise regelrecht verfeindeten Maler Max Liebermann, einst selbst ein Rebell gegen alles Fortschrittsfeindliche, und seiner expressionistischen Gegenspieler Emil Nolde und Ivo Hauptmann. „Sonne am Abend“, ein 1921 entstandenes Ölbild des Sohnes des Dramatikers Gerhart Hauptmann, gehört aufgrund seiner Ausstrahlung und Wärme zu den eindrucksvollsten Gemälden der Ausstellung – so das übereinstimmend begeisterte Urteil vieler Besucher.

Dieses besondere Licht, diese Intensität der Farben des Nordens – für viele der Maler, deren Werke Rainer Herold zeigt, waren sie nicht nur Quellen künstlerischer Inspiration, sondern haben ihr Schaffen, ihre Biografien entscheidend geprägt. Ivo Hauptmann, geboren im brandenburgischen Erkner, verließ 1925 die sächsische Provinz in Richtung Hamburg, erweckte 1945 die Hamburgische Sezession zu neuem Leben und war bis zu seinem Tod 1973 Ehrenpräsident der Freien Akademie der Künste.

Ganz hoch in den Norden zog es Hugo Köcke, der mit einem frühen Werk, dem verspielt-heiteren Aquarell „Laternenumzug“ von 1910, in der Galerie Herold vertreten ist. Ende des Ersten Weltkriegs kam der geborene Berliner zum ersten Mal nach Sylt, kehrte oft wieder – des Lichtes, aber auch der Liebe wegen. 1921 heiratete er eine Sylterin und ließ sich endgültig auf der Insel nieder.


Galerie Herold – Norddeutsche Kunst, im Haus „Meeresruh“, Braderuper Weg 4, 25999 Kampen, Tel. 04651-45135, www.galerie-herold.de, die Galerie ist geöffnet montags bis sonntags täglich ab 11 Uhr.


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