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Geburtshilfe auf Sylt : Darum machen’s die Hebammen nicht

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zu viel Druck und kein Vertrauen mehr: Warum es mit den Sylter Hebammen keinen „Sylter Kreißsaal“ gibt.

von
erstellt am 24.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Sylt | Nachdem das Gesundheitsministerium am Sonntag in einer Pressemitteilung erklärte, dass die Sylter Hebammen aus dem Modell „Sylter Kreißsaal“ aussteigen, erläutern die drei Frauen nun, warum sie sich diese Form der Sylter Geburtshilfe nicht vorstellen können. „Durch die auferlegten Bedingungen unter denen zukünftig Geburten hätten durchgeführt werden dürfen, hätte es kaum noch Geburten geben können“, schreiben Cornelia Bäcker, Anke Bertram und Heidrum Hepper in einer Pressemitteilung. Weiter heißt es dort: „Das Betreiben eines Geburtshauses, welches dann in der Hauptverantwortung von uns Hebammen liegt, wäre für uns eine sehr große Belastung, sowohl was die tägliche Arbeit, aber auch rechtliche Aspekte betrifft. Die psychischen aber auch möglichen finanziellen Belastungen die durch ein solches Geburtshaus auf uns zugekommen wären, sind so groß, dass wir uns leider nicht in der Lage sehen, diese auf uns zu nehmen.“ Bedauerlicherweise gebe es deshalb ab dem 1. Januar 2014 keine Geburtshilfe auf Sylt mehr. Schwangere Sylterinnen müssen ab dann auf dem Festland gebären. Für Vor- und Nachsorge werden sie ihnen in gewohnter Weise zur Verfügung stehen, sagen die Hebammen. Und betonen außerdem: „Unter den bisherigen Bedingungen als Beleghebammen in der Klinik hätten wir sehr gerne weiterhin Geburten in der Nordseeklinik durchgeführt.“

Donnerstag hatten sich die Beteiligten noch darauf geeinigt, das Modell „Sylter Kreißsaal“ bis Ende Januar juristisch und finanziell zu prüfen. Dass sie diese Prüfung nicht abgewartet haben, erklären die Hebammen Anke Bertram und Cornelia Bäcker im Gespräch mit der Sylter Rundschau mit verschiedenen Faktoren: Der Druck auf die Hebammen, die Geburtshilfe auf Sylt quasi allein stemmen und verantworten zu müssen, sei zu groß geworden, sagt Bäcker: „Ich bin nach dem langen Nervenkrieg auch privat einfach durch.“ Zudem sei zur Asklepios Nordseeklinik kein Vertrauen mehr vorhanden.

Dies ist auch darin begründet, dass der Konzern die Qualität der Arbeit der Hebammen und Gynäkologen der Nordseeklinik öffentlich in Frage stellt. „Wir hatten nicht das Gefühl, dass die Klinik hinter uns steht. Es wirkte eher so, als lassen alle die heiße Kartoffel ’Geburtshilfe` fallen – und die Hebammen dürfen sie dann aufsammeln“, sagt Bertram. Beide Frauen – die Dritte im Bunde, Heidrun Heppner, ist aus familiären Gründen momentan nicht auf der Insel – zeigen sich betroffen von der Tatsache, dass jetzt keine Kinder mehr in der Nordseeklinik geboren werden können. „Ich werde demnächst mal die Deutsche Bahn und die NOB anschreiben, und den Zugbegleitern Crashkurse in Geburtshilfe anbieten“, sagt Bertram mit einem bitteren Lächeln.

„Ich stehe voll hinter den Hebammen und ihrer Entscheidung“, betonte der Vorsitzende des Sozialausschusses der Gemeinde Sylt, Eberhard Eberle (SPD). In den vorgestellten Modellen hätten die drei Frauen zu viel Verantwortung und Unsicherheiten tragen müssen – „was von Asklepios in Sachen Geburtshilfe aufgetischt wurde, ist einfach nur erbärmlich.“ Auch Carsten Kermann (CDU), stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Sylt, betont, die Verwaltung würde die Entscheidung der Hebammen verstehen.

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