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Bauskandal auf Sylt : Darf die Keitum-Therme abgerissen werden?

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylter Wählergemeinschaft stellt Antrag zu „schnellstmöglichem“ Ruinen-Abriss. Welche Konsequenzen das hätte, ist allerdings noch völlig unklar.

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erstellt am 10.Nov.2015 | 05:30 Uhr

Dieser Vorschlag klingt zunächst verlockend: Die Sylter Wählergemeinschaft (SWG) beantragt, die Thermenruine in Keitum „schnellstmöglich“ abreißen zu lassen. Die schriftliche Begründung des Antrags, über den in der Gemeindevertretersitzung am 19. November entschieden werden soll: „Aus Sicht der SWG ist es den Einwohnern Keitums und deren Gästen nicht länger zumutbar, mit der Ruine am Kliff zu leben. Eine juristische Lösung ist auf absehbare Zeit nicht erkennbar. Deswegen beantragen wir den Abriss der Therme schnellstmöglich.“ Danach soll das Gelände nach Wunsch der SWG renaturiert werden.

Für viele Insulaner und Gäste eine hübsche Vorstellung – dass sie umgesetzt wird, scheint allerdings mehr als fraglich. Sind doch weiterhin die Gerichtsverfahren rund um den Keitumer Schandfleck nicht abgeschlossen, hat doch Hotelier Kurt Zech noch immer den Daumen auf dem Thermengrundstück. Zech ist als geschäftsführender Gesellschafter der Zech Group zugleich Hauptgläubiger im Insolvenzverfahren der Keitum-Therme Betriebsgesellschaft mit Forderungen in Millionenhöhe.

Einen Deal mit Zech, der auch den Abriss der Thermenruine beinhaltet hätte, lehnten die Sylter Kommunalpolitiker im Frühjahr dieses Jahres ab. Der hätte – vereinfacht gesagt– beinhaltet, dass der Bauunternehmer sein Hotel Severin’s erweitern darf, dafür aber seine Forderungen in Sachen Therme aufgibt.

Und es soll auch in Zukunft zu keinem Deal mit Kurt Zech kommen, findet Erik Kennel, Fraktionsvorsitzender der SWG: „Das ist politisch und moralisch nicht durchführbar.“ Zudem hätten die Gespräche, die Bürgermeister Nikolas Häckel in den vergangenen Monaten mit Zech geführt habe, seiner Kenntnis nach zu keinen konkreten Ergebnissen geführt. „Das Verfahren kann sich also noch jahrelang hinziehen“, moniert Kennel. Und da die Gemeinde in Besitz des Thermengrundstücks sei, könne sie die Ruine auch abreißen. Dass dies allerdings im Zusammenhang mit den laufenden Verfahren Konsequenzen haben könnte, die auch er nicht sicher abschätzen kann, weiß Kennel allerdings auch. Er sieht den SWG-Antrag deshalb vor allem als Mittel, „Dynamik in die Sache zu bringen.“

Rechtlich sei ein Abriss der Keitumer Bauruine aber grundsätzlich zulässig, sagt auf Anfrage unserer Zeitung Carsten Kerkamm (CDU), stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender des Hauptausschusses. Der Jurist verweist jedoch darauf, dass dadurch der Gemeinde Sylt möglicherweise Nachteile in den laufenden Gerichtsverfahren entstehen könnten. Deshalb müsse weitestgehend geklärt werden, welche Konsequenzen ein Abriss habe – und dann natürlich, ob sich die Politik tatsächlich mit Mehrheit dafür entscheide.

Investor Kurt Zech sieht die Sache etwas anders: Aus seiner Sicht wäre ein jetziger Abriss der Ruine rechtswidrig. Da im laufenden Verfahren um die Therme eine weitere Beweisaufnahme angeordnet worden sei, wäre der Abriss eine Vernichtung von Beweismitteln. „Ich gehe davon aus, dass dies auch der SWG bewusst ist – deshalb halte ich den Antrag für reinen Populismus“, so Zech. Er weist zudem darauf hin, dass seit der Ablehnung des Deals im vergangenen Frühjahr keine offiziellen Gespräche mit ihm über eine Lösung des Thermen-Debakels geführt worden seien.

Über die möglichen Folgen des Thermenabrisses sollen die Kommunalpolitiker auf der Sitzung des Hauptausschusses am heutigen Abend vom Rechtsanwalt der Gemeinde Sylt aufgeklärt werden. Hinter verschlossenen Türen soll es dann auch darum gehen, welche Möglichkeiten der Gemeinde sonst noch zur Verfügung stehen, heißt es von Bürgermeister Nikolas Häckel. Er habe dem Anwalt insgesamt vier Handlungsvarianten zur Prüfung gegeben. Auch über sie soll auf der heutigen Sitzung beraten werden.

Über verschiedene Möglichkeiten informiert werden – das ist es auch, was Oliver Ewald (CDU) als nächster sinnvoller Schritt in Sachen Therme vorschwebt. Der Vorsitzende des Keitumer Ortsbeirats wünscht sich eine von der Verwaltung ausgearbeitete Vorlage, in der die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten ausführlich erörtert werden. Auf dieser Grundlage könnte die Politik dann entscheiden, ob sie doch einen Zech-Deal, den sofortigen Abriss der Ruine, den Prozess abwarten oder sich frei kaufen will, zählt Ewald die Möglichkeiten auf, die bisher im Raum stehen. Dabei findet er als Ortsbeiratsvorsitzender den SWG-Antrag theoretisch gar nicht so schlecht – „allerdings nur, wenn unser Anwalt sagen würde, diese Option sei rechtssicher. Und das sah bisher nicht so aus.“

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