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Schiedsmann auf Sylt : Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Schiedsmann der Sylter Amtsgemeinden stellt seinen Job vor.

Wenn zwei sich streiten, kommt manchmal Horst Allmendinger. Zumindest, wenn einer der beiden Streithähne zwanzig Euro Gebühr zahlt und den 75-jährigen Rentner offiziell beauftragt. Dann verrichtet Allmendinger seinen ehrenamtlichen Auftrag. „Schlichten statt richten“ lautet das Motto für den Schiedsmann des Amtes Landschaft Sylt. Im sechsten Jahr bemüht er sich nun darum, dass Konflikte nicht so sehr eskalieren, dass sie vor Gericht landen.

Wie das funktioniert, erklärt der ehemalige TÜV-Sachverständige an einem Beispiel: Nachbar A ärgert sich über Nachbar B, weil dessen Hecke zu hoch ist. Nachbar A nimmt Kontakt zu ihm auf, die beiden sprechen, er prüft, ob das Problem in seinen Aufgabenbereich fällt. Tut es das, kann Nachbar A offiziell ein Schiedsgespräch beantragen, das kostet ihn 20 Euro Gebühr. „Manchmal reicht es für die Leute aber auch aus, dass sie mit mir über ihr Problem gesprochen haben.“ Wenn nicht, lädt Allmendinger die beiden Kontrahenten ein. Und jetzt kommt ein Problem, das seine Schieds-Kollegen auf dem Festland wahrscheinlich eher seltener haben: In rund 70 Prozent der Schiedsfälle, die bei Allmendinger landen, muss zwischen zwei Zweitwohnungsbesitzern geschlichtet werden, die im Zweifelsfalle gerade beide nicht auf der Insel sind. Also: Zweitwohnungsbesitzer A ärgert sich über die Hecke / den Kinderlärm/ den Gartenschuppen von Zweitwohnungsbesitzer B und schaltet den Schiedsmann ein. „Oft haben die beiden Parteien selbst noch gar nicht miteinander gesprochen“, weiß Allmendinger. Und oft sind die beiden Parteien auch gar nicht auf der Insel sondern in ihrem Erstwohnsitz irgendwo in Deutschland: „Das sind häufig Menschen, die sehr viel Geld verdienen. Wenn ich sie zum Schiedsgespräch lade, werden erst einmal die Anwälte mobilisiert.“ Die allerdings dürfen beim Schiedsgespräch nur als Berater dabei sein, die Kontrahenten müssen beide selbst nach Sylt kommen. Und zwar spätestens innerhalb eines Vierteljahres, sonst ist die Schiedsfrist abgelaufen. Kommt einer nicht, kann ihm Allmendinger ein Bußgeld auferlegen. Das sei in seiner Zeit als Schiedsmann allerdings nur ein mal passiert.

Sitzen sich die beiden Kontrahenten endlich gegenüber, versucht Allmendinger die Konfliktpartner dazu zu bringen, gemeinsam eine Lösung zu finden. In der Regel, sagt er, gelinge das auch.

Als Grundproblem diagnostiziert der Konflikt-Fachmann den Klassiker: „Die Menschen reden einfach nicht miteinander.“ Tun sie es im Konfliktfall doch, könnten sie sich seinen Einsatz häufig sparen.

Die Kontakte zu den Schiedsleute des Amtes Landschaft Sylt und der Gemeinde Sylt finden sich unter www.amtlandschaftsylt.de

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erstellt am 20.Apr.2016 | 05:08 Uhr

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