zur Navigation springen

Sylter Inselkopf : Damit Sylt für seine Familien erhalten bleibt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Jutta Bönisch lebt in List und mischt sich regelmäßig in aktuelle Inselthemen ein – aus Liebe zu ihrer Familie, die gern auf Sylt lebt.

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2014 | 17:23 Uhr

Eine leere Schaukel baumelt im Wind, die letzten Regentropfen trocknen gerade auf der roten Rutsche im Garten. Jutta Bönisch setzt sich mit ihrem Kaffeebecher an den Küchentisch. Familie sei das wichtigste in ihrem Leben, sagt sie. Deshalb mische sie sich in aktuelle Debatten auf der Insel ein, die sich fast alle um die Fragen drehen: Wie halten wir Familien auf Sylt und wie holen wir Nachwuchs auf die Insel?

Die 57-Jährige kommt gebürtig aus dem Raum Bremen und zog mit ihren Eltern 1967 nach Sylt. Damals war sie elf Jahre alt. Der Grund für den Umzug war die Arbeit ihres Vaters: Er war im Immobiliengeschäft tätig. Zusammen mit ihren drei Geschwistern wuchs Jutta Bönisch auf der Insel auf. Ihren Mann Holger lernte sie vor 41 Jahren kennen – er kam als Jungpolizist für den Bäderdienst nach Sylt und arbeitete später, nach einem gemeinsamen vierjährigen Festlandsaufenthalt, bis zur Pensionierung als „Dorfscheriff von List“. Somit war und ist sie mit ihrer Familie mitten im Dorfleben verankert.

„Ich könnte mir keinen anderen Ort vorstellen, wo ich lieber wohnen möchte“, ist sie sich sicher. Und genau deshalb mischt sich Jutta Bönisch ein, wenn es um große Inselthemen geht. Unter anderem war sie 1996/1997 aktiv in der Bürgerinitiative gegen den Abriss und Verkauf des Kurhauses. Seit Anfang 2000 engagiert sie sich für die Erhöhung und Verstärkung des Mövenbergdeiches, inklusive Demo zur Deichschau im November 2006 mit zirka 130 anderen Listern und einer Petition an den Landtag. Ende 2003 hat sie als Gründungsmitglied mit zirka 50 Lister Vermietern, aufgrund erheblicher Differenzen mit der Kurverwaltung List, den Vermieterverein List/Sylt e.V. gegründet. Seitdem ist Bönisch als zweite Vorsitzende in dem Verein tätig. Mit Erfolg: „Inzwischen haben wir einen Konsens mit der Kurverwaltung List und eine freundliche Basis der Zusammenarbeit.“

Bönisch wolle lieber effektiv arbeiten, als in politischen Gremien herumzusitzen. „Dieses gegenseitige Hackenbeißen, das Niedermachen, das ist nichts für mich. Das politische Geschäft ist sehr hart und zu persönlich geworden mit Schlägen unter die Gürtellinie. Das dient nicht der jeweiligen Sache.“ Jutta Bönisch spricht offen und geradeheraus. Da ist kein leiser Zweifel im Hinterkopf, sie weiß wer sie ist und was sie will. Ihr zuhause ist mit der Liebe zum Detail eingerichtet. Dass hier regelmäßig ihr Enkelkind zu Besuch ist, ist nur an der Spielzeugkiste in einer Ecke des Wohnzimmers zu erkennen. Die in leuchtenden Farben blühenden Orchideen stehen unversehrt vor der Fensterfront und halten augenscheinlich einem spielenden Kleinkind stand.

Das Aus für die Geburtenstation trifft die Mutter von drei Söhnen hart. „Sylt stirbt aus“, fürchtet sie. Ihre drei Kinder und die erste Enkelin sind noch in der Nordseeklinik geboren. Mögliche weitere Enkel können das nicht mehr. Sie nimmt da die Politik in die Pflicht, die ihrer Meinung nach versagt hat. „Die hätten Asklepios nicht einfach aus der Pflicht entlassen dürfen, eine Geburtenstation offen zu halten. Zumal wir aufgrund der Insellage nicht immer die Möglichkeit haben, das Festland zu erreichen.“

Die 57-Jährige kommt gleich zum nächsten Punkt, der ihr am Herzen liegt: einen Grundsatz im Baurecht zu verankern. Und zwar der Gestalt, dass pro Neubau eines Hauses oder Hausteils, mindestens eine Dauerwohnung geschaffen werden muss. „Dann passt vielleicht irgendwann das Verhältnis besser zwischen Zweitwohnungen oder Vermietungsobjekten und Wohnungen für Sylter.“

Die Lebensqualität, die es auf Sylt gibt, ist einmalig, so Jutta Bönisch. Und diesen Luxus will sie erhalten, für ihre Kinder und ihre Enkelin. „Ich hoffe auf mehr Stimmen aus der Bevölkerung. Man muss nicht alles hinnehmen was politisch beschlossen wird.“ Die eigene Meinung könne in vielerlei Maße geäußert werden und wenn es nur das Gespräch mit einem der Entscheidungsträger sei, in dem man seinen Unmut äußert und Gegenargumente bringe.

Den Kopf frei von allen Gedanken bekommt sie bei langen Spaziergängen am Strand zusammen mit ihrem Mann, oder bei einer Radtour um die Wanderdünen. „Wir alle sollten alles daran setzen, dass noch mehr Kinder das Glück haben, hier aufzuwachsen. Dafür lohnt es sich, sich einzumischen und das Leben auf Sylt aktiv mitzugestalten.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen