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"Biike-Brandstiftung" : „Da waren die anderen wohl neidisch“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nachdem die Archsumer Biike vorzeitig in Flammen aufging, rüstet man schnell nach. „Biike-Brandstiftung“ ist strafrechtlich nicht relevant

Von der Mitte des Archsumer Biikeplatzes stieg gestern Nachmittag noch immer ein wenig Rauch auf. Einen Tag, nachdem Unbekannte Teile des Biikematerials in Brand gesteckt hatten (wir berichteten), ist Heiko Jessen vom Bauhof der Gemeinde Sylt damit beschäftigt, rund um die Brandstelle Strauchwerk und Äste zu kleinen Haufen aufzutürmen. Schließlich soll Archsum am Freitagabend genügend Material fürs Feuer haben. Bauhofleiter Björn Christiansen hat eine Vermutung, warum gerade die Archsumer Biike vorzeitig angezündet worden ist: „Wir hatten in Archsum immer die größte Biike – da waren andere wohl neidisch und wollten das in diesem Jahr verhindern“, scherzt Christiansen, der selber Archsumer ist. Ob ihre Biike jetzt noch die größte Insel wird oder nicht – die Archsumer nehmen den „Anschlag“ sportlich. Schließlich hat das vorzeitige Abfackeln eine fast ebenso lange Tradition wie die Biike selbst.

Um das zu verhindern, wird die Biike vielerorts bewacht – allerdings erst in den letzten Nächten vor dem 21. Februar. In einigen Orten verbringen Freiwillige die beiden Nächte vorher an einem Lagerfeuer neben der Biike. In Tinnum beispielsweise übernehmen diese Aufgabe der Sportverein, die Frauengruppe, der Ortsbeirat und die Jugendfeuerwehr. „Dabei hatten wir früher immer richtig viel Spaß“, erinnert sich Westerlands Wehrführer Jörg Elias an seine Jugend. In Morsum passen die Konfirmanden und andere Jugendliche auf. Passiert ist allerdings schon lange nichts mehr. „Das letzte Mal ist unsere Biike vor etwa zehn Jahren vorzeitig angezündet worden“, erinnert sich Morsums Wehrführer Volker Bartling. „Früher waren das richtige Spielchen. Da ist man ins Nachbardorf rübergegangen und hat versucht, deren Biike anzuzünden. Das wurde ganz genau ausbaldowert: Welcher Zeitpunkt ist am günstigsten und wie kann man am besten entkommen.“

Heute gibt solche Aktionen kaum noch. Zuletzt brannte 2006 und 2007 die Norddörfer Biike vorzeitig. Bartling: „Die Leute haben wahrscheinlich Angst, dass man sie zu fassen kriegt. Wenn man erwischt wird, ist man ja gleich dran.“ Daran erinnert sich auch Manfred Uekermann, Vorsitzender des Tinnumer Ortsbeirats. „In Westerland brannte die Biike ständig zu früh. Das ist natürlich auch aus touristischer Sicht schlecht für die Gemeinde und schließlich wurde damit gedroht, beim nächsten verfrühten Biike-Feuer eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten.“ Als Brandstifter angeklagt zu werden, muss allerdings kein Biike-Frevler fürchten. Nach Einschätzung der Kriminalpolizei gibt es keine strafrechtliche Relevanz. Denkbar wäre allerdings ein Bußgeldverfahren, sofern die Gemeinde dies einleitet. Kreativer als das Anstecken der Biike findet Uekermann, was vor einigen Jahren in Archsum passiert ist: „Die Biike ist gestohlen worden. Von einem Tag auf den anderen waren die ganzen Büsche und Zweige einfach verschwunden.“

Weil es zuletzt kaum noch Vorfälle gab, haben viele Orte ihre Biike-Wachen gelockert. In Orten wie Hörnum oder auch Archsum wird die Biike erst am 21. Februar komplett aufgeschichtet. „Ohne Brandbeschleuniger kriegt man die Haufen vorher gar nicht zum Brennen“, erklärt Archsums Wehrführer Helge Hinrichsen. Das wussten auch die „Attentäter“ vom Wochenende und verwendeten entsprechende Hilfsmittel – „irgendeine ölige Flüssigkeit“, wie Hinrichsen berichtet.

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erstellt am 18.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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