Ostern ohne Urlauber : Coronakrise und Insolvenz-Ängste auf Sylt – „Es wird bitter“

Strandkörbe am Hörnumer Oststrand. Niemand weiß, wann wieder Touristen auf die Insel dürfen.
Strandkörbe am Hörnumer Oststrand. Niemand weiß, wann wieder Touristen auf die Insel dürfen.

Weil keine Urlauber auf die Insel kommen, stellt der Tourismusservice auf Kurzarbeit um. Viele Unternehmen auf der Insel Sylt benötigen überlebenswichtige Hilfskredite.

23-524966_23-106481075_1551875653.JPG von
27. März 2020, 22:38 Uhr

Sylt | Am Sonnabend hätten die Osterferien begonnen – Saisonauftakt für eine Insel, die vom Tourismus lebt. Doch seit 16. März ist Sylt abgeschottet, das Reisen in Zeiten der Coronakrise verboten. Hotels und Restaurants sind geschlossen, viele Betriebe nehmen nichts ein. Und die Menschen bangen um ihre Arbeitsplätze.

Früher wurde händeringend Personal gesucht, jetzt werden die Leute nach Hause geschickt. Beim Insel Sylt Tourismusservice (ISTS), dem größten Kurbetrieb der Insel, wurde am 16. März Kurzarbeit beantragt. „Saisonpersonal kann bis auf weiteres nicht eingestellt werden“, erklärte ISTS-Chef Peter Douven. Rettungsschwimmer, Strandkorbwärter, Kurkartenkontrolleure blicken in eine ungewisse Zukunft.

Frühjahrsputz ohne Saison

Der ISTS hat auf das Ansteckungsrisiko frühzeitig reagiert: Tagungen und Kongresse wurden abgesagt und verlegt, Veranstaltungen komplett gestrichen, das Freizeitbad heruntergefahren und das Syltness-Center – bis auf die Praxen im zweiten Obergeschoss – nach und nach geschlossen. Stattdessen läuft die Saisonvorbereitung weiter: Die Fassadensanierung des Freizeitbades schreitet voran, die Promenadenbrüstung wird fertiggestellt und auch auf dem Westerländer Campingplatz wird weiter gearbeitet. Handwerker sind damit beschäftigt, verschiedene Sturmschäden Zug um Zug abzuarbeiten.

Eine wichtige Erleichterung für die zahlreichen Pächter der ISTS-Einrichtungen: Für die Zeit des Betretungsverbotes wird ihnen die Pacht erlassen. Die ersten drei Monate nach dem Neustart sollen zudem durch eine Stundungsregelung erleichtert werden, erklärte Peter Douven.

Fast alle leben vom Tourismus

Bei den Sylter Banken und Sparkassen steht das Telefon nicht still. Sylter Betriebe seien zu 95 Prozent vom Tourismus abhängig, schätzt eine Bankexpertin aus dem Firmenkundensektor. Viele Selbstständige lebten von der Hand in den Mund. Da reiche das für den Winter Angesparte oft kaum bis zum Frühjahr – und niemand weiß, wie lange der Ausnahmezustand anhält.

Insolvenzen drohen

Sehr viele Betriebe würden daher jetzt KfW-Hilfskredite in Anspruch nehmen. Ab kommender Woche könnten bei der Förderbank IB-SH auch Darlehen für Hotels und das Gastronomiegewerbe beantragt werden, die über fünf Jahre zinsfrei sind. Darüber hinaus gibt es Einmalzahlungen für Kleinbetriebe und Selbstständige zwischen 9000 und 15.000 Euro.

„Aber in dieser Situation muss jeder seinen Part beitragen“, betont sie. Firmenchefs müssen die Stundung von Zahlungen beim Finanzamt beantragen, gegebenenfalls auch bei der Sozialversicherung und beim Verpächter. Und dann muss der Bedarf nachgewiesen werden, für Kredite sind die Bilanzen vorzulegen.

Die meisten Sylter Unternehmen könnten den März noch überbrücken, indem sie ihre Mitarbeiter in den Urlaub schicken. Ab April würden viele Arbeitnehmer in die Kurzarbeit wechseln, wobei einige Firmen auf das Nettogehalt von der Arbeitsagentur noch etwas drauflegen.

Doch die Insiderin verhehlt auch nicht, dass es wohl zu Insolvenzen kommen wird. „Es wird bitter, aber es kann nicht jeder unterstützt werden.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen