Kolumne Strandgut : Coole Typen, blöder Lärm

Michael Stitz, Chefredakteur der Sylter Rundschau
Michael Stitz, Chefredakteur der Sylter Rundschau

Sylter Rundschau-Chefredakteur Michael Stitz über die Harley-Days und das laute Geknatter.

shz.de von
10. Juni 2018, 16:24 Uhr

Sie sind wieder da - und nicht zu überhören: Unsere Harley-Freunde! Ja, sie bringen Coolness und Farbe auf die Insel, auch wenn die meisten der taffen Frauen und starken Männer Schwarz bevorzugen.

Als erklärte Individualisten und Freunde der Freiheit wecken sie bei allen, die sich 1969 (!) vom Kultfilm „Easy Rider“ begeistern ließen, die schönsten Erinnerungen an die dollen 68er-Jahre. (Damals waren wir noch jung und rebellisch...) Und wenn man sieht, wer so von den Rädern, die zur Zeit auf Sylt den Sound bestimmen, absteigt, ahnt man, dass die Mehrzahl echte Zeitzeugen der Easy-Rider-Epoche sind.

Egal, auch die Nostalgie hat ihren Reiz. Wenn sie sich allerdings dröhnend Aufmerksamkeit verschaffen muss, wird aus der Freiheit der einen, die Belästigung der anderen.

Um es klar zu sagen: Ich bin nicht gegen das Harley-Treffen auf Sylt. Im Gegenteil: Wenn die spektakulären Maschinen über die Insel rollen, die Jungs und Mädels ihren Klamotten- und Fahr-Spaß ausleben, trägt das auch mit zu dem Sylter Lifestyle bei, zum Image, eine Insel der Individualisten zu sein.

Aber ganz ehrlich, wenn sie die Westerländer Innenstadt nur befahren, um sich mit brüllenden Motoren, lärmenden Fehlzündungen und vor sich hinbrödelnden Maschinen in kleinen und größeren Angeber-Runden zu treffen und sich alle im Umkreis reflexhaft die Ohren zuhalten, dann wird auch aus einem Easy Rider ein schwerer Nerver.

Wäre doch schade, wenn darüber weiter der Unmut über dieses Event wächst und man ernsthaft überlegen muss, ob ein solches Treffen echt cool oder unpassend und unzeitgemäß für die Insel ist.

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