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Konzert auf Sylt : Chorwerke mit Orgel: Kirchenmusik in Westerländer St. Nicolai

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ein Highlight in der diesjährigen Konzertsaison in der Kirche St. Nicolai fand am vergangenen Sonntag statt.

Wird nach Carl Loewe gefragt, scheint die Antwort klar: Das ist der allen noch aus Schülerzeiten gegenwärtige, 1869 in Kiel verstorbene Komponist bedeutender Lieder und Balladen. Die Vertonung von Goethes „Erlkönig“ etwa gehört ebenso dazu wie Seidls „Die Uhr“. Kaum bekannt aber dürfte sein, dass Loewe auch „zu den ansehnlichsten“ Schöpfern von Oratorien gehört – diesen häufig zur Erbauung komponierten Chorwerken mit Orgel oder gar Orchester. Insgesamt 17 an der Zahl hat der aus der Nähe von Halle Gebürtige geschaffen. Eine davon, „Die Festzeiten“ (op.66), brachte Kirchenmusiker Martin Stephan am Sonntag in Westerlands Stadtkirche St. Nicolai vor gut 150 Besuchern zu Gehör.

Mitwirkende waren neben der Kantorei von St. Nicolai sowie der eigens nach Sylt gereisten Chorgemeinschaft Mansfeld-Südharz die Solisten Martina Rüping (Sopran), Susanna Frank (Alt), Markus Schäfer (Tenor) und Daniel Blumenschein (Bass). Seinem Kollegen Kai Krakenberg von der Husumer St. Marien-Kirche, der bis zum letzten Takt durch sein überzeugendes Spiel Solisten und Chor sicheres Geleit gab, überließ Stephan an diesem Abend den Platz an der Orgel, hatte er selbst doch die Gesamtleitung des Konzertes inne.

Nicht nur ein Highlight in der diesjährigen Konzertsaison an St. Nicolai, sondern auch ein Novum bedeutete die Aufführung der „Festzeiten“. Das Oratorium, an dem Loewe über zehn Jahre arbeitete und das musikalisch die christlichen Feste des Jahreskreises wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten thematisiert, erklang nämlich „erstmalig auf Sylt“, so Stephan. Es war das Ergebnis über Monate währender fleißiger Probenarbeit und eines unermüdlichen Einsatzes des Westerländer Kirchenmusikers. Alleine zweimal reiste er zu Probenwochenenden in den Südharz. Mit seiner eigenen Kantorei, so berichtet er nicht ohne Genugtuung, „wurde seit Januar kontinuierlich geprobt, einschließlich einer Probenfreizeit in Breklum.“ Wen wundert’s also, dass der Chor, der bei dieser Aufführung ein gewaltiges Pensum zu absolvieren hatte, vom Anfang bis zum Ende gesanglich brillierte. Und diese Leistung weist unzweideutig die Proben-Handschrift Martin Stephans auf. Schließlich leitet er die Kantorei seit 13 Jahren und führte sie seitdem zu einem Niveau, das sich (nach eigenem Bekunden) „sehen und hören lassen kann!“

Loewes Werk gewährt neben den Partien für den Chor insbesondere auch den Solostimmen Raum zur Entfaltung. Sie erfreuten die Besucher allesamt und ausnahmslos durch ihr gesangliches Können, das sie im Duett, Quartett oder als Solostimme vernehmlich unter Beweis stellten. So Martina Rüping, auf Sylt seit Jahren bestens bekannt, die durch ihren klaren, kraftvollen und sich durch eine bestechende Modulationsbreite auszeichnenden Sopran überzeugte. Assistiert wurde sie durch die aus der Ukraine stammenden Mezzosopranistin Julia Tarasova – derzeit ihre Schülerin an der Hochschule in Rostock.

Starker und lange anhaltender Beifall setzte nach einem zweistündigen Konzert den verdienten Schlusspunkt. Er war, neben den Sonnenblumen, die Pastorin Anja Lochner verteilte, der wohl schönste Dank an Martin Stephan und alle Mitwirkenden für ein Konzertereignis allerersten Ranges. Welch eine Respekt erheischende Leistung und welch ein bedeutender Baustein im kirchenmusikalischen Reigen hier auf Sylt!


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erstellt am 01.Sep.2015 | 05:15 Uhr

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