Bordservice der Bahn : Catering-Angebot wird eingestellt – Kritik aus Sylt

Ein Becher heißer Kaffee für 2,40 Euro – auf diesen Service müssen Reisende auf der Marschbahn künftig verzichten.
Ein Becher heißer Kaffee für 2,40 Euro – auf diesen Service müssen Reisende auf der Marschbahn künftig verzichten.

Ab 1. Oktober gibt es keine Speisen und Getränke mehr in den Personenzügen zwischen Westerland und Hamburg-Altona.

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09. August 2018, 05:28 Uhr

Unterwegs einen Becher Kaffee für 2,40 Euro, dazu ein Sandwich oder einen Schokoriegel? Der freundliche Service für Bahnreisende hat bald ein Ende: Zum 1. Oktober endet das Catering-Angebot, dann schiebt kein Servicemitarbeiter mehr seinen mit Speisen und Getränken beladenen Trolley durch die Abteile. Der Vertrag mit dem Subunternehmer sei zu teuer, befanden DB Regio und Nah.SH nach der jüngsten Ausschreibung. Bürgermeister Nikolas Häckel ist stocksauer: „Das ist unsäglich und mehr als bedauerlich.“

Bekannt wurde der Wegfall des Catering-Angebotes nur durch eine kleine Notiz im Nah.SH-Newsletter, den der Nahverkehrsverbund regelmäßig herausgibt. Demnach endet der Service im Bahnnetz West zwischen Hamburg-Altona und Westerland zum 30. September 2018. „Nach Ausschreibung der Leistung lag kein wirtschaftliches Angebot vor, weshalb der Service eingestellt wird“, heißt es zur Begründung.

Keines der Angebote wirtschaftlich

Bis Dezember 2016 gab es eine Vereinbarung zwischen der Nord-Ostsee-Bahn, die den Regionalverkehr auf der Marschbahn betrieb, und dem Catering-Dienstleister, der Firma Coastline-Coffee, die ihren Sitz in Husum gleich gegenüber vom Bahnhof hat. Nach dem Betreiberwechsel im Dezember 2016 führte DB Regio die Vereinbarung fort. „Das Catering war eine Option im Verkehrsvertrag und die Finanzierung kam überwiegend vom Land“, erläuterte Nah.SH-Sprecher Dennis Fiedel. Gelohnt hat sich der Kaffeeverkauf also nicht, das Land musste den Betrieb immer bezuschussen.

Weil der Vertrag mit Coastline-Coffee zum Ende September auslaufen sollte, haben Nah.SH und DB Regio die Cateringleistungen in diesem Jahr neu ausgeschrieben – sowohl für die Marschbahn RE6 zwischen Westerland und Hamburg-Altona als auch für die Linien RE7 und RE70 zwischen Flensburg, Kiel und Hamburg. Beteiligt hätten sich jedoch nur zwei Bieter, berichtet Dennis Fiedel. Keines der Angebote sei wirtschaftlich gewesen – beide hätten das zur Verfügung stehende Budget weit überschritten. Die abgegebenen Angebote hätten finanziell deutlich über den heutigen Kosten gelegen. Generell sei der Kostendeckungsgrad bei Catering-Angeboten im Regionalverkehr sehr gering. „Es geht hier um sechsstellige Beträge bei geringem Kostendeckungsgrad.“

„Dabei hätten wir den Service zu den bisherigen Bedingungen gern weitergeführt“, sagt Hannelore Domanski, Betriebsleiterin bei Coastline-Coffee. 14 festangestellte Mitarbeiter seien für das Catering zuständig, steigen morgens um 7.30 Uhr in Husum in den Regionalexpress ein und pendeln bis 20.30 Uhr zwischen der Storm-Stadt und Hamburg-Altona. Nördlich von Husum werde das Catering nicht angeboten – zum einen, weil die Fahrgäste kurz nach dem Start oder kurz vor der Ankunft in Westerland sowieso nichts verzehren wollten, zum anderen, weil die Mitarbeiter angesichts der Pendlermassen zwischen Festland und Sylt kein Durchkommen hätten. Von den 14 Mitarbeitern würden ein oder zwei in Rente gehen, doch das Gros habe noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden.

Buchholz warnt vor unwirtschaftlichen Lösungen

Noch weniger Service auf der Marschbahn – das ist für den Sylter Bürgermeister Nikolas Häckel ein fatales Signal: „Wir kämpfen für eine Verbesserung der Marschbahn und nun fällt auch noch – aus wirtschaftlichen Gründen – die Versorgung der Reisenden weg.“ Dabei sei eine Versorgung mit Getränken wichtig – gerade in der heißen Jahreszeit bei verspäteten Zügen ohne Klimaanlage. „Ich appelliere, hier eine – auch unwirtschaftliche – Lösung zum Wohle der Gesundheit unserer Bahnreisenden zu finden.“

Im Kieler Verkehrsministerium stößt der Sylter Wunsch auf Verständnis, doch Minister Bernd Buchholz zweifelt an der Wirtschaftlichkeit: Die Angebote, die bei der Ausschreibung auf den Tisch kamen, seien wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen gewesen – daher sei die Entscheidung von Nah.SH richtig. „Denn schließlich müsste die Zeche sonst vom Steuerzahler gezahlt werden – und das ist nicht zu verantworten.“

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