Casino verdoppelt Besucherzahlen

Glücksspiel in der Sylt Lounge: Neben Black Jack ist Roulette bei den Besuchern am beliebtesten.  Fotos: dpa
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Glücksspiel in der Sylt Lounge: Neben Black Jack ist Roulette bei den Besuchern am beliebtesten. Fotos: dpa

Flip Flops ausnahmsweise erlaubt - Sylter Spielbank setzt mit ungewöhnlichen Angeboten auch auf junge Kundschaft

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14. Juli 2012, 08:12 Uhr

Westerland | Die kleinste Spielbank Deutschlands ist die "Sylt Lounge" nicht mehr. Da haben ihr Casinos in den neuen Bundesländern den Rang abgelaufen. "Aber vielleicht werden wir wieder die kleinste", witzelt Knut Pauker, Leiter der Spielbank in Westerland. "Wenn das Spielbankensterben so weitergeht..." Dresden, wo er als eine Art Aufbauhelfer war, sei jetzt nur noch ein Automatencasino. Halle, Magdeburg und Wernigerode seien dicht. "Auch den bayerischen Spielbanken geht es, mit wenigen Ausnahmen, schlecht", berichtet Pauker. 2006 seien die Bedingungen für gewerbliche Spielbanken geändert worden, danach seien kleine Hallen wie Pilze aus dem Boden geschossen.

Im Gegensatz zu vielen anderen geht es dem Casino auf Sylt aber richtig gut - die Besucherzahlen haben sich laut Pauker in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Das liegt wohl zum einen an den Touristen, die einen Großteil der Besucher ausmachen. "Auffallend viele junge Gäste" hat Pauker beobachtet, "bevor sie auf die Piste gehen". Kinderlose Paare bis 35 seien stark vertreten, dann wieder Menschen ab 50 Jahren. Immer mehr junge Leute sähen den Casino-Besuch als Abendevent. "Die Zeit der mondänen Spielbank ist vorbei. Wenn wir nur den Herrn mit Jackett und Krawatte und die Dame in lang reinlassen - da würden wir allein dastehen."

Punkten will die Spielbank Sylt auch mit den vielen Events, die Pauker und seine Mitarbeiter sich ausdenken. Dazu zählt etwa die "Bikers Night" - "alle durften mit Kutte rein" und die "Kitesurf Poker Trophy", bei der Shorts und Flip Flops erlaubt waren und Gäste gegen die weltbesten Kiter spielen konnten. "Und mittwochs der Ladies Day ist der Hit." Schwellenangst überwinden - das wollen die Westerländer nicht nur mit diesem Angebot für Frauen. Ein Demo-Tisch im Vorraum soll schon mal in die Geheimnisse der verschiedenen Spielarten einweihen. Neben Automaten verfügt die "Sylt Lounge" auch über Tische für Poker, Black Jack und Roulette - übrigens das beliebteste Spiel. Das Internet mache dem Casino aber zu schaffen.

Auch Otto Wulferding, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spielbankenverbands, sieht das Onlinespiel als Bedrohung für die staatlich konzessionierten Spielbanken. "Wir leiden unter der Veränderung der Marktsituation." Spiele im Internet seien ein boomender Markt. "Deutschland ist der zweitstärkste Markt weltweit für Glücksspiel im Internet, inklusive Poker und Sportwetten, allesamt aus deutscher Sicht illegal." Dazu kämen noch gewerbliche Spielangebote, also etwa Spielhallen. Auch unter dem Rauchverbot litten die Casinos. "Rauchen gehört einfach dazu." Es gebe Standorte mit großen Schwierigkeiten. Touristische Effekte wie möglicherweise auf Sylt seien "nice to have", aber eher selten.

Womit kann ein Casino sonst noch punkten? Die sogenannten Lebendspiele, also jene, bei denen ein Croupier beteiligt ist, sind für Pauker das Alleinstellungsmerkmal des Casinos. Die meisten Besucher - zu 60 Prozent Männer - wollten bei ihrem Casinobesuch kein Remmi-Demmi, sondern Ruhe und eine schöne Atmosphäre. Die Räumlichkeiten im denkmalgeschützten Westerländer Rathaus sollen dazu beitragen. Ganz neu ist die dem Casino angegliederte Galerie, in der seit Februar Werke Prominenter wie Udo Lindenberg, Helge Schneider und Dolly Buster zu sehen sind. Lindenberg war schon persönlich da, Frank Zander wird im August erwartet. "Die neuen Bilder bereichern uns ungemein", findet Pauker.

Die Innenräume des Casinos wurden in den vergangenen Jahren modernisiert. Künftig soll auch das Barangebot mehr in den Mittelpunkt rücken. Die Spieltische stehen vor hohen, apricotfarben gestrichenen Wänden und Bildern mit Motiven, die an die 1930er Jahre erinnern, die Zeit von Prohibition und Gangstergrößen. So ganz auf den "Ruf des Mondänen und Mystischen", wie Pauker es nennt, kann die Spielbank Sylt eben doch nicht verzichten.

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