Azubi-Interview : Buttercreme, Backverhalten, Biikebrot

Michael Beckmann lernt gerade, wie man Weihnachtsplätzchen backt.
Michael Beckmann lernt gerade, wie man Weihnachtsplätzchen backt.

In der SR-Serie „Hier lerne ich gern“ kommt heute Raffelhüschen-Azubi Michael Beckmann zu seiner Backleidenschaft Wort.

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07. November 2013, 00:33 Uhr

Mitten in der Nacht aufzustehen und zur Arbeit zu gehen, ist für Michael Beckmann (18) aus List kein Problem, denn als Bäcker im zweiten Lehrjahr ist das für ihn mittlerweile ganz normaler Alltag geworden.

Warum haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?
Schon als ich klein war, habe ich mich für den Beruf des Bäckers interessiert und wollte nie etwas anderes werden.


Welchen Einfluss hatten Elternhaus, Schule oder Medien auf Ihre Berufswahl?
Ich glaube, ich stehe unter dem Einfluss meines Opas, der war nämlich auch Bäcker und hat immer gesagt, ich soll was Vernünftiges lernen. Mein Vater ist Koch und meine Mutter arbeitet in der Pflege – die fanden es gut, dass ich Bäcker werden wollte.


Wie entscheidend war für Sie die Lehrstelle in diesem Betrieb?
Ich wollte schon gerne in der größten Bäckerei der Insel lernen, damit ich möglichst viele unterschiedliche Dinge lerne. Außerdem habe ich hier mal einen Nebenjob gehabt und Thomas, der Junior-Chef, hat mir direkt eine Lehrstelle angeboten, die ich natürlich sofort angenommen habe.


Hätten Sie den Beruf auch ergriffen, wenn Sie nicht hier hätten lernen können?
Ja, auf jeden Fall. Ich hätte mich dann in anderen Betrieben beworben. Vielleicht hätte ich aber auch mit der Schule weiter gemacht…


Wie wichtig ist es für Sie, dass Ihre Lehrstelle auf Sylt ist?
Sehr wichtig, denn ich bin Sylter und wohne in List. Ich muss jede Woche einmal in die Berufsschule nach Niebüll rüber, da war mir eine Lehrstelle auf der Insel schon sehr wichtig.


Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu den Ausbildern beschreiben?
Das ist prima. Hauptsächlich kümmert sich der Junior-Chef Thomas Raffelhüschen um mich, aber auch der Senior ist immer als Ansprechpartner für mich da. Und sonst lerne ich sehr viel von den anderen Gesellen, bei denen ich mir alles abschauen kann.


Wie unterstützt Ihr Lehrbetrieb Ihre Ausbildung?
Hier ist vor allem „learning by doing“ angesagt, also ran an den Tisch und einfach alles nachgemacht. Einmal im Jahr fahren die Azubis für eine Woche nach Lübeck, wo wir dann traditionelle Handgriffe und Techniken lernen, die heute wegen der vielen modernen Maschinen im Betrieb eigentlich gar nicht mehr zum Alltag dazu gehören, zum Beispiele, wie man eine Buttercreme für Torten selber kocht. In der Schule lernen wir dann die theoretischen Sachen über Temperaturen, Backverhalten der verschiedenen Teigarten und Hygiene.


Wie würden Sie das Betriebsklima beschreiben?
Als ziemlich locker und lustig. Wir sind hier über 20 Leute und verstehen uns alle gut. Und die älteren Kollegen unterstützen mich immer.

Wie empfinden Sie Ihre Arbeitszeiten?
Wer Bäcker werden will, muss früh ins Bett, denn man steht gegen ein Uhr Nachts wieder auf und beginnt um zwei mit der Arbeit. Wir frühstücken gegen sieben gemeinsam, arbeiten weiter bis zehn und machen dann sauber. Wenn ich hier raus komme, lege ich mich zuhause für ein paar Stunden hin, genieße dann meinen freien Nachmittag, treffe Freunde und gehe gegen 21 Uhr schlafen. Zuerst war das alles ziemlich hart, aber ich habe mich schnell an den Rhythmus gewöhnt und jetzt macht es mir gar nichts mehr aus.


Was macht Ihnen am meisten Spaß?
Ich bereite gerne die Brote vor und bringe sie in die richtige Form. Im Moment bin ich auch in der Konditorei tätig und lerne, Weihnachtskekse zu backen und Torte zu verzieren, was mir auch viel Spaß macht.


Welche Fortbildungs- und Aufstiegschancen haben Sie?
Nach der Lehre kann ich meinen Meister machen oder auch Konditor lernen. Ich weiß aber noch nicht, was ich dann machen werde.


Was ist das Besondere an Ihrem Ausbildungsbetrieb?
Das Raffelhüschen die größte und eine der ältesten Bäckereien der Insel ist und dementsprechend viele unterschiedliche Produkte hat. Zwanzig Sorten Brötchen und Brote, Kuchen, Torten, Gebäck und Kekse, die in viele Filialen auf der ganzen Insel verteilt werden. Und je nach Saison gibt es spezielle Sachen, wie Biikebrot oder Weihnachtsstollen – da lernt man immer was Neues dazu und kann auch mal kreativ werden.


Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich möchte erst einmal meine Ausbildung gut beenden und dann am liebsten für ein Jahr ins Ausland gehen, am besten in die Schweiz oder auch nach Frankreich, denn dort kann man noch ganz viel dazu lernen und sich weiter entwickeln.

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