Offshore-Windpark vor Sylt : Butendiek-Bau sorgt für Ärger

Am vergangenen Sonnabend war der Schwimmkran „Svanen“ deutlich vom Sylter Weststrand aus zu sehen (hier vergrößert) . Wenn die 80 Windturbinen stehen, werden sie deutlich höher sein, als die „Svanen“, die 82 Meter Höhe misst – die Nabenhöhe der Turbinen wird laut wpd bei 91 Metern liegen, der Rotorendurchmesser soll bei 120 Meter lang sein.
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Am vergangenen Sonnabend war der Schwimmkran „Svanen“ deutlich vom Sylter Weststrand aus zu sehen (hier vergrößert) . Wenn die 80 Windturbinen stehen, werden sie deutlich höher sein, als die „Svanen“, die 82 Meter Höhe misst – die Nabenhöhe der Turbinen wird laut wpd bei 91 Metern liegen, der Rotorendurchmesser soll bei 120 Meter lang sein.

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Ölplattform: Vom Sylter Weststrand aus kann man den Baufortschritt beim Offshore-Windpark Butendiek beobachten.

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11. Juni 2014, 06:00 Uhr

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Ölplattform vor Westerland: Wer an den vergangenen, klaren Abenden am Sylter Weststrand den Sonnenuntergang genossen hat, konnte gleichzeitig den Baufortschritt des Offshore-Windparks Butendiek am Horizont verfolgen. 32 Kilometer vom Ufer entfernt sollen sich ab Oktober dieses Jahres die Flügel von 80 Windturbinen über der Nordsee drehen.

Der gerüstähnliche Turm, der momentan vom Sylter Strand aus zu sehen ist, ist der leistungsfähigste Schwimmkran der Welt, die 82 Meter hohe HLV „Svanen“. Die „Svanen“ rammt gerade die Monopiles – die Pfähle, auf denen letztendlich die eigentliche Windkraftanlage sitzt– mit einem hydraulischen Hammer bis zu 50 Meter tief in den Meeresgrund. Gut 40 solcher Monopiles sind schon installiert worden, heißt es von der Bremer wpd-Gruppe, die den Windpark bauen lässt. Von einigen Inselbewohnern werden diese Arbeiten mit Skepsis beobachtet. So schreibt Hans-Joachim Zielinski, Vorstand der Anti-Butendiek-Gruppe „Gegenwind“: „Rammung mit hydraulischem Hammer hört sich niedlich an. Tatsache ist, dass Lärm von über 160 Dezibel entsteht. Das entspricht dem Lärm direkt neben einer Artillerie-Stellung. Für unsere Schweinswale eine Höllentortur.“

Unter anderem aus Sorge um die Schweinswale hatte auch der Naturschutzbund Nabu im April dieses Jahres eine sogenannte Umweltschadensgesetzklage beim Verwaltungsgericht Köln eingereicht. Doch Konsequenzen hatte diese Klage bisher nicht: Stattdessen sei nun ein juristischer Streit zwischen dem laut Nabu verantwortlichen Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie (BSH) darüber entbrannt, welches Amt in diesem Fall zuständig ist, heißt es vom Nabu. Dieser Streit habe die Naturschützer dazu veranlasst, nun parallel beim Verwaltungsgericht Hamburg Klage gegen das BSH einzureichen. Das BSH habe nun als erste Reaktion eine Stellungnahme vom Amt für Naturschutz angefordert - spiele den Ball also an das andere Amt zurück. „Eine inhaltliche Verfahrensführung rückt so in weite Ferne, und in der Nordsee werden Fakten geschaffen“, heißt es dazu leicht frustriert vom Nabu.

Außerdem heißt es vom Naturschutzbund: Dass beim Bau von Butendiek der Lärm-Grenzwert von 160 Dezibel wohl eingehalten würde, reiche für den Schutz der Schweinswale nicht aus: „Vertreibungseffekte und Verhaltensänderungen“ würden bei Schweinswalen auch bei deutlich weniger Lärm auftreten. Dem Nabu seien jüngst Informationen zugetragen worden, dass Anfang Juni Flugbeobachtungen vor der Sylter Küste im Auftrag des BfN stattgefunden haben, „die belegen, dass deutlich weniger Tiere in der betroffenen Region gezählt wurden als gewöhnlich. Damit liegt nach Nabu-Meinung ein Verstoß gegen geltendes Naturschutzrecht“ vor.

Neben der Sorge um die Meerestiere befürchtet Gegenwind-Aktivist Zielinski außerdem Schäden für Vögel: „Die Windkraftwerke ragen nicht 150 Meter über den Meeresspiegel, sondern vielmehr rund 200 Meter. Die Flügel sind so lang, wie der Kampener Leuchtturm hoch ist.“ Und einige Insulaner sehen in Butendiek schlicht ein ästhetisches Problem: Rotoren, die den Sonnenuntergang zerschreddern wurden in den über zehn Jahren, die seit den ersten Planungen für den Windpark vergangen sind, immer wieder als Gegenargument bemüht.

Trotz allem Protests, der in den vergangenen Jahren immer verhaltener erklang, scheint der Windpark kaum noch zu stoppen zu sein: Die Hälfte der Monopiles sind eingerammt, das Umspannwerk wurde vor einigen Tagen installiert und das erste „Transition Piece“ (Übergangsstück zwischen Monopile und Anlagenturm)wurde erfolgreich installiert. „Die Arbeiten kommen derzeit gut voran“, so Christian Schnibbe von der Windpark-Betreiberfirma wpd, „wir sind zufrieden.“ Wpd hatte immer wieder betont, bei den Bauarbeiten bestmöglich auf Schall- und Naturschutz zu achten.

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