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Sylter Wahlkampf : Bürgermeisterwahl im Spiegel der Medien

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylter Phänomen: Bundesweit wurde über die Kandidaten-Vorstellung berichtet

Die Podiumsdiskussion mit allen Kandidaten der Bürgermeisterwahl hat nicht nur viele Sylter Bürger und Wähler in das Congress Centrum gelockt, sondern stieß auch auf ein großes Medieninteresse weit über die Insel hinaus. Das Hamburger Abendblatt zählte „800 Menschen, die ihren Freitagabend in einer dreistündigen politischen Veranstaltung verbringen, davon kann man in den größeren Städten der Republik nur träumen. Im mehr als 100-mal so bevölkerungsreichen Hamburg muss man schon die Kanzlerin persönlich ankarren, um auf solche Zahlen zu kommen.“ Es müsse den Syltern also schon so einiges unter den Nägeln brennen, schreibt die Zeitung. „Man will sich höchstpersönlich ein Bild von jenen fünf Männern und jener Frau machen, die sich bei der Wahl am 14. Dezember um das Amt des Bürgermeisters von Sylt bewerben. Das Rennen ist offen. Spätestens seitdem mit Gabriele Pauli, der einst schlagzeilenträchtigen CSU-Rebellin, auch eine bundesweit bekannte Kandidatin mit von der Partie ist, mag niemand hier oben der Insel den Ausgang der Wahl vorhersagen.“

„So, lieber Sylter Wähler, wer soll nun dein Herzblatt sein?“ fragt deshalb auch die Deutsche Presseagentur (dpa) in ihrem Bericht über die Vorstellung der Bewerber um das Bürgermeisteramt. „Ist es Kandidat R., das personifizierte Blau, der von Mehrgenerationenhäusern träumt und Visionen für wichtig hält? Oder Kandidat W., der als Möbelstück ein Esszimmertisch wäre, mehr für junge Leute tun und sich gerne in der Zeitung sehen will? Kandidat Sch., der klein und damit erdnah ist, sein eigenes Buch verkörpert und noch viele Seiten füllen will? Kandidat H., der auf die Insel zu seinen Syltern zurück möchte und ein echter Verwaltungskenner ist? Oder Kandidat B., der Rettungsschwimmer, der zum Inselretter werden will? Oder lieber Kandidatin P., die sich einer Füchsin verwandt fühlt, keine Schule schließen will und weniger Autoverkehr schön fände?“

NDR1 Welle Nord registrierte zwar bei allen Kandidaten zu Beginn der Diskussionsrunde „angespannte Gesichter, nervöses Lächeln und kalte Hände“, äußert sich jedoch unzufrieden über den weiteren Verlauf der Veranstaltung. „Wer gestern Abend einen hitzigen Schlagabtausch der Kandidaten untereinander, eine Fülle unbequemer Fragen aus dem Publikum, handfeste Streitgespräche erwartet hatte, wurde enttäuscht. Lediglich dreimal ließ der Moderator Fragen aus dem Publikum zu. Dagegen legte allerdings auch niemand der Anwesenden sein Veto ein. Die Kandidaten diskutierten wenig miteinander: Nur manchmal gab der eine dem anderen Recht. Wer sich schon vor der Veranstaltung mit den Kandidaten auseinander gesetzt hatte, erfuhr gestern kaum Neues.“

Allerdings glaubt die Tageszeitung Die Welt, einen neuen Trend bei der Bürgermeisterwahl zu erkennen, denn eins sei längst klar: „Wahlsieger wird auf Sylt ein Parteiloser. Weder die CDU, die in der örtlichen Gemeindevertretung die meisten Abgeordneten stellt, noch die SPD, noch die Grünen, noch die Piraten, noch die Linken, noch sonst irgendeine Partei haben hier einen der Ihren ins Rennen geschickt. Sie alle belassen es bei einer mehr oder weniger intensiven Unterstützung eines parteilosen Bewerbers.“ Der kleine Sylt-Wahlkampf 2014, er sei auch ein Menetekel für die großen Parteien dieser Republik. „Ihre Attraktivität sinkt in den Kommunen noch schneller als die Mitgliederzahlen bei der freiwilligen Feuerwehr. Andererseits ist die Veranstaltung im proppenvollen Kongresszentrum eben auch ein kleines Fest für die Demokratie. Keiner der sechs potenziellen Sylter Bürgermeister auf dem Podium des Kongresszentrums ist von vornherein chancenlos. Alle kämpfen um eine gute Performance, alle argumentieren, alle bemühen sich um eine möglichst freie Rede, um eine gute Pointe, um den größten Applaus.“

Nach den weitgehend ruhig vorgetragenen Statements der Kandidaten sei lediglich einmal kurzfristig ein Ruck durch den Saal gegangen, so NDR1 Welle Nord: „Bei der Publikumsfrage, was der künftige Bürgermeister gegen die kriminelle Immobilien-Mafia auf Sylt tun wolle. Lautes Raunen, teils Beifall, als Bernd Reinartz sagte: Es sind die Sylter, die verkaufen. Sie sollten sich überlegen, ob man immer zum Höchstpreis verkaufen muss oder nicht auch mal über Alternativen wie ein Mehrgenerationen-Haus nachdenkt. Markus Ballentin will alle Beteiligten an einen Tisch holen während Gabriele Pauli argumentierte, es werde nicht funktionieren, Kaninchen und Klapperschlange zusammen zu pferchen, um zu beschließen, keine Profite zu machen. Nach drei Stunden beendete der Moderator die Veranstaltung, entließ die teils sichtlich geschafften Kandidaten zu weiteren Gesprächen mit den Bürgern ins Foyer. Dort zeigte sich ein gemischtes Stimmungsbild.“

„So, lieber Sylter Wähler, jetzt musst du dich entscheiden“, fordert denn auch dpa zum Ende einer Veranstaltung, die laut Meinung der Presseagentur „tatsächlich etwas von einer Mischung aus Partnervermittlung und Castingshow“ hatte.

 

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erstellt am 26.Nov.2014 | 06:00 Uhr

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