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„Gentlemen’s Club“ in Westerland : Bürgermeisterin will Bordell auf Sylt verhindern

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Die Bordellbetreiber sind überzeugt, dass Sylt „solch ein Angebot“ braucht. Petra Reiber sieht das anders und verspricht viel Gegenwind für den geplanten Edel-Puff. Die Verantwortlichen zeigen sich überrascht.

shz.de von
erstellt am 21.Jan.2014 | 06:51 Uhr

Westerland | Kann die Gemeinde Sylt die umstrittenen Pläne für ein Nobel-Bordell in der Westerländer Strandstraße noch verhindern? Einen ersten Versuch, die Betreiber von den vom Bauausschuss genehmigten Plänen für einen „Gentlemen’s Club“ abzubringen, unternahm gestern Bürgermeisterin Petra Reiber. In einem persönlichen Gespräch mit Michael Beretin, Marketingleiter des Stuttgarter Bordell-Betreibers Jürgen Rudloff, sowie dessen Anwalt Wolfgang Klar machte die Verwaltungschefin deutlich, dass ein solches Etablissement an dem Standort unerwünscht sei und es „mit erheblichem Gegenwind“ von Bürgern, Unternehmerschaft, Nachbarn und Gemeinde zu rechnen habe. „Selbst wenn es als Gewerbebetrieb baurechtlich zulässig ist, passt ein Bordell einfach nicht hierher“, erklärte Reiber erneut ihre Position.

Als „sehr offen und konstruktiv“ bezeichneten sowohl Reiber wie auch Unternehmenssprecher Michael Beretin das Gespräch im Westerländer Rathaus, keine 200 Meter vom geplanten Bordell-Standort entfernt.  Beide Gesprächspartner erklärten, dass man nun „gemeinsam nach einer Lösung suchen“ wolle. Wie die angesichts der offenkundig unvereinbaren Positionen aussehen könnte, ließen beide jedoch offen. „Uns war nicht klar, welche Gegenwehr es hier offenbar gibt. Das müssen wir jetzt erstmal sacken lassen“, sagte Beretin unserer Zeitung. Angesichts des „fairen und offenen Umgangs“ mit der Bürgermeisterin sei er jedoch zuversichtlich, zu einer Lösung zu kommen.

Die Situation birgt durchaus Konfliktpotenzial: Gemeinde und Kreis haben der Errichtung eines „Clubs mit bordellähnlichem Charakter“ in den einstigen Kinoräumen baurechtlich nämlich bereits im Frühjahr 2012 zugestimmt. Angeblich, weil die Ausschussmitglieder von einer Tabledance-Bar und nicht von einem Bordell ausgegangen waren. Zumal  im Bauantrag der Strandburg GbR von dem bundesweit bekannten Bordellbetreiber Jürgen Rudloff keine Rede war. „Damals hat niemand die Dimension erkannt“, sagt die Bürgermeisterin, wohl wissend, dass die rechtliche Position der Gemeinde nicht besonders gut ist.

Im Gegensatz dazu wissen Rudloff und seine Vertreter sehr genau, dass die Gemeinde die Einrichtung des Bordells zwar nicht verhindern kann – „aber es sind ja auch noch etliche Genehmigungen für den Betrieb offen“, sagt Marketingleiter Beretin im Hinblick auf potenziellen Ärger mit den Behörden. Er betont, dass man sich nicht „mit Ämtern herumstreiten“ wolle, sondern wie überall mit den Behörden kooperieren und in Ruhe sein Geschäft betreiben wolle. Über einen anderen Standort auf Sylt oder den Verzicht auf die 2,5-Millionen-Euro-Investition habe man sich daher auch noch keine Gedanken gemacht. Zumal Beretin vom Erfolg des Konzeptes, „bei dem die Sexualität nicht im Vordergrund steht, aber Grundlage des Geschäftes ist“, überzeugt ist: „Sylt braucht auch solche Angebote.“

Petra Reiber setzt nun darauf, dass der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt ihr in der kommenden Woche den Rücken stärkt und auch von der Politik ein klares Signal gegen die Bordell-Pläne kommt. „Und wenn Herr Rudloff nicht weiß, wie er aus dem Mietvertrag herauskommt, gebe ich ihm gerne ein offizielles Schreiben, dass ein solcher Betrieb an dem Standort nicht erwünscht ist.“

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