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Sylter Bahnverkehr : Buchholz über Marschbahn-Misere: „Ich bin genauso sauer wie die Pendler“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Trotz Ankündigung des Kieler Verkehrsministers sind immer noch Ersatzzüge zwischen Hamburg und Westerland im Einsatz.

von
erstellt am 13.Nov.2017 | 19:01 Uhr

Sylt | Die frohe Botschaft währte nicht lange: Auch am Montag mussten Fahrgäste der Regionalbahn in alte Ersatzwagen einsteigen. Dabei hatte Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) erst letzten Mittwoch im Verkehrsausschuss des Landtags angekündigt, dass am Montag wieder alle Marschbahnwagen in Betrieb seien. „Ich bin genauso sauer wie die Pendler“, erklärte Buchholz im Gespräch mit der Sylter Rundschau.

Ein Jahr nach dem Komplettausfall der 15 Züge beziehungsweise 90 Marschbahnwagen wegen Kupplungsschäden sollten am Montag auch die letzten beiden reparierten Züge wieder in Betrieb gehen. „Zwei Fahrzeugparks wurden uns von Paribus aber noch nicht übergeben“, bedauerte Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. Ursachen seien ihm nicht bekannt. Eine Anfrage bei dem Finanzinvestor Paribus in Hamburg brachte ebenfalls keine Aufklärung: „Wir können Ihnen dazu keine Auskunft geben“, hieß es von Prokuristin Imke Wiener. „Wir dürfen Sie bitten, sich diesbezüglich an das Verkehrsministerium zu wenden.“

Der Mangel an Marschbahnwagen „wirft kein gutes Licht auf diejenigen, die das Material zur Verfügung stellen“, ärgerte sich der Verkehrsminister. Schon am frühen Morgen hatten ihn E-Mails von aufgebrachten Sylter Pendlern erreicht, noch bevor er Kontakt mit seinen Mitarbeitern im Ministerium aufnehmen konnte. Die Deutsche Bahn sei aber nicht verantwortlich für das Dilemma. „In Wahrheit ist das Problem die Industrie, die diese Fahrzeuge herstellt und derzeit innerhalb der Wartungs- und Instandhaltungsintervalle einfach nicht in der Lage ist, sicheres Material auf die Reise zu schicken“, meinte Bernd Buchholz. „Wir sind eine Industrienation, die technisch so weit vorne sein sollte, dass ein schienengebundener Personennahverkehr zwischen Westerland und Niebüll stabil laufen kann. Alles andere kann nicht sein, das darf nicht sein, das muss sich ändern.“ Buchholz ging davon aus, dass „in den nächsten Tagen endgültig alle Wagenparks zur Verfügung stehen.“

In der Facebook-Gruppe „NOB Pendler Husum-Westerland“ häuften sich am Montag bereits am frühen Morgen die Kommentare. Kritisiert wurde hier vor allem, dass Fahrten ausfielen oder die Züge – teilweise noch immer mit alten Waggons, die für die Zahl der Pendler zu wenig Platz boten – verspätet in den Bahnhof einfuhren.

„4.31 Uhr. Niebüll-Westerland. Immer noch altes Wagenmaterial“, schrieb Jörg Eldagsen als erster. Zahlreiche User posteten bis in den Abend von ausgefallenen Zügen und mehr als 30 Minuten Verspätungen von und nach Westerland. Einige richteten sich mit ihren wütenden Kommentare direkt an den Verkehrsminister: „Ich glaube, Minister Bernd Buchholz sollte schnellstens offiziell seine Aussage revidieren. Hier läuft gar nichts außer unseren Nasen an den Bahnsteigen! Ersatzkonzept beendet und der alte Schrott fährt nach wie vor? Was bitte wurde hier und heute genau beendet? Wir warten auf Antwort“, schrieb Martina Schulz in der Gruppe.

Für die Pendler sei es vorhersehbar gewesen, dass das Ersatzkonzept nicht adhoc abgeschafft werden könne, sagt Frank Schmidt von der Pendler-Initiative. „Dazu haben die Marschbahnwagen zu viele Mängel, bedingt auch durch die lange Zeit auf dem Abstellgleis.“ Mit seiner Verkündung, das Ersatzkonzept sei beendet, sei Buchholz „zu voreilig“ gewesen.

Zu den Zweiflern an einer schnellen Umsetzbarkeit der ehrgeizigen Pläne „von einem Tag auf den anderen“ zählt auch Dieter Harrsen, Landrat von Nordfriesland. Bereits am Freitag hatte er seine Skepsis öffentlich gemacht. Er fühlte sich gestern in seiner Prognose bestätigt: „Ich war zwar skeptisch, ob der Verkehr ab Montag wirklich wieder völlig reibungslos laufen würde, aber so viele Verspätungen und der weitere Einsatz der Ersatzwagen überraschen mich doch. Wir alle können erwarten, dass DB Regio, Nah.sh und Paribus alle Hebel in Bewegung setzen, damit die Pendler endlich die Verkehrsleistung erhalten, für die das Land Tag für Tag bezahlt. Ich hoffe, dass Minister Buchholz im Sonderkreistag am 27. November für Klarheit sorgen kann!“

In der Gemeinde Sylt beschäftigt sich Dienstag Abend der Hauptausschuss mit den „Unzulänglichkeiten im gesamten Schienenverkehr von und zur Insel Sylt.“ Die Sitzung beginnt um 19 Uhr im Rathaus Westerland.

Die Pendler jedenfalls sind bereits seit Längerem erbost. Bereits im Oktober hatten sich rund 500 Menschen am Klanxbüller Bahnhof (Kreis Nordfriesland) versammelt, um den Bahnverkehr zwischen Klanxbüll und Westerland lahmzulegen.

 
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