Grabungen auf Sylt : Brunnen gibt Einblick in Wikingerzeit

Grabungstechniker Leif Schlisio präsentiert stolz ein großes Holzteil, das einst zu dem Brunnen gehört hat. Im Hintergrund sieht man das riesige Loch, in dem die Archäologen auf einige Fundstücke gestoßen sind.
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Grabungstechniker Leif Schlisio präsentiert stolz ein großes Holzteil, das einst zu dem Brunnen gehört hat. Im Hintergrund sieht man das riesige Loch, in dem die Archäologen auf einige Fundstücke gestoßen sind.

Mehrere Holzstücke, Spinnwirbel und Überreste eines Malsteins: Archäologen entdecken zahlreiche Gegenstände in dem drei Meter tiefen Loch.

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10. Juni 2014, 06:50 Uhr

Bei den Ausgrabungen auf der Wiese vor dem ehemaligen Augstein Haus sind die Archäologen auf einen Brunnen gestoßen. In einer großen Aktion mit einem Schaufelbagger hat das Forscher-Team den Brunnen ausgehoben und dabei spannende Funde machen können.

Es ist 12 Uhr Mittag, die Sonne brennt, die Luft ist von Sandstaub erfüllt. Die Archäologen beschweren sich nicht, dafür ist das Projekt einfach viel zu spannend. Der Bagger holt noch einmal aus und schmeißt eine ordentliche Portion Sand auf den Berg neben dem drei Meter tiefen Loch, in dem vor rund 1000 Jahren einst ein Brunnen die Menschen mit Wasser versorgt hat. Die Männer stehen zwei Meter von dem Loch entfernt. Noch dichter wäre zu gefährlich, die Erde könnte sich jederzeit lockern, das Loch einstürzen und die Männer in die Tiefe reißen.

Ein Raunen geht plötzlich durch die Gruppe, die Forscheraugen fangen an zu leuchten. Der Bagger ist auf Holz gestoßen. Vorsichtig wird es nach oben befördert. Während sich die ersten Männer daran machen, das Holz zu untersuchen und in dem Sandberg nach weiteren verborgenen Schätzen zu suchen, beobachten die anderen weiter das Baggerspektakel. Dann läuft plötzlich Wasser von den Seiten in das Loch. „Schnell wieder zu schütten“, lautet die Anweisung von Grabungsleiter Marc Kühlborn.

Dann nehmen die Forscher ein zwei Meter langes Holzstück genauer unter die Lupe. Es ist Teil der Brunnenkonstruktion gewesen. „Es ist aber sekundär genutzt worden, ganz klar“, sagt Kühlborn. Sekundär genutzt – das bedeutet, dass das Holz vorher einen anderen Zweck erfüllt hat, vermutlich als Baumaterial für ein Haus. Und das sei sehr spannend, betont Kühlborn, denn so können man Rückschlüsse auf den früheren Hausbau ziehen.

Nachdem das zwei Meter lange Holzstück von allen Seiten fotografiert und ausgemessen wurde, wird ein Stück abgesägt. Später geht es dann ins dendorchronlogisches Labor, wo man versuchen wird, ein genaues Datum zu ermitteln, erklärt Kühlborn weiter. Doch er und seine Kollegen haben natürlich schon eine Ahnung: Der Brunnen stammt aus der Wikingerzeit und ist somit aus der Zeit um das Jahr 1000. Doch nicht nur die Überreste des Brunnenbaus konnten die Männer entdecken. Im Sand sind sie unter anderem auf die Teile eines Malsteins gestoßen und haben mehrere Spinnwirbel entdeckt. „Die wurden wahrscheinlich einfach in den Brunnen geworfen“, vermutet Kühlborn.

Insgesamt hat das Forscherteam seit Beginn seiner Ausgrabungen Anfang Mai 261 Funde ausmachen können. Dr. Martin Segschneider vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein schätzt, dass sie bis zum Ende ihrer Aktion Mitte Juni die Zahl auf 300 erhöhen können.

Im Archäologischen Landesmuseum in Schleswig sind derzeit die Bernsteinfunde aus dem Gewerbegebiet in Tinnum zu sehen. Während einer Grabung im Jahr 2007 entdeckte das Forscherteam um Segschneider dort auf einem Areal mit neun Grubenhäusern aus der Wikingerzeit ungewöhnlich viel Bernstein. Diese Funde lassen auf eine Schnitzereiwerkstatt auf Sylt schließen.

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