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Sylter Rundschau

14. Dezember 2017 | 14:42 Uhr

Brodelnde Club-Atmosphäre

vom

1. Pianoweekend im Kontorhaus Keitum an beiden Tagen ausverkauft / Fünf Pianisten und ein Steinway B

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Keitum | "Teekontor Keitum, 19. Mai 2013, 21.45 Uhr" - Michael Wollny (35) setzt ganz auf Pragmatismus und Spontaneität, wenn es um die Suche nach einem Musiktitel geht. Der Weltenbummler, der Gefragte in Sachen zukunftsweisendem Jazz-Piano, war der Höhepunkt des ausverkauften zweitägigen Pianojazz-Weekends im Kontorhaus Keitum. Das von den Betreibern Franziska und Wolfgang Zaeske (kleines Foto, rechts) sowie Ex-JazzBaltica-Chef Rainer Haarmann (kleines Foto, links) organisierte Mini-Festival mit insgesamt fünf gefragten Tasten-Löwen war ein Maximum an Qualität.

Während Wollny exzessiv, expressiv, einem Vulkan gleich, seine schweißtreibende Suche nach vollendeter Symbiose aus Harmonie und Rhythmus im Ganzkörpereinsatz auslebte, stand die klassische Anschlagskultur eines Don Friedman als Gentlemen des lyrischen Pianospiels geradezu wie ein Kontrapunkt gegenüber. Die Interpretation von Klassikern des "American Songbooks" und Eigenkompositionen des 78-jährigen New Yorkers und Wegweisers des Solospiels seit den frühen 1960er Jahren verwandelte den umgebauten Verkaufsraum in einen brodelnden Jazzclub.

Clara Haberkamp (geboren 1989) hatte die Gelegenheit, das Publikum gleich zweimal von ihrer Kunst zu überzeugen. Als sich begleitende Sängerin mit weicher, fast fragiler Stimme und im Trio mit ihren Partnern Igor Spalatti (Bass) und Schlagzeuger Tilo Weber. Da konnte die Berlinerin unter Beweis stellen, dass mit ihr künftig als Querdenkerin im positiven Sinne zu rechnen ist. Ein spannender Reifeprozess.

Martin Ehlers mit Thomas Biller (Bass) und Derek Scherzer (Drums) ist dagegen ein "alter Hase". Seine eingängigen Melodien mit Vorliebe für Blockakkorde und Pedaleinsatz euphorisierte das Publikum. Bonus des Heimspiels.

Als weiterer Höhepunkt dürfte ohne Umschweife der Dialog zwischen Rainer Böhm (Klavier) und seinem langjährigen Partner Lutz Häfner am Tenorsaxofon in Erinnerung bleiben. In New York gereift, sprudelte Böhm vor Ideen. Der vibrierend-melancholische Ton von Häfners "Kanne" hinterließ zudem emotionale Narben, an die sich jeder erinnern dürfte.

Wolfgang Zaeske hat den Kauf des neuen Steinway B-Flügels keine Minute lang bereut. Ein Festival in dieser Form werde es wohl nicht mehr geben, sagte er. "Aber die seit sieben Jahren bestehende Kulturreihe zur Teezeit wird in jedem Fall fortgesetzt."

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