Kommunalpolitik : Braucht Sylt einen Dorfmanager?

Mittwochs von 13 bis 16 Uhr in Keitum: Die „Verwaltung vor Ort“ in Person von Martin Seemann stößt nur auf geringes Interesse. Bis Ende Juli weist die Rathaus-Bilanz für alle Ortsteile der Gemeinde Sylt nur 37 Gespräche aus.
Mittwochs von 13 bis 16 Uhr in Keitum: Die „Verwaltung vor Ort“ in Person von Martin Seemann stößt nur auf geringes Interesse. Bis Ende Juli weist die Rathaus-Bilanz für alle Ortsteile der Gemeinde Sylt nur 37 Gespräche aus.

Hauptausschuss hegt Zweifel am Sinn und Zweck eines hauptamtlichen Mitarbeiters für die Ortsteile

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16. August 2018, 04:13 Uhr

Die Diskussion um einen hauptamtlichen Dorfmanager – sie nimmt kein Ende, obwohl der Zuschuss aus EU-Mitteln schon zugesagt wurde. „Mit dem Dorfmanager wird das Ehrenamt nicht belebt“, befürchtete Holger Weirup (SPD) am Dienstag im Hauptausschuss, „der Schuss könnte nach hinten losgehen.“

Die Idee eines Dorfmanagers für die Gemeinde Sylt entstand bei „Keitum im Dialog“. Der Antrag der „Dorfmacher-Gruppe Identität und Dorfleben“ hatte noch eine Halbtagskraft nur für Keitum zum Ziel. Im März wurde daraus eine Vollzeitstelle, die aber für die gesamte Gemeinde Sylt zuständig sein soll. Ende Juni kam die Förderzusage von der Aktivregion Uthlande, dem EU-Förderprogramm für ländliche Räume. Verteilt auf drei Jahre sollen 80 600 Euro für den Dorfmanager fließen, was einer Förderquote von 60 Prozent entspricht. Beim Gehalt hat ein Kommunalberatungsunternehmen eine Einstufung in die Entgeltgruppe 5 des Tarifvertrags für die öffentliche Verwaltung empfohlen – das wären 2480 Euro brutto Monatslohn.

„Damit der Dorfmanager wirklich etwas bewegen kann, braucht er auch ein Budget“, forderte Lars Schmidt (Zukunft) im Hauptausschuss. „Sonst ist er nur der Dorf-Weihnachtsmann.“ Bürgermeister Häckel entgegnete, dass die Vorsitzenden der Ortsbeiräte auch nicht über ein Budget verfügten.

Holger Weirup hob darauf ab, dass der Dorfmanager laut Stellenbeschreibung auch Geschenke an Familien überbringen soll, die ein Baby bekommen haben, und für die Unterstützung der Ortsbeiratsvorsitzenden eingesetzt wird. Das könnten die Ehrenamtler aber gut selbst erledigen. Viele weitere Aufgaben seien schon durch die „Verwaltung vor Ort“ abgedeckt.

Seit 4. Juni kommt Verwaltungsmitarbeiter Martin Seemann für mehrere Stunden in die Ortsteile und steht für Fragen und Anregungen zur Verfügung. Montags in Morsum, dienstags in Tinnum, mittwochs in Keitum, am 1. und 3. Donnerstag eines Monats in Archsum und am 2. und 4. Donnerstag in Rantum. Ein Angebot, das Bürgermeister Häckel auf den Weg gebracht hatte, um der Kritik an der Verwaltung zu begegnen, die seit der Fusion „zu weit weg“ sei.

„Ein hochkarätiges Angebot“, befand Holger Weirup. „Doch der Besuch in Keitum ist super schwach“, schob Hauptausschuss-Vorsitzender Holger Flessau (CDU) nach. „Es gibt Tage, an denen gar keiner kommt.“

Maria Andresen (Grüne) appellierte an den Hauptausschuss, an der Entscheidung für den Dorfmanager festzuhalten. Der Dorfmanager sei kein Schreibtischjob – er soll rausgehen und sich aktiv einbringen. Unterstützung kam von Markus Gieppner (Insulaner): „Wir sollten den Wunsch der Keitumer respektieren.“

„Dann verstehe ich nicht, warum die Keitumer nicht die Verwaltung vor Ort nutzen“, kommentierte Flessau. Und Gerd Nielsen (SPD) wies darauf hin, dass zum EU-Zuschuss von der Aktivregion auch noch 60 000 Euro von der Gemeinde hinzukommen – „das sind alles Steuergelder.“

Lars Schmidt wollte vom Bürgermeister wissen, ob die Dorfmanager-Aufgaben im Laufe der drei Jahre den tatsächlichen Erfordernissen angepasst werden könnten. „Nur in Abstimmung mit der EU“, antwortete Häckel.

„Ich verbürge mich dafür, dass der Ortsbeirat Westerland den Dorfmanager schon beschäftigen wird“, erklärte Kay Abeling (CDU). „Wir können hier jetzt keinen Rückzieher machen.“ Geld werde auch für andere weniger sinnvolle Dinge ausgeben. „Wir haben uns auch einen Klimamanager geleistet, ohne dass etwas Dolles dabei herausgekommen ist.“

„Auf jeden Fall muss der Dorfmanager von der Insel kommen“, forderte Holger Flessau. „Eine Geburt auf Sylt werden wir vergaberechtlich nicht vorschreiben können“, konterte der Bürgermeister.

Heute Abend kommt das Thema bei der Gemeindevertretung auf den Tisch. Wenn das Parlament den Stellenplan beschließt, kann die Suche nach einem Bewerber losgehen.

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