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Folgen des Orkans auf Sylt : Braucht Keitum einen richtigen Deich?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zwischen Dankbarkeit und Sorge: Anlieger rätseln nach der überstandenen Sturmflut über Zuständigkeiten bei der Verstärkung ihrer Wälle.

von
erstellt am 11.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Rund 25 000 Sandsäcke, etliche Tonnen Erde und Kies und unzählige helfende Hände haben am Donnerstag und Freitag vergangener Woche gerade noch verhindern können, dass Teile des Alten Kirchenweges mitsamt einiger denkmalgeschützter Häuser überflutet wurden. „Am Donnerstagnachmittag stieg das Wasser bereits so hoch, dass die Wälle hinter den Häusern Risse bekamen und überspült zu werden drohten“, berichtet Dirk Nielsen. „Bei der zweiten Flut am Freitagmorgen dachten wir, jetzt bricht unser Wall.“ Doch der unermüdliche Einsatz von Feuerwehrleuten aus fast allen Inselorten sowie zahlreicher privater Helfer am Donnerstag und in der Nacht zu Freitag konnte das Schlimmste gerade noch verhindern, auch wenn das Wasser an einigen Stellen über die nicht einmal mannshohen Schutzwälle auf Grundstücke und die Straße lief.

Die Dankbarkeit der am stärksten betroffenen Familien Hoeg, Borstelmann und Nielsen ist daher sehr groß. „Es ist toll, wie schnell Helfer da waren und wie dann alle Hand in Hand gearbeitet haben“, sagt Inge Hoeg. Für alteingesessene Anwohner wie sie und ihren Mann Manfred war es bereits das vierte Mal, dass ihr Grundstück unter Wasser stand. „Bei Orkan ’Anatol’ 1999 stand das Wasser zwar noch etwas höher, aber da waren die Wellen nicht so stark und die Wälle nicht über Stunden aufgeweicht“, berichtet Manfred Hoeg, dessen Familie das Keitumer Hafenhaus betreibt.

Die ersten Häuser wurden hier am Watt bereits im 17. Jahrhundert gebaut. Doch erst durch den Bau des Hindenburgdammes 1927 wurden Sturmfluten zu einer Gefahr für Haus und Hof, weil sich das Wasser bei Nordwestwind seither in der Keitumer Bucht staut und nicht mehr nach Süden ablaufen kann. Nach der Sturmflut 1976 – mit dem bis heute höchsten Wasserstand an der gesamten Nordseeküste – errichteten die Bewohner des tief liegendes Teils des Alten Kirchenweges die Schutzwälle hinter ihren Häusern. „Bisher haben wir alles gemacht, was man für nötig hielt, um Sicherheit zu bringen, aber jetzt fragen wir uns, ob das künftig noch ausreicht“, sagt Dirk Nielsen, während draußen die Lkw anrollen, um die ersten Sandsäcke wieder abzutransportieren und für den nächsten Notfall einzulagern.

Nielsen und seine Nachbarn würden gerne alles tun, um diesen Teil des historischen Ortskerns besser zu schützen, wissen jedoch nicht, wer eigentlich ihre Ansprechpartner sind. Nach einer Ortsbegehung mit dem Sylter Landschaftszweckverband (LZV) hätte es vor ein paar Jahren noch geheißen, das sei Privatsache. So sieht es bisher auch der Landesbetrieb Küstenschutz, der an der Wattseite lediglich für den Bau von Nösse- und Mövenbergdeich aufgekommen ist, sich aber auch um die Unterhaltung des vor 25 Jahren mit privaten Mitteln und Spendengeldern errichteten Deiches Rantum-Inge kümmert.

Darüber, ob so ein Modell auch für Keitum in Frage käme, würden man sich im Alten Kirchenweg gerne mit Fachleuten und Verantwortlichen unterhalten. „Einen besseren Schutz bekommt man natürlich nur gemeinsam hin, muss dazu aber erstmal wissen, wer eigentlich zuständig ist“, sagt Dirk Nielsen.

Mittlerweile scheint klar, dass sich der kommunale Landschaftszweckverband (LZV) der Sache annehmen wird, wie dessen Vorsitzender Manfred Uekermann gestern erklärte. Neben einer zügigen Instandsetzung der öffentlichen Wege werde man sich auch mit den Privateigentümern sowie Kreis und Land über die Instandsetzung und gegebenenfalls eine Verstärkung der Schutzwälle verständigen. Uekermann: „Am meisten ist sicherlich allen damit gedient, wenn es eine fachgerechte Umgestaltung gibt, da sich einige Wälle aufgrund der Bauweise als sehr anfällig erwiesen haben.“ Zudem handele es sich offiziell nicht um einen Landesschutzdeich, sodass mit einem aufwendigeren Genehmigungsverfahren zu rechnen sei, da es auch um Naturschutzbelange gehe.

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