zur Navigation springen

Kriminalität auf Sylt : Brandstiftung im Hotel Miramar: Erster Verhandlungstag

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Gut zwei Jahre nach der Verhaftung des mutmaßlichen Täters begann gestern der Prozess gegen ihn / Angeklagter will schweigen / Zeugenaussagen bringen wenig Erkenntnisse

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 10:03 Uhr

„Einen gewissen Unterhaltungswert kann man der Verhandlung ja nicht absprechen“, bemerkte der Vorsitzende Christoph Salamon während einer Unterbrechung im Saal des Niebüller Schöffengerichts. Mit dieser Einschätzung dürfte der Richter nicht alleine gestanden haben beim Prozessauftakt am Donnerstag zum Brand in der Sylter Nobelherberge Miramar am 1. Mai 2015.

Angeklagt ist ein ehemaliger Hotelangestellter, der an jenem Abend zunächst in einem Technikraum im Keller und dann später auch noch in einem Dienstraum im vierten Stock des Hotels Feuer gelegt haben soll. „Versuchte schwere Brandstiftung“ nennt die Anklage das. Bei dem Brand waren damals Technik und Inventar beschädigt worden, Menschen wurden nicht verletzt. Allerdings musste das Hotel im späteren Verlauf des Abends evakuiert werden, weil Heizung und Wasserversorgung ausfielen.

An Silvester 2013 hatte es in dem Hotel schon einmal gebrannt – ebenfalls Brandstiftung. Ein Täter konnte damals nicht ermittelt werden. Der Vorfall ist deshalb nicht Teil dieses Verfahrens.

Dem 27-Jährigen, der im Housekeeping des Miramar arbeitete, wird zudem vorgeworfen, zwei sündhaft teure Sechs-Liter-Flaschen des weltberühmten Weinguts Petrus vom Jahrgang 1999 aus dem Weinkeller des Hotels gestohlen und diese dann für 9000 Euro – pro Flasche wohlgemerkt – an einen Weinhändler im hessischen Darmstadt verkauft zu haben. Zu guter Letzt soll der Angeklagte einem Hotelgast einen Louis-Vuitton-Armreif im Wert von etwa 700 Euro gestohlen haben.

Der Vorwurf des Diebstahls ergab sich erst durch die Brandermittlungen, als bei einer Wohnungsdurchsuchung beim Angeklagten ein eleganter Armreif sowie Dokumente zum Weinverkauf gefunden wurden. Den Beamten kam beides verdächtig vor.

An einem Deal, wonach der junge Mann im Falle eines Geständnisses womöglich mit einer Bewährungsstrafe davonkommen könnte, zeigte die Verteidigung kein Interesse. Beim Eintritt in die Beweisaufnahme erklärten die Anwälte des Angeklagten stattdessen, dass dieser sich im Laufe des Prozesses, der sich bis in den Dezember hinein ziehen dürfte, keine Angaben zur Sache machen wird.

So begann ein langer Verhandlungstag mit mehreren Zeugenbefragungen, bei denen immer wieder die Vernehmungsprotokolle der Polizei von 2015 herangezogen werden mussten. Die Befragung eines Kripobeamten durch das Schöffengericht zweieinhalb Jahre nach dem Vorfall ergab, dass der sich an viele Details der Ermittlungen nicht mehr erinnern konnte. Dies sowie eine weitere Zeugin, die mit verwirrenden Angaben zu ihren Lebensumständen ihre Glaubwürdigkeit nicht unbedingt untermauerte, prägten den Vormittag im Sitzungssaal.

Den Armreif, den der Angeklagte eben jener Zeugin gestohlen haben soll, will er bei einem Türkeiurlaub für seine Mutter gekauft haben, so seine Aussage vor gut zwei Jahren. Es sei nur ein billiges Plagiat, keinesfalls echt. Eine Louis-Vuitton-Expertin begutachtete das Schmuckstück. Sie kam zu einem anderen Schluss. Doch spielt der Armreif nur eine untergeordnete Rolle in dem Verfahren.

Mehr Gewicht haben da die beiden Sechs-Liter-Flaschen des französischen Edeltropfens. Die will der Angeklagte – laut Polizeiprotokoll von 2015 – als Belohnung von wohlhabenden Freiern bekommen haben. Den Verkauf an den Händler in Südhessen hatte er nicht bestritten. Der Ankäufer der Flaschen, der in diesem Zusammenhang selbst einmal in den Verdacht der Hehlerei geraten war – das Verfahren wurde später eingestellt – gab im Gerichtssaal Aufschluss über die Exklusivität und Seltenheit des Petrus. Ob die Flaschen aber aus dem Miramar stammen, ließ sich zumindest am ersten Verhandlungstag nicht feststellen. Jedenfalls fehlten Flaschen dieser Art dort, als man nachschaute, nachdem der Angeklagte in Verdacht geraten war.

Der Wein gehörte übrigens einem Gast, der ihn bei Gelegenheit mit Freunden trinken wollte. Hotelier Nicolas Kreis hatte ihn also nur in seinem Haus eingelagert.

Keine Klarheit brachte die Verhandlung auch beim schwerwiegendsten Vorwurf – der Brandstiftung. Zwar gibt es offenbar ein Überwachungsvideo, das den Angeklagten in der Nähe des ersten Brandherds zeigt. Allerdings sagte er seinerzeit bei der Polizei aus, dass er sich auf einem Routine-Kontrollgang befunden habe. Es ist wohl fraglich, zu welchem Zeitpunkt die Aufnahme entstand. Denn die Uhr der Videokamera stimmte damals offenbar nicht mit der Echtzeit überein.

Unklarheit herrscht auch darüber, wer Zugang zu dem Technikraum hatte, beziehungsweise gehabt haben könnte. Für die Tür existieren nämlich 26 Schlüssel, von denen nach Aussage des Hotelchefs nur ein Teil in einem Tresor lag.

Weitere Mitglieder der Hotelierfamilie aus Westerland warteten stundenlang im Gerichtsflur auf ihre Vernehmung, wurden dann aber aus Zeitgründen wieder nach Hause geschickt. Am kommenden Dienstag ab 9.30 Uhr wird der Prozess fortgesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen