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Biikereden auf Sylt : Brandheiße Themen im Feuerschein

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Biike ist auch eine Zeit offener Worte: zu Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz, zu Streitigkeiten um Bauprojekte oder Maßnahmen des Küstenschutzes

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erstellt am 23.Feb.2015 | 05:30 Uhr

Tradition wird groß geschrieben bei den Biikefeiern und -feuern auf Sylt, ja in ganz Nordfriesland. Der 21. Februar ist das große Fest zu Jahresbeginn, mit dem die Einheimischen und immer mehr Touristen den Winter und die lange Zeit der Kälte und Dunkelheit verabschieden. Zu den Traditionen am Biiketag gehören seit langem aber auch die politischen Reden der Bürgermeister, des Bürgervorstehers und der Ortsbeiratsvorsitzenden der Insel. Die Sylter Rundschau veröffentlicht stellvertretend für alle einige interessante Themen sowie ausgewählte Zitate.

Für Petra Reiber ist es die letzte Biike in ihrer bald zu Ende gehenden Amtszeit als Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt. „24 Jahre habe ich den Umzug zur Biike angeführt und es war immer eine schöne Zeit gemeinsam mit den Syltern und Gästen das Feuer in Empfang zu nehmen“, sagte Reiber in Westerland. „Die Insel hat sich verändert und wird sich weiter verändern, aber die Liebe zur Tradition und der wunderschönen Sylter Landschaft bleiben. Ich gehe in dem Bewusstsein, dass die Sylter gute Gastgeber sind, weltoffen und hilfsbereit.“ Sylt sei längst eine multikulturelle Insel geworden, erklärte sie mit Verweis auf die weiter steigenden Zahlen von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Auf der Insel herrsche eine vorbildliche Willkommenskultur: „Wir sind tolerant, denn über allen Religionen muss die Toleranz stehen. Christen und Muslime müssen zusammenstehen gegen Extremisten, Dschihadisten oder die Terrormiliz Islamischer Staat, die diese Toleranz zerstören. Wir wollen hier keine Ausländerfeindlichkeit. Religiösen Fanatismus, in welcher Form auch immer, lehnen wir ab, zum Schutz eines friedlichen Miteinanders der Nationalitäten und Religionen. Es wird auf Sylt immer ein friedliches Miteinander geben. Gekämpft wird hier nur gegen einen Feind und das ist der Blanke Hans.“

Peter Schnittgard, der Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt, hielt diesmal die Biike-Rede in Tinnum und zitierte aus „Üüs Sölring Lön“, der „Nationalhymne“ der Sylter: „Unser Sylter Land, Du bist uns heilig, Du bist unser eigen, Du bist unser Glück. Deine Sitten zu erhalten, sind wir willig, Die Sylter Sprache vergessen wir nicht. Wir bleiben mit Dir allzeit verbunden.“ Dies seien mahnende Texte, kernige Worte und eine Aufforderungen an alle, nicht nur zum Mitsingen, sondern zum Mitmachen: beim Erhalt der Immobilien der Insulaner und der friesischen Identität, bei der Festigung der Sylter Traditionen und dabei, sich in ehrenamtlichen Bereichen zur Verfügung zu stellen. Zu den kontrovers diskutierten Themen auf der Insel sagte Schnittgard: „Alle schimpfen aufs Bauen, schimpfen über Großprojekte. Doch bauen kann nur der, der einem Sylter ein Grundstück abgekauft hat. Sylt kann sich nur selbst verkaufen. Vor allem sind wir aufgefordert endlich, eine Lösung für den Komplex Therme zu finden, ohne das wir uns verbiegen müssen.“ Und zur aktuell beschlossenen Null-Lösung mit den Abrissen auf dem ehemaligen Marinefliegerhorst: „Wenn ja, dann aber kein selbstgestricktes Re-Naturierungskonzept, sondern etwas Einmaliges mit Vorbildcharakter. Denn Ressourcen lassen sich nicht ersetzen. Hier könnte das erste ‚Konversions-Konzept zur Wiederherstellung einer typischen Wildfläche‘ geschaffen werden. Dafür gibt es öffentliche Mittel“, so der Bürgervorsteher. „Nun gilt es, zusammen zu rücken, uns einmal mit den bereits an Beschlüssen der Politik vorhandenen Fakten von Wohnungsbau bis Gewerbegebiete, von Tourismus bis Naturschutz ernsthaft bis zur endgültigen Umsetzung zu beschäftigen. Es gibt viel zu tun in der Großgemeinde.“

Auch Ortsbeiratsvorsitzender Oliver Ewald benannte in seiner Biike-Rede die Themen, die den Keitumern auf den Nägeln brennen: „Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, dass man durch Beharrlichkeit Probleme lösen kann, so kann endlich der Keitumer Bahnhof renoviert und einer neuen Nutzung zugeführt werden, aber auch bei den Küstenschutzmaßnahmen im alten Kirchenweg konnten die Anlieger mit Hilfe des Landschaftszweckverbandes unbürokratisch unterstützt werden“, sagte Ewald. „Manche Probleme sind allerdings schwieriger zu lösen: die Thermenruine begleitet die Reden zur Biike seit vielen Jahren. Der Anblick ist nicht mehr zu ertragen und hemmt uns auch beim dringend erforderlichen Ausbau der Arena. Die Chancen, sich nicht auf ewige Zeit vor Gericht zu streiten, sondern sich außergerichtlich zu einigen, sind gestiegen. Diese Verhandlungen eignen sich jedoch nicht für parteipolitisches Taktieren oder Machtspiele, sondern es geht um die Zukunft unseres Dorfes.“

Der Küstenschutz stand im Fokus der Reden der Inselbürgermeister im Norden und Süden. „Klimawandel und ein damit verbundener Anstieg des Meeresspiegels bereiten uns zunehmend Sorgen. Auch wenn wir uns endlich, nach mehr als drei Jahrzehnten intensiver Bemühungen, jetzt hinter dem neuen Mövenbergdeich sicherer fühlen können, bleiben weiterhin die jährlichen Sandvorspülungen wichtige Voraussetzungen für den Erhalt unserer Insel“, sagte Wolfgang Strenger in List. „Zum Glück blieben wir diesen Winter von schlimmen Stürmen verschont“, freute sich Rolf Speth aus Hörnum. Aber der weitere Schutz der Odde sei eine der wichtigsten Herausforderungen für 2015.

Katrin Fifeik, die Bürgermeisterin von Wenningstedt-Braderup, freute sich, dass die Gemeinde es endlich geschafft habe, auf der Osterwiese mit der Wohnungsbauplanung beginnen zu können. Allerdings hätten die massiven Einsprüche Weniger zu erheblichen Verzögerungen geführt: „Es fehlt mir jedes Verständnis dafür, dass es Menschen gibt, die in ihren Häusern oder Wohnungen sitzen – denen es also gut geht – und die dagegen vorgehen, wenn in ihrer Nachbarschaft bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden soll.

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