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Biike auf Sylt : Brandaktuell und brisant: Die Biike-Reden 2017

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bahnverkehr, Wohnungsbau und Therme: Bei den Sylter Biike-Reden standen aktuelle insulare Themen im Mittelpunkt.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2017 | 19:32 Uhr

Kalt war’s – aber trocken: Bei leichtem Westwind und Temperaturen um fünf Grad zogen Insulaner und Gäste gestern Abend zu den neun Feuerplätzen zwischen Hörnum und List. Rund um die Biike wärmten sich Tausende Besucher, sangen die Sylter Hymne „Üüs Sölring Lön“ und hörten die hochdeutschen und friesischen Biikereden. Dabei standen aktuelle insulare Themen im Mittelpunkt, allen voran natürlich der Bahnverkehr.



Westerland




In Westerland musste kurzfristig Carsten Kerkamm einspringen, weil Bürgervorsteher Peter Schnittgard gesundheitsbedingt abgesagt hatte. Der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Sylt richtete einen „Appell an Bund, Land, Kreis, an DB Regio, die Bahn und alle Betreiber unserer einzigen Lebensader mit dem Festland: Unsere Geduld ist zu Ende. Holt endlich Equipment, das es gewährleistet, die Situation dauerhaft zu verbessern!“

Kerkamm würdigte aber auch den intensiven Wohnungsbau durch das Kommunale Liegenschafts-Management. „Bastianplatz, Apenrader Straße, Bahnweg sind nur einige von vielen Beispielen – der Wohnungsmarkt hat sich entspannt“, zog Kerkamm Zwischenbilanz. „Wir werden nicht nachlassen, weiterhin Wohnraum für Sylter zu sichern und neu zu schaffen.“ Nachhaltig könne dies ausschließlich die Gemeinde. „Wir benötigen auch die Hilfe des Landes, in dem es uns Kontingente zuweist, damit wir weiterhin Wohnungsbau für Sylter betreiben können und zwar ohne Bedingungen, die wir nicht erfüllen können oder auch wollen. Der Sylter Hausbesitzer, der jeden Monat pünktlich seine Kreditraten an die Bank zahlt, darf nicht schlechter gestellt werden als andere.“



Tinnum




In Tinnum stellte Bürgermeister Nikolas Häckel den Zusammenhalt auf der Insel in den Mittelpunkt: „Lasst uns bitte endlich respekt- und würdevoll miteinander umgehen – selbst, wenn wir mal auf unterschiedlichen Wegen zum Ziel unterwegs sind! Lasst euch nicht blenden von jenen, die gern effektheischend Öl ins Feuer gießen, statt sich konstruktiv einzubringen.“ Mit der neuen Währung „Aufmerksamkeit“ werde heute viel zu oft manipuliert und mit „alternativen Fakten“ und „subjektiven Wahrheiten“ gern Stimmung gemacht.

Aber auch Häckel würdigte den Wohnungsbau für Sylter, ohne den die Insel zur touristischen Kulisse verkommen würde – doch der Weg dahin sei steinig. „Zunächst beschlossen wir die 40/60-Regelung, abgenickt von Kiel, der Schlüssel zum gesicherten Konzept, über das uns die Landesregierung ein sicheres Kontingent für neue Wohnungen gewährte. Schließlich wurde 40/60 hier in Tinnum am 2. November 2015 gekippt. Jetzt diskutieren wir über 130/60 – ein anderer Ansatz, ein ähnliches Konzept. Wir diskutieren uns noch die Köpfe heiß, und die Landesregierung sagt doch schon längst ‚Nein‘ dazu.“ Jede Regelung greife in das private Eigentum ein, betreffe das Erbrecht, habe steuerliche Konsequenzen – eine Erfahrung, die Häckel selbst machen musste.

„Aber die Schaffung und Erhaltung von Dauerwohnraum kann nicht allein Aufgabe der Gemeinde sein – es geht nur mit uns Eigentümern zusammen.“ Nachteile des Einzelnen könnten ein Riesenfortschritt für die Gemeinschaft sein, von dem wiederum jeder Einzelne profitiert. „Es geht darum, eine liebens- und lebenswerte Gemeinde zu bleiben und kein reines Urlaubsresort zu werden, das seine einzigartige Natur zur Kulisse des Kommerz degradiert und seine eigentlichen Bewohner langsam ausrangiert.“



Keitum




In Keitum trat der Ortsbeirats-Vorsitzende Oliver Ewald vor das Publikum und kritisierte, dass sich die Insel zu oft mit sich selber beschäftige. „Die Energie, die wir mit internen Diskussionen und Streitereien verschwenden, sollten wir nach außen tragen, um uns optimal gegenüber Land oder Bund aufzustellen.“ Mit dem Beginn einer einheitlichen insularen Marketingstrategie sei ein hoffnungsvoller Anfang gemacht worden. Aber Oliver Ewald ging auch auf den Dauerbrenner Keitum-Therme ein: „Der Abriss ist geplant, finanziert und auch für das Frühjahr terminiert. Keitum hofft, dass die Planung auch umgesetzt wird.“



List




Der stellvertretende Bürgermeister von List, Manfred Koch, richtete das Augenmerk auf den kommenden ereignisreichen Sommer im Inselnorden: „List verändert sich – das kann jeder nicht nur an den Kränen sehen. Rege Bautätigkeit kennzeichnet unseren Ort zur Zeit. Das wird auch noch eine Weile so bleiben. Die Bauarbeiten für das neue Feuerwehrgerätehaus haben im Dezember begonnen. Strandkorbhalle und Bauhof werden bald folgen. Deutlich mehr ist bereits von unserer neuen Lister Mitte zu sehen. Noch in diesem Sommer soll dort das Einkaufszentrum ‚Lister Markt‘ eröffnet werden. Voran geht es auch mit dem Areal des ehemaligen Lister Offizierheims. Die Lanser-Hof-Gruppe hat dieses einmalige Grundstück gekauft und ist weit in der Detailplanung zu einem außergewöhnlichen ‚Medical Spa‘. Und auch die Planungen zur Erneuerung der Hafenstraße und der neuen Nutzung der ehemaligen Marineversorgungsschule haben begonnen.“



Morsum




Das Dauerthema Bahn sprach der stellvertretende Ortsbeiratsvorsitzende Holger Weirup in Morsum an: „Auch wenn die DB AG für den Ausfall des Wagenmaterials der NOB nicht verantwortlich ist, so erwarte ich doch, dass so ein Großkonzern in der Lage ist, solche Krisen besser zu meistern.“ Gerade Personen mit Handicap seien „hier wieder mal auf’s Abstellgleis geschoben worden. Solche Missstände darf es im 21. Jahrhundert einfach nicht geben.“



Archsum




In Archsum griff der Ortsbeiratsvorsitzende Jürgen Kamp das Thema Flüchtlinge auf: „Auf der Insel haben wir zum Jahreswechsel insgesamt 250 Flüchtlinge unterbringen können. Wir haben diesen Menschen Obdach geboten, haben sie integriert und so leben sie nun mitten unter uns, so wie es auch zahlreiche Zweitwohnungsbesitzer, Badegäste und die vielen tausend täglichen Pendler vom Festland auch tun. Ein besonderes Erlebnis war es für mich, als ich einer Flüchtlingsfamilie zur Geburt ihres ersten Kindes gratulieren durfte. Mein Dank gilt hier den vielen freiwilligen, ehren-, aber auch hauptamtlichen Helfern, die diese Arbeit zumeist im Verborgenen tun.“

Jürgen Kamp sprach aber auch die Halle 28 auf dem Fliegerhorst an: „Die Bürger haben entschieden, diese Halle zu erhalten und entsprechend zu widmen. Also, liebe Politiker, hört endlich auf Euch zu beklagen und fangt an, den Bürgerwillen umzusetzen.“



Rantum




Der Rantumer Ortsbeiratsvorsitzende Frank Zahel ging auf das Thema Geburtenstation und den geplanten Bürgerentscheid ein: „Man kann sich viele Sachen wünschen, aber sie müssen auch umsetzbar sein; man muss sich an Rahmenbedingungen halten, auf die man selbst keinen Einfluss hat. Die Forderungen sind leider völlig realitätsfremd! Man arbeitet bereits an besseren Bedingungen für Mutter und Kind und für die gesamte Familie.“



Wenningstedt-Braderup und Kampen

 

Die Bürgermeisterin von Wenningstedt-Braderup, Katrin Fifeik, richtete ihr Augenmerk vor allem auf die Verkehrssituation der Insel. Katrin Fifeik bedankte sich bei allen Gästen, die es trotz der  Probleme mit der Autoanreise – von den A7-Baustellen über das Durcheinander bei den Autozugbetreibern bis hin zu den Baustellen rund um die  Verladung in der Gemeinde Sylt – den Weg zur Biike und zum Petritag geschafft hatten. 

Fifeik bedauerte auch, dass es nicht gelungen sei, die Probleme bei der Bahnanreise zu lösen. „Ich möchte mich auch ganz herzlich bei all den Pendlern bedanken, die trotz des Chaos’ mit der  Bahn relativ pünktlich täglich hier erscheinen und damit dafür Sorge tragen, dass die Hotels, Restaurants und Geschäfte täglich öffnen können und auch die gesundheitliche Versorgung gewährleistet ist. “Auch wenn Verkehrsminister Meyer schon des öfteren auf der Insel aufgeschlagen ist, seien die Ergebnisse mehr als bedenklich.

Im Zusammenhang mit der Übergabe der defekten NOB-Reisewagen an DB Regio stellten sich viele Fragen, aber auch, warum es nicht möglich ist, Bahnreisende verbindlich darüber zu informieren, ob ihr Zug fährt oder nicht. „Warum darf man mit verschmutzten Zügen den Betrieb weiterführen?  Warum wird nicht genug Personal eingestellt um sicher zu gehen, dass Kunden mit Handicap in die Züge kommen? Warum muss für eine nicht vollständig erbrachte Leistung der volle Preis bezahlt werden?“

Dabei sei ihr durchaus klar, dass es deutschlandweit größere Probleme gäbe. „Dass wir schmerzlich im letzten Jahr erfahren mussten, dass der Terrorismus auch in Deutschland angekommen ist.“  Aber gerade deshalb sei es wichtig, nicht in der Versenkung zu verschwinden und dass die  drei Dörfer Braderup, Kampen und Wenningstedt zusammen zur Biike wandern.



Hörnum




Im Inselsüden mussten die Teilnehmer mit einer friesischen Rede vorliebnehmen. Wegen Terminschwierigkeiten fand sich kein Gemeindeoberhaupt für einen hochdeutschen Vortrag.

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