zur Navigation springen

Mit Video : Brandaktuell und brisant: Die Biike-Reden 2016

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mit Spannung sahen Sylter und Gäste den Biike-Reden entgegen, die sich oft durch Schärfe sowie ihre politische Brisanz auszeichnen.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2016 | 19:42 Uhr

Trotz Regen und frischer Temperaturen wanderten gestern Abend Tausende Sylter und Gäste gut gelaunt zu den Biike-Plätzen auf der Insel. Mit Spannung sah man besonders den Reden entgegen, die sich oft durch Schärfe sowie ihre politische Brisanz auszeichnen. So auch gestern:

Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel erinnerte in Westerland in seiner Rede an die Tradition der Biike auch als Tag der Gemeinschaft. Er mahnte, dass die Sylter auch heute gemeinsam für den Erhalt ihrer Heimat kämpfen müssen: „Wir erleben immer noch eine starke, fast unerträgliche Bautätigkeit, die unser Sylt verändert. Unser größtes Problem ist die Ausbeutung der Insel durch Spekulanten, die um jeden Preis alles aufkaufen. Dadurch ist kaum noch ein Sylter in der Lage, bezahlbaren Wohnraum zu bekommen.“ Dabei sei es nicht nur die Aufgabe der Gemeinde, für neuen Dauerwohnraum zu sorgen, sondern auch die jedes Hauseigentümers. „Groß ist die Gefahr, dass die Insel ihr Profil verliert, ihr Herz in austauschbaren Marketingfloskeln verwässert, weil der Profit regiert. Wir müssen Spekulanten in ihre Schranken weisen“, so der Bürgermeister weiter. „Wie oft wurde und wird Sylt gequält und geknechtet, neu erfunden und als Zugpferd angespannt von Fremden für die Vermarktung, für die Gewinn-Optimierung, für den Kommerz. Wehren wir uns dagegen!“

Anschließend wandte sich Häckel dem Thema Flüchtlinge zu und lobte die Gastfreundschaft der Insulaner, mit der sie den Neu-Bürgern begegnen. Seine Rede beendete er mit der Aufforderung an die Sylter, sich als starke Gemeinschaft zum Wohle ihrer Heimat zu verstehen: „Sylter, wir können das!“

Eindrücke vom Biikebrennen 2016 auf Sylt gibt es in diesem Video:

Auch an der Biike der Norddörfer forderte Kampens Bürgermeisterin Steffi Böhm die Insulaner auf, sich auf die gemeinsamen Werte zu besinnen, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass sich Traditionen auch verändern: „Tradition ist jedoch nie das Bewahren der Asche, sondern immer die Weitergabe des Feuers.“ Nach einem Lob für die „intakten Dorfleben“ in Kampen und Wenningstedt kritisierte Böhm Entwicklungen der Gemeinde Sylt, unter anderem den Versuch, auch den Norddörfern die 40/60-Regelung „aufzuerlegen“. Doch das, betonte die Bürgermeisterin, werde nicht gelingen: „Was nützen uns zwangsauferlegte Wohnungen, die dann zu Preisen angeboten werden, die kein Sylter bezahlen kann. Das haben wir bereits!“ Außerdem gratulierte sie den Intitatoren des Bürgerbegehrens zum Erhalt der Halle 28: „Nun schaut die Insel auf die Gemeinde Sylt und darauf, wie man dort mit dem Willen der Bürger umgeht.“

Auch Manfred Uekermann lobte den Erfolg des Bürgerbegehrens in seiner Rede an der Tinnumer Biike an. Zur 40/60-Regelung sagte der Ortsbeiratsvorsitzende: „Die Gefahr dass grade diejenigen, die nicht verkauft haben nun für die verfehlte Politik der letzten Jahrzehnte die Leidtragenden sind, ist hoch. Man spürt deutlich die Unzufriedenheit in den Dörfern, und es ist wichtig, dass die Politik auf die Stimme der Bürger hört.“ Anschließend kritisierte Uekermann das drohende Bahnchaos auf dem Hindenburgdamm und äußerte „Unverständnis darüber, dass ein Wettbewerb, der ursprünglich den Menschen zugutekommen sollte, nun genau das Gegenteil verursacht.“ Die friesische Ansprache an der Tinnumer Biike hielten auch in diesem Jahr Schüler der Boy-Lornsen-Schule, die in einem kleinen Theaterstück die Bedeutung der Biike erklärten.

In ihrer auf Sölring gehaltenen Rede an der Keitumer Biike warb Renate Schneider dafür, dass die Insulaner ihre Traditionen nicht aufgeben: „Wir haben gerade in letzter Zeit viel Unruhe auf unserer Insel. Es gibt immer wieder Menschen, die Sylt verändern wollen und gute Ratschläge haben für all das, was man besser machen könnte, wo wir Sylter nur den Kopf drüber schütteln“, konstatierte Schneider. „Nehmen wir nur die Bahnstrecke, wo wir noch nicht wissen, wie das endet. Und wir wollen hoffen, dass die Gemeinde Sylt keinen Kompensations-Handel macht, nur um so schnell wie möglich das hässliche Bild von der Therme loszuwerden.“

Etwas positiver blickte dort der Ortsbeiratsvorsitzende Oliver Ewald in die Keitumer Zukunft: „Das Jahr 2016 wird richtungsweisend für unser Dorf sein.“ Er wies auf die für den März geplante Bürgerbeteiligung „Keitum im Dialog“ hin: „Aufgerufen sind alle Menschen, denen Keitum wichtig ist und am Herzen liegt, sich an dem zweitägigen Workshop zu beteiligen.“ Und auch Ewald sprach das Thema Bürgerentscheid zur Halle 28 an: „Die Aufgabe der Verwaltungsspitze besteht darin, den Bürgerentscheid zu begleiten und die Menschen über Vor - und Nachteile der strittigen Fragen zu informieren“, so der Ortsbeiratsvorsitzende, „es ist jedoch nicht vertrauensbildend, wenn der Bürgermeister selber aktiv durch Anträge und politisches Handeln das Bürgerbegehren beeinflussen möchte.“

Im Inselnorden fand auch der Lister Bürgermeister Ronald Benck deutliche Worte: „Einwohnerschwund, verminderte Landeszuweisungen, Wohnungsnot, obwohl mitten im Ort fast 18 Hektar ehemaliges MVS Gelände brach liegen. List wird diese Probleme bewältigen und baut gerade 24 Wohnungen auf dem Hermanshain, in denen zu sozialverträglichen Mieten, neue Lister Einwohner ihre Heimat finden werden“, sagte er in seiner Rede und versprach: „Dieses ist der erste Schritt und weitere werden folgen um List Lebens und liebenswert werden und bleiben zu lassen.“ Schließlich forderte er die Anwesenden auf, daran mitzuwirken und „die Lebendigkeit unseres Ortes List zu erhalten und sich ehrenamtlich daran zu beteiligen“.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert